Deutsche Tageszeitung - Handelsstreit zwischen USA und Kanada geht mit Gegenzöllen aus Ottawa in neue Runde

Handelsstreit zwischen USA und Kanada geht mit Gegenzöllen aus Ottawa in neue Runde


Handelsstreit zwischen USA und Kanada geht mit Gegenzöllen aus Ottawa in neue Runde
Handelsstreit zwischen USA und Kanada geht mit Gegenzöllen aus Ottawa in neue Runde / Foto: © AFP/Archiv

Weitere Runde im Handelsstreit zwischen den USA und Kanada: Ottawa hat am Dienstag auf die jüngst von Washington verhängten Zölle mit Gegenzöllen in Höhe von 15 bis 50 Prozent reagiert. Die ab dem 8. September geltenden Zölle entsprächen dem Niveau der US-Aufschläge, erklärten kanadische Regierungsvertreter. Die deutsche Automobilindustrie äußerte sich besorgt wegen möglicher Auswirkungen des Zollstreits auf deutsche Unternehmen.

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Die Regierung in Ottawa verkündete angesichts des Zollstreits ein Hilfspaket in Höhe von umgerechnet 4,6 Milliarden Euro für betroffene Unternehmen und Beschäftigte. "Dies ist eine beispiellose Herausforderung für Kanada. Aber Kanada wird sich dieser Situation stellen", sagte der kanadische Finanzminister François-Philippe Champagne. Das Land habe sich diesen Handelskrieg "nicht ausgesucht". "Ich denke, die Kanadier können heute Morgen sehen, dass wir geeint sind. Wir stehen bei unserer Reaktion geeint zusammen."

Am Wochenende veröffentlichten Umfragen zufolge unterstützt eine große Mehrheit der Kanadier die harte Linie der Regierung gegenüber den USA, obwohl das Land im ersten Quartal des Jahres in eine technische Rezession gerutscht war.

Die USA sind Kanadas größter Handelspartner, 70 Prozent aller Exporte gehen in das Nachbarland. Für die USA wiederum ist Kanada nach Mexiko der zweitgrößte Handelspartner.

Industrieministerin Melanie Joly rief die Bürger auf, kanadische Unternehmen zu stärken. Sie kündigte zudem an, mit neuen Verbündeten und Handelspartnern zusammenzuarbeiten, und "zurückzuschlagen", sollte US-Präsident Donald Trump wie von ihm angekündigt im kommenden Jahr die Zölle auf kanadische Fahrzeuge auf 50 Prozent erhöhen.

Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada war am Wochenende nach dem Scheitern von Verhandlungen eskaliert. In der Nacht zu Samstag traten US-Zölle in Höhe von 50 Prozent unter anderem auf alkoholische Getränke, Milchprodukte, Hockeyschläger und Sperrholz aus Kanada in Kraft. Die Zölle treffen etwa 5,5 Prozent der kanadischen Exporte in die USA.

Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte daraufhin Gegenzölle an. Auf zuvor mit einem 25-prozentigen Zoll belegte Stahl- und Aluminiumprodukte aus den USA soll ein Zoll von 50 Prozent fällig werden. Unter anderem für US-Milchprodukte wie Käse und manche Stahl- und Aluminiumderivate gelten künftig Importaufschläge von 25 Prozent.

Eine kleine Reihe von Produkten wie Werkzeuge und elektrische Ausrüstung aus den USA wird den Plänen zufolge mit einem Zoll von 15 Prozent belegt. Gegenzölle werden auch auf frischen und gefrorenen Fisch, Haushaltswaren wie Spül- und Waschmaschinen fällig sowie auf Industrieprodukte einschließlich Baumaterialien für den Zugverkehr. Insgesamt sind 7,3 Prozent der kanadischen Importe aus den USA betroffen.

Trump heizte den Streit am Dienstag an, indem er öffentlich vorschlug, den zwischen beiden Ländern liegenden Ontariosee umzubenennen. "Die Vereinigten Staaten erwägen ernsthaft, den Namen des Ontariosees in Amerikasee zu ändern, weil wir nicht mehr erwarten, noch viele Geschäfte mit Ontario zu machen", schrieb Trump in seinem Onlinenetzwerk Truth Social mit Verweis auf die gleichnamige kanadische Provinz.

Der Premier von Ontario, Doug Ford, hatte am Montag erklärt, Trump "könne ihn mal" und mit einem Aufschlag auf Stromexporte gedroht. Trump drohte ihm daraufhin mit "viel schlimmeren" Konsequenzen und bezeichnete Kanadas Regierungschef Carney abermals als "Gouverneur", in Anspielung auf seine wiederholt geäußerte Forderung, das Land zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. Der Ontariosee ist einer der fünf sogenannten Großen Seen an der Grenze zwischen den USA und Kanada.

Ein Sprecher des deutschen Verbands der Automobilindustrie (VDA) äußerte sich am Dienstag besorgt über die möglichen Auswirkungen des Zollstreits. "Zahlreiche deutsche Zulieferer" hätten in Kanada Produktionsstätten und lieferten von dort in die USA. Zudem investierten Hersteller im Bereich der Batterietechnologie in Kanada.

Deutsche Hersteller exportierten auch aus den USA Fahrzeuge nach Kanada, fuhr der VDA-Sprecher fort. 2025 waren es demnach "rund 35.000 Light Vehicles, auch schwere Nutzfahrzeuge werden aus den USA nach Kanada exportiert". Das zeige, dass die Automobilindustrie "auf funktionierende und verlässliche Handelsbeziehungen angewiesen" sei. "Ständige Änderungen bei Zöllen und Handelsregeln sowie immer neue Drohungen schaffen Unsicherheit und belasten Investitionen."

(A.Nikiforov--DTZ)

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