Deutsche Tageszeitung - Bundesregierung will den Zoll im Kampf gegen organisierte Kriminalität stärken

Bundesregierung will den Zoll im Kampf gegen organisierte Kriminalität stärken


Bundesregierung will den Zoll im Kampf gegen organisierte Kriminalität stärken
Bundesregierung will den Zoll im Kampf gegen organisierte Kriminalität stärken / Foto: © AFP/Archiv

Die Bundesregierung will den Zoll durch zusätzliche Befugnisse besser für den Kampf vor allem gegen organisierte Kriminalität wappnen. Das Kabinett beschloss am Mittwoch den Entwurf für das Zollfinanzgerechtigkeitsgesetz, das unter anderem eine erleichterte Beschlagnahme von Vermögenswerten vorsieht. "Der Zoll wird moderner, digitaler und schlagkräftiger", erklärte dazu Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).

Textgröße ändern:

"Mit dem Zollfinanzgerechtigkeitsgesetz geben wir dem Zoll die Befugnisse, die er im 21. Jahrhundert braucht, um gegen organisierte Kriminalität, Finanzkriminalität oder den internationalen Drogenhandel vorzugehen", betonte Klingbeil weiter. "Damit senden wir ein klares Signal an Kriminelle: Wir verschärfen die Gangart". Gleichzeitig würden so ehrliche Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen entlastet. "Das ist ein wichtiger Beitrag zur Gerechtigkeit in unserem Land."

Die Neuregelung soll es dem Zoll ermöglichen, bedeutsame Vermögensgegenstände sicherzustellen, wenn der Verdacht bestehe, dass diese nicht rechtmäßig oder mit nicht rechtmäßigen Mitteln erworben worden seien. Dann "sind der Porsche oder die Rolex erstmal weg", erklärte dazu Klingbeil. Auch Befugnisse für die Verfolgung von Geldwäsche sowie dem Einsatz Künstlicher Intelligenz werden erweitert.

Der Gesetzentwurf sieht zudem organisatorische Reformen vor, um den Zoll effizienter aufzustellen. Der Datenaustausch mit dem Bundeskriminalamt (BKA) soll erleichtert werden, auch ein gemeinsames Analysezentrum der beiden Behörden soll entstehen. "Damit verschärfen wir die Gangart gegen Finanzbetrüger, Steuerkriminelle, Drogenhändler und gegen die organisierte Kriminalität", hieß es zu dem Maßnahmenpaket. Die Regierung will laut Finanzressort nicht nur eine höhere Kontrollqualität erreichen, sondern auch den Zoll serviceorientierter und effizienter aufstellen.

Kritisch äußerte sich die Linkspartei. "Die neue Vermögensabschöpfung ist für organisierte Steuerkriminalität schlicht das falsche Werkzeug: Eingezogen werden zwar Bargeld und Porsche der kleinen Fische, an die Villa des Cum-Ex-Bankers kommt der Zoll aber weiterhin nicht ran", sagte die Linken-Finanzexpertin Isabelle Vandre der Nachrichtenagentur AFP. Für den Kampf gegen organisierte Steuerkriminalität "fehlt weiterhin wirkliche Substanz", kritisierte sie weiter. "Dabei wäre genau hier das große Geld zu holen."

Die Regierung habe beispielsweise "den Plan gestrichen, endlich alle Konzernmütter von Banken und Versicherungen unter Geldwäscheaufsicht zu stellen". Die Folge sei, "unten wird kontrolliert, oben weggeschaut", warf die Linken-Politikerin der Regierung vor. Vandre forderte zudem, Erlöse aus der Vermögensabschöpfung müssten zugunsten der Bürgerinnen und Bürger genutzt werden, wie dies etwa in Italien gehandhabt werde. So könne "die beschlagnahmte Villa der organisierten Kriminalität zum kommunalen Jugendclub werden".

Skeptisch äußerte sich auch Anne Brorhilker von der Bürgerbewegung Finanzwende. Zwar begrüßte die frühere Oberstaatsanwältin die neuen Befugnisse zur Vermögensabschöpfung. Das neue Gesetz sei aber "kein Allheilmittel, schon gar nicht im Kampf gegen die gravierenden Fälle, gegen die dicken Fische", sagte sie dem Bayerischen Rundfunk. Brorhilker wertete die geplanten Änderungen als "ersten Schritt" für eine bessere Bekämpfung der Finanzkriminalität und äußerte die Hoffnung, dass da "noch ein bisschen was nachkommt".

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

Norwegischer Staatsfonds macht 160 Milliarden Euro Gewinn im ersten Halbjahr

Der norwegische Staatsfonds hat sich im zweiten Quartal von den Verlusten im ersten Quartal erholt und über das Halbjahr ordentlich Gewinn gemacht. Die Fondsverwalter von der norwegischen Zentralbank meldeten am Mittwoch eine Rendite von 9,4 Prozent. Nach einem Verlust von 58 Milliarden Euro im ersten Quartal ergab sich demnach über die ersten sechs Monate ein Plus von 160 Milliarden Euro.

Umweltminister Schneider gegen Vertiefung von Flüssen wegen Niedrigwassers

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat sich gegen eine Vertiefung von Flüssen zur Aufrechterhaltung der Schifffahrt in Zeiten von Niedrigwasser ausgesprochen. Das könne nicht die Antwort auf die gegenwärtige Situation sein, sagte Schneider am Mittwoch in Berlin. Vielmehr brauche es einen "Rückbau" der Flüsse, "weg von Kanälen hin zu natürlichen Flüssen mit mäandernden Flussarmen, mit Flussauenlandschaften, die das Wasser in der Fläche halten".

Bundesregierung will begleitetes Trinken ab 14 Jahren abschaffen

Kein Alkohol mehr für 14- und 15-Jährige: Die Bundesregierung will das sogenannte begleitete Trinken für Jugendliche ab 14 Jahren abschaffen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf beschloss das Kabinett am Mittwoch. Damit soll eine Ausnahmeregelung gestrichen werden, die Kauf und Konsum in der Öffentlichkeit von Bier, Wein und Sekt in Begleitung der Eltern auch mit 14 oder 15 Jahren erlaubt.

Krankenkasse: Anteil der Kinder mit Bewegungsstörungen massiv gestiegen

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit einer diagnostizierten Bewegungsstörung ist einer Erhebung zufolge massiv gestiegen. 2024 lag der Anteil bei schulpflichtigen Heranwachsenden zwischen sechs und 18 Jahren bei 3,1 Prozent und damit 32 Prozent höher zehn Jahre zuvor, wie aus einer am Mittwoch in Hannover veröffentlichten Analyse der Krankenkasse KKH hervorgeht. Besonders hoch war die Steigerung bei den 15- bis 18-Jährigen. Sie lag 2024 um rund 67 Prozent über dem Wert von 2014.

Textgröße ändern: