Deutsche Tageszeitung - Viel Zuspruch für Alkoholverbot an Bahnhöfen

Viel Zuspruch für Alkoholverbot an Bahnhöfen


Viel Zuspruch für Alkoholverbot an Bahnhöfen

Der Vorstoß der Deutschen Bahn, den Alkoholkonsum an allen Bahnhöfen in Deutschland zu verbieten, stößt auf viel Zuspruch. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU), begrüßt die Ankündigung genau wie die Gewerkschaft der Polizei. Auch aus der SPD kam ein grundsätzlich positives Echo, allerdings brauche es dafür personelle Verstärkung. Zudem kam der Ruf nach einer Ausweitung des Verbots auf die Züge.

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"Der Vorstoß der Deutschen Bahn ist richtig", sagte Streeck der "Rheinischen Post" (Mittwochsausgabe). Bahnhöfe müssten Orte sein, an denen "sich Menschen sicher bewegen können und Eltern nicht überlegen müssen, welchen Bereichen sie mit ihren Kindern besser ausweichen". Der Drogenbeauftragte betonte: "Alkohol ist kein gewöhnliches Konsumgut. Er kann abhängig machen, schwere Krankheiten verursachen und Konflikte sowie Gewalt verschärfen."

Die Maßnahme sei "grundsätzlich richtig", entscheidend sei aber "eine konsequente Umsetzung", sagte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Alexander Poitz im ZDF-"Morgenmagazin". An großen Bahnhöfen wie München, Hamburg oder Bremen seien mit einem Alkoholkonsumverbot bereits "sehr positive Erfahrungen" gemacht worden.

Zugleich warnte Poitz vor einem "Flickenteppich", wenn Alkohol zwar auf Bahnhofsgeländen verboten sei, in Zügen aber weiterhin konsumiert werden dürfe. Daher wäre es konsequent, "auch in den Zügen ein Alkoholkonsumverbot auszusprechen". Ziel müsse es sein, alkoholisierte Menschen vom Bahnhof fernzuhalten.

Die Deutsche Bahn hatte am Dienstag angekündigt, bis Mitte Oktober an allen Bahnhöfen den Konsum von Alkohol per Hausordnung zu verbieten. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte, sie wolle damit mehr Ordnung und Sicherheit schaffen. Der Konsum in der Bahnhofsgastronomie sowie das Mitführen geschlossener alkoholischer Getränke soll weiterhin erlaubt sein.

Der Polizeigewerkschafter Poitz sieht allerdings zunächst die Deutschen Bahn in der Verantwortung. "Das Hausrecht für dieses Alkoholkonsumverbot muss erst mal die DB-Sicherheit durchführen", sagte er. Die Bundespolizei solle vor allem eingreifen, wenn aus Verstößen Straftaten entstehen oder Platzverweise und Hausverbote durchgesetzt werden müssten.

"Dass die Deutsche Bahn ihre eigenen Sicherheitsbemühungen verstärkt, begrüße ich ausdrücklich", sagt der innenpolitische Sprecher der Union, Alexander Throm (CDU), der "Welt". "Dazu gehört aber auch, dass sie diese Regeln mit eigenem Personal durchsetzt." Auch der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Sebastian Fiedler, forderte deshalb "eine erhebliche personelle Verstärkung bei der DB Sicherheit".

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe befürchtet durch das Alkoholverbot neue Härten für obdachlose Menschen mit Alkoholsucht. "Ein Verbot verändert nicht die Lebenslage der Menschen, die sich am Bahnhof aufhalten, sondern verdrängt sie lediglich aus dem Blickfeld", sagte Vize-Geschäftsführer Joachim Krauß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

In Hamburg habe das Alkoholverbot dazu geführt, dass die Menschen in angrenzende Stadtteile verdrängt wurden, führte Krauß aus. Das Problem habe sich nur verlagert. Dennoch sieht der Vize-Chef der Wohnungslosenhilfe auch einen positiven Nebeneffekt: Die Stadt Hamburg baue inzwischen niedrigschwellige Hilfeangebote in unmittelbarer Bahnhofsnähe aus.

(A.Stefanowych--DTZ)

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