Deutsche Tageszeitung - "Made in Europe"-Pläne sorgen für Streit zwischen Deutschland und Frankreich

"Made in Europe"-Pläne sorgen für Streit zwischen Deutschland und Frankreich


"Made in Europe"-Pläne sorgen für Streit zwischen Deutschland und Frankreich
"Made in Europe"-Pläne sorgen für Streit zwischen Deutschland und Frankreich / Foto: © AFP/Archiv

Die EU-Pläne für sogenannte "Made in Europe"-Quoten für die Industrie sorgen weiter für Streit zwischen Deutschland und Frankreich. "Produzieren in Europa, aber mit unseren Handelspartnern", forderte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Donnerstag in Brüssel. Frankreichs Industrieminister Sébastien Martin will dagegen erreichen, dass staatliche Fördergelder in bestimmten Bereichen nur an Unternehmen vergeben werden, die in der EU produzieren.

Textgröße ändern:

Die EU will der eigenen Industrie mit den Quoten einen Vorteil im Wettbewerb mit den USA und China verschaffen. Brüssel schlug deshalb im Frühjahr vor, dass Elektroautos nur dann für staatliche Prämien in Frage kommen, wenn ein Mindestanteil der Bauteile aus der EU oder ihren Partnerländern stammt. Außerdem sind Quoten für Aluminium und Zement bei Bauprojekten sowie Wärmepumpen und Windturbinen vorgesehen.

In den Verhandlungen unter den EU-Ländern geht es nun darum, was "Made in Europe" eigentlich bedeuten soll. "Made in Europe, das heißt Europa", sagte der französische Minister Martin in Brüssel. Das seien zuerst die 27 EU-Mitglieder. Später könne es Gespräche mit Partnern wie der Schweiz und Großbritannien geben, aber nur für einzelne Branchen.

Deutschland will die Definition hingegen grundsätzlich auf "Made with Europe" ausweiten. "Es liegt nicht in unserem Interesse, Märkte voneinander abzuschotten", heißt es in einem Positionspapier der Bundesregierung, das AFP vorlag. Die deutsche Wirtschaft befürchtet höhere Preise für europäische Bauteile sowie einen möglichen Gegenschlag aus China.

"Made with Europe" soll nach Vorstellung aus Berlin alle Länder einschließen, mit denen die EU ein Freihandelsabkommen geschlossen hat oder die der EU umgekehrt ebenfalls Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen geben. Reiche forderte eine enge Zusammenarbeit "mit Norwegen, mit der Schweiz, aber auch mit Partnerländern wie Kanada".

Deutschland, Frankreich und die übrigen EU-Ländern wollen in den kommenden Wochen an einem Kompromiss arbeiten. Vor Jahresende soll eine Einigung stehen, danach gehen die Pläne in weitere Verhandlungen mit dem Europaparlament.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

US-Zentralbank-Vorständin Cook hat keine Zeit für von Trump einberufene Anhörung

US-Präsident Donald Trump will Zentralbank-Vorständin Lisa Cook entlassen - für eine Befragung durch ein von Trump einberufenes Komitee hat sie aber keine Zeit. Cook nehme am 5. November an finanz- und geldpolitischen Treffen in Europa teil, schrieb ihr Anwalt Abbe Lowell am Dienstag an das Weiße Haus. "Folglich kann sie an diesem Datum nicht an einer Anhörung teilnehmen." Möglich sei die Befragung erst nach Beratungen der US-Notenbank Fed zur Geldpolitik am 8. und 9. Dezember.

EU-Gericht urteilt über strengere Regeln für Porno-Seite Stripchat

Das Gericht der Europäischen Union in Luxemburg verkündet am Mittwoch (09.30 Uhr) sein Urteil über strengere Regeln für die Porno-Seite Stripchat. Die EU-Kommission stufte Stripchat 2023 als sehr große Online-Plattform unter dem Gesetz für digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) ein. Denn die Seite habe mehr als 45 Millionen monatliche Nutzer in der EU, was über dem Schwellenwert liegt. (Az. T-134/24)

Rechtsstreit nach Unfall auf Rennstrecke: BGH gibt Versicherungskundin recht

In einem seit Jahren dauernden Rechtsstreit um Versicherungsschutz nach einem Motorradunfall bei einer Veranstaltung auf einer Rennstrecke hat sich eine Kundin vor dem Bundesgerichtshof (BGH) abschließend durchgesetzt. Der in den allgemeinen Unfallversicherungsbedingungen des Unternehmens vereinbarte Risikoausschluss für auf das Erreichen von Höchstgeschwindigkeit abzielende Fahrtveranstaltungen greife hier nicht, entschied der BGH am Dienstag in Karlsruhe. (Az. IV ZR 251/25)

Neuer Arbeitsminister erhält Ernennungsurkunde von Steinmeier

Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas hat der neue Arbeitsminister Alexander Schweitzer seine Ernennungsurkunde erhalten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte dem ehemaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten am Dienstagnachmittag in Berlin das Dokument. Am Mittwochnachmittag legt Schweitzer dann im Bundestag seinen Amtseid ab. Davor nimmt er bereits erstmals an einer Sitzung des Bundeskabinetts teil.

Textgröße ändern: