Deutsche Tageszeitung - Auftritt von Volkswagen-Chef Blume bei Betriebsversammlungen erntet Kritik

Auftritt von Volkswagen-Chef Blume bei Betriebsversammlungen erntet Kritik


Auftritt von Volkswagen-Chef Blume bei Betriebsversammlungen erntet Kritik
Auftritt von Volkswagen-Chef Blume bei Betriebsversammlungen erntet Kritik / Foto: © AFP

Nach Wochen der Unsicherheit mit Blick auf Sparpläne beim kriselnden Autobauer Volkswagen hat sich Konzernchef Oliver Blume bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg den Beschäftigten gestellt - seine Rede erntete jedoch vor allem Kritik. "Sämtliche relevanten Informationen" über die Auswirkungen eines zusätzlichen Jobabbaus fehlten weiterhin, erklärte Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo am Dienstag in einer Mitteilung, die der AFP vorlag. "Oliver Blume hat seine Chance also verpasst, zu sagen, was ist."

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Nach tagelangen Berichten über mögliche Stellenstreichungen und Standortschließungen hatte Blume zunächst Mitte Juli in einem im Intranet des Konzerns veröffentlichten Interview von weltweit etwa 50.000 abzubauenden Stellen gesprochen. Blume sagte nun, dass nach bisherigem Stand "etwa die Hälfte des Anpassungsbedarfs auf Deutschland" entfalle, "die andere international - in insgesamt rund 170 Gesellschaften". Der Vorstand werde "auch künftig so weit wie möglich auf freiwillige Personalinstrumente setzen".

Blume nannte etwa Renteneintritte, einvernehmliche Vereinbarungen, "natürliche Fluktuation sowie eine restriktive Einstellungspolitik". Auch solle die Altersteilzeit "für weitere Jahrgänge" geöffnet werden, fuhr er fort. "Die konkreten Schritte werden wir mit den Arbeitnehmervertretern beraten."

Der Konzernchef bekräftigte dabei, dass die "häufig genannte Zahl von rund 50.000 Stellen" weltweit "keine Zielgröße" sei. "Sie ist eine theoretische Rechengröße - abgeleitet von unseren Kosten. Heute liegen wir rund 30 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen", gab Blume weiter an. Der Konzernvorstand stehe "geschlossen hinter dem Zukunftsplan".

Der Betriebsrat hatte in einem der AFP vorliegenden internen Text hingegen kritisiert, der Konzernvorstand zeichne "das Zerrbild, Arbeits- und Fabrikkosten seien das Hauptproblem". Den Arbeitnehmervertretern zufolge würde selbst eine Halbierung des VW-Haustarifs die Gesamtkosten für ein Auto nur um etwa fünf Prozent senken.

Blume sprach auch mögliche Standortschließungen an. Er sagte den Angaben nach, die Marken sollten nun "gemeinsam mit den Werken konkrete Optionsräume erarbeiten". Das Ziel sei es, "in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen". "Für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm können wir heute noch keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre darstellen", wiederholte er. "Das heißt aber nicht, dass Werksschließungen beschlossen sind."

"Heute hat der VW-CEO in Wolfsburg viel geredet und doch wenig gesagt, ausgerechnet bei den entscheidenden Fragen blieb der Vorstand konkrete Antworten schuldig", erklärte der IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger.

Der gesamte Personalabbau-Plan des Vorstands für Deutschland umfasse inzwischen mehr als 100.000 Arbeitsplätze, rechnete Cavallo vor. Bereits zuvor sei vereinbart gewesen, rund 50.000 Stellen bis 2030 sozialverträglich abzubauen. Zu den 25.000 - die Hälfte der möglicherweise rund 50.000 weltweit abzubauenden Stellenin - kämen dann noch 40.000 Stellen in den Werken Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm hinzu.

Volkswagen steckt wie auch die anderen deutschen Autobauer in der Krise. Die Verkäufe von Elektroautos nehmen zwar an Fahrt auf, die Gewinnmargen sind dort jedoch kleiner. Zugleich belasten die Zölle der US-Regierung und vor allem das wegbrechende Geschäft in China die Unternehmen. Blume sprach am Dienstag davon, dass Volkswagen "handlungsfähig" sei, die "3,8 Prozent operativer Rendite" reiche aber nicht aus, "um unsere Zukunft aus eigener Kraft zu finanzieren".

IG-Metall-Chefin Christiane Benner hatte am Morgen im Radiosender Bayern 2 eingeräumt, dass die Lage der Automobilbranche mit Blick auf US-Zölle und die Konkurrenz aus China schwierig sei. Sie forderte jedoch, auf andere Sparmaßnahmen als den Personalabbau zu setzen. "Erkennen wir die Lage an? Ja, aber wir sind der Meinung, die Beschäftigten haben ihren Beitrag geleistet, und das Management ist in der Verantwortung, Perspektiven aufzuzeigen."

2024 war bereits die Rede von möglichen Werksschließungen gewesen. Die traditionell starken Arbeitnehmervertreter im VW-Konzern sowie das Land Niedersachsen als Anteilseigner rangen der Konzernspitze damals als Kompromiss ein Sparprogramm ab, das einen sozialverträglichen Abbau zehntausender Stellen bis 2030 vorsah.

IG-Metall-Bezirksleiter Gröger wies auf die damaligen Einigungen hin. "Wer jetzt erneut über Stellenabbau und Standorte spricht, muss zuerst erklären, was aus den Vereinbarungen von 2024 geworden ist: Wo sind die zugesagten Modelle, Produktionsverfahren und Investitionen?", fragte er. "Sparen allein ist keine Zukunftsstrategie."

(B.Izyumov--DTZ)

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