Deutsche Tageszeitung - Hitze und Trockenheit: Bauern erwarten leicht unterdurchschnittliche Ernte

Hitze und Trockenheit: Bauern erwarten leicht unterdurchschnittliche Ernte


Hitze und Trockenheit: Bauern erwarten leicht unterdurchschnittliche Ernte
Hitze und Trockenheit: Bauern erwarten leicht unterdurchschnittliche Ernte / Foto: © AFP

Getreide, Raps, Kartoffeln: Wegen der Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen fallen die Ernten in Deutschland teils enttäuschend aus, vor allem im Süden und Westen. Zugleich bekämen die Landwirte "seit drei Jahren unterdurchschnittliche Erzeugerpreise" und ihre Kosten seien "sehr sehr stark gestiegen", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Dienstag bei der Vorstellung der vorläufigen Erntebilanz in Berlin. Die Lage sei "wirtschaftlich sehr angespannt". Rukwied forderte finanzielle Unterstützung.

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Der Bauernverband rechnet in diesem Jahr mit einer Getreideernte von 41,9 Millionen Tonnen. Das wären sieben Prozent weniger als im Vorjahr und 1,4 Prozent unter dem fünfjährigen Durchschnitt von 42,5 Millionen Tonnen.

Der Ertrag pro Hektar sei zudem im Vorjahresvergleich um neun Prozent auf nur 68,9 Doppelzentner gesunken. Ein zu trockenes Frühjahr und die Hitzewelle im Juni während der Kornfüllungsphase hätten vielerorts zur Notreife geführt: Die Körner blieben klein.

Beim Raps sei der Ertrag sogar um 20 Prozent zurückgegangen, teilte der Bauernverband mit. Hier waren laut Verbandspräsident Rukwied eher Betriebe im Norden betroffen.

Geprägt sei die diesjährige Ernte von "enormen regionalen Unterschieden", erklärte der Verband. Insbesondere in Süd- und Westdeutschland hätten fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen "bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt". Betriebe in Süddeutschland hätten auch nicht genügend Futter ernten können - sie müssten nun teures Futter zukaufen oder die Zahl ihrer Tiere reduzieren, sagte Rukwied.

Ertragsausfälle besonders in Süddeutschland seien auch bei Kartoffeln und bei Zuckerrüben zu erwarten. Auch wenn es jetzt wieder regne - "da ist die Messe gelesen", sagte Rukwied.

Bei Obst und Gemüse seien Mengen und Flächen vor allem wegen des hohen Mindestlohns rückläufig. Süßkirschen aus der Türkei kosteten etwa 3,30 Euro das Kilo - die Produktionskosten in Deutschland lägen bei 4,00 Euro.

Auch beim Wein werden laut Rukwied zunehmend Flächen aufgegeben. Er appellierte an die deutschen Weintrinker, mehr auf deutsche Weine zurückzugreifen.

Die Erntemengen seien in der Tendenz "seit Jahren rückläufig", sagte Rukwied. Gründe seien die Beschränkungen beim Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln und auch die Klimaerwärmung. "Die spüren wir schon lange, seit 15, 20 Jahren."

"Kernproblem" der Landwirtschaft sei aber das niedrige Preisniveau, sagte Rukwied - die Preise würden am Weltmarkt gemacht. Dazu kämen die stark gestiegenen Kosten für Treibstoff, für Dünger und für Pflanzenschutzmittel. In manchen Betrieben sei die wirtschaftliche Lage "schlicht toxisch".

"Zwingend notwendig" nannte Rukwied daher ein "Sofortprogramm" zur Unterstützung der Bauern. Er fordert, das Düngemittelhilfspaket der EU von 60 auf 180 Millionen Euro aufzustocken und über die Berufsgenossenschaft schnell auszahlen zu lassen. Die Direktzahlungen aus Brüssel müssten die Bauern zu 80 Prozent bereits im Oktober erhalten. Die Bundesregierung müsse die Steuer auf Diesel "sofort" senken.

Im Koalitionsvertrag vereinbart sei außerdem die Risikoausgleichsrücklage, mahnte Rukwied. Damit können Landwirte in guten Jahren Gewinne steuerfrei zurücklegen. "Die Bundesregierung muss jetzt handeln", sagte der Bauernpräsident. "Das erwarten wir. Punkt."

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sagte im ZDF-"Morgenmagazin", "ohne belastbare Daten können wir schlecht Hilfe leisten". Die Regierung habe aber die Folgen der Dürre "genau im Auge" und werde "so gut es geht und so schnell es auch geht, passgenaue Hilfen anbieten". Rainer will Ende August amtliche Erntedaten vorlegen. Die Daten des Bauernverbands beruhen auf Meldungen der Landesbauernverbände und auf langjährigen Mittelwerten.

Die Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Julia Verlinden, kritisierte, kaum eine der von Rukwied geforderten Maßnahmen helfe den Betrieben dabei, sich für die nächste Trockenheit und Hitzewelle zu wappnen und klimakrisenfest aufzustellen. "Wir schlagen ein Programm 'klimafeste Böden' zur besseren Wasseraufnahme und Wasserspeicherfähigkeit vor." Damit könnten die Landwirte die eigene Produktivität in der Klimakrise sichern.

(A.Stefanowych--DTZ)

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