Deutsche Tageszeitung - Äußerungen von Merz zu Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss sorgen für Kritik

Äußerungen von Merz zu Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss sorgen für Kritik


Äußerungen von Merz zu Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss sorgen für Kritik
Äußerungen von Merz zu Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss sorgen für Kritik / Foto: © AFP

Die Aussagen von Kanzler Friedrich Merz (CDU) zu den geplanten Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss sind auf scharfe Kritik gestoßen. Die jüngsten Äußerungen von Merz und Familienministerin Karin Prien (CDU) zeigten, "dass sie die Lebenssituation von Alleinerziehenden und ihren Kindern nicht verstanden haben", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) dem "Spiegel". Viele Alleinerziehende arbeiteten und seien trotzdem auf den Unterhaltsvorschuss angewiesen.

Textgröße ändern:

Prien plant, den Staat den Vorschuss für Kinder von Alleinerziehenden nur noch bis zum 16. Geburtstag zahlen zu lassen - und nicht mehr bis zur Volljährigkeit. Hintergrund sind Sparvorgaben an den Bundeshaushalt. Anspruch auf Unterhaltsvorschuss besteht, wenn der unterhaltspflichtige Elternteil seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, nicht bekannt ist oder verstorben ist. Der Staat springt für die Zahlungen ein und holt sie sich später von den Unterhaltspflichtigen zurück.

Die geplanten Einschränkungen hatten bereits für scharfe Kritik gesorgt. Nun wiesen Merz und Prien jüngst darauf hin, dass alleinerziehende Eltern älterer Kinder in Vollzeit arbeiten könnten, anders als Eltern kleinerer Kinder. Der Kanzler äußerte sich so am Mittwoch bei seiner traditionellen Sommerpressekonferenz.

"Alleinerziehende mit Kindern in einem Alter von 16 oder 17 Jahren haben auch Kosten. Auch in diesem Alter brauchen Kinder Unterstützung", sagte Schwesig dazu.

Sie selbst habe bei der Bildung der Bundesregierung mit Prien die Kapitel zur Familienpolitik verhandelt, betonte die SPD-Politikerin. "Von Kürzungen war damals überhaupt keine Rede. Im Gegenteil. Es sollte Verbesserungen beim Unterhaltsvorschuss geben." Die gestiegenen Ausgaben für den Unterhaltsvorschuss dürften "kein Anlass für Sparmaßnahmen zulasten von Kindern sein". Sie zeigten, "dass das Thema sogar noch an Bedeutung gewonnen hat".

Merz' Aussagen zeigten "einmal mehr seine völlige Ignoranz gegenüber der Lebensrealität Alleinerziehender", sagte die Sprecherin für Alleinerziehende der Linken im Bundestag, Mareike Hermeier, der Nachrichtenagentur AFP. "Wer Alleinerziehenden empfiehlt, doch 'endlich' arbeiten zu gehen, redet von oben herab über Menschen, deren Alltag er offensichtlich nicht kennt - denn über 40 Prozent der alleinerziehenden Mütter arbeiten bereits in Vollzeit."

Hermeier forderte Merz und Prien auf, hundert Alleinerziehende einzuladen und sich deren Realität anzuhören. "Vielleicht hilft das gegen die konstatierte Ignoranz."

Scharfe Kritik kommt auch vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter. "Es ist ein Schlag ins Gesicht für Alleinerziehende, wenn der Bundeskanzler den Eindruck erweckt, sie würden nicht genug arbeiten", sagte Bundesvorsitzende Daniela Jaspers dem "Tagesspiegel"

Die bisher geplanten Einschnitte träfen Alleinerziehende, "die es ohnehin verdammt schwer haben", kritisierte die Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbandes, Katja Kipping, bei RTL und ntv. "Das betrifft in der Regel Mütter, die ohnehin schon jeden Tag zu jonglieren haben und mehrere Bälle in der Luft halten müssen."

"Viele von denen gehen einer Erwerbsarbeit nach, haben dann noch alleine die gesamte Verantwortung für die Kindererziehung und müssen in der Regel irgendwo eine aufstockende Sozialleistung beantragen." Kipping forderte stattdessen, härter gegen säumige Unterhaltszahler vorzugehen.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Vaterglück von Spahn: Keine Änderung der Rechtslage bei Leihmutterschaft geplant

Nach Berichten über das neue Vaterglück von Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) mit Hilfe einer Leihmutterschaft hat das Bundesfamilienministerium klargestellt, dass dieses Verfahren in Deutschland verboten bleibt. "Der Koalitionsvertrag sieht keine Änderung der aktuellen Rechtslage vor", sagte ein Sprecher des Ministeriums am Donnerstag den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Grundsätzlich bestehe ein Verbot der Leihmuttervermittlung. Aus der Union kam derweil eine Rücktrittsforderung an Spahn.

Landgericht Bonn verhängt Bewährungsstrafe für Hilfe bei versuchten Cum-Ex-Geschäften

Wegen Hilfe beim Versuch von sogenannten Cum-Ex-Geschäften ist ein früherer Bankmitarbeiter in Bonn zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht in der nordrhein-westfälischen Stadt sprach den 49-Jährigen am Donnerstag nach Angaben eines Sprechers der Beihilfe zur versuchten Steuerhinterziehung schuldig. 150.000 Euro, die der Angeklagte als Bonus erhielt, werden eingezogen.

Deutsche Chemieindustrie steckt weiter in der Krise - hofft aber auf Reformkurs

Rückgänge bei Umsatz, Produktion und Investitionen: Die kriselnde chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland kämpft auch 2026 mit sinkenden Zahlen. Das erste Halbjahr sei "enttäuschend“ verlaufen, erklärte der Präsident des Branchenverbands VCI, Markus Steilemann, am Donnerstag, Dennoch sieht der Verband "weiterhin großes Potenzial für den Industriestandort Deutschland" - ein "erster Schritt" ist demnach das jüngste Reformpaket der Bundesregierung.

Experten empfehlen dynamische Netzentgelte und höhere Kosten für PV-Betreiber

Wissenschaftliche Berater der Bundesnetzagentur haben Änderungen an der derzeitigen Ausgestaltung der Stromnetzentgelte vorgeschlagen. Der sogenannte Wissenschaftliche Arbeitskreis für Regulierungsfragen (WAR) empfiehlt unter anderem die Einführung von dynamischen Netzentgelten und eine stärkere Beteiligung von Photovoltaik-Anlagen-Betreibern an den Netzkosten, wie die Netzagentur am Donnerstag mitteilte.

Textgröße ändern: