Deutsche Tageszeitung - Israel: Flydubai-Maschine entgeht laut Regierung knapp einem Terroranschlag

Israel: Flydubai-Maschine entgeht laut Regierung knapp einem Terroranschlag


Israel: Flydubai-Maschine entgeht laut Regierung knapp einem Terroranschlag
Israel: Flydubai-Maschine entgeht laut Regierung knapp einem Terroranschlag / Foto: © AFP

Ein Linienflugzeug der Fluggesellschaft Flydubai ist auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv nach Einschätzung der israelischen Regierung knapp einem Terroranschlag entgangen. Der Copilot habe den Piloten niedergestochen und versucht, das Flugzeug mit 174 Passagieren an Bord zum Absturz zu bringen, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Mittwoch. Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem "versuchten dschihadistischen Terroranschlag", Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) von einem "versuchten Entführungsfall".

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Nach Darstellung Netanjahus und von Augenzeugen verhinderte das Eingreifen des Piloten und mehrerer Passagiere den Absturz. Netanjahu würdigte den indischen Piloten Smit Machchhar für seine "außergewöhnliche Tapferkeit". Obwohl er niedergestochen und schwer verletzt worden sei, habe er sich gewehrt und "eine katastrophale Tragödie in der Luft" verhindert. "Er hat 174 Menschen das Leben gerettet, darunter israelische Staatsbürger und Angehörige anderer Nationen", erklärte Netanjahu.

Mehrere Passagiere drangen demnach in das Cockpit ein und überwältigten den Copiloten. Am Abend traf Netanjahu sie am Flughafen von Tel Aviv. Einen Passagier, der sich als Yuval Hayun vorstellte, umarmte der Regierungschef. "Ich sehe einen Löwen, ich sehe einen großen Helden", sagte Netanjahu. Auf Hayuns Hemd waren Blutflecken zu sehen.

Flug FZ 1073 war am Morgen in Dubai gestartet und verlor nach rund zwei Stunden Flug plötzlich massiv an Höhe. Daten der Website Flightradar zufolge sackte die Maschine innerhalb einer Minute von fast 34.000 Fuß auf weniger als 17.000 Fuß ab. Laut israelischen Medien waren 166 der 174 Passagiere Israelis.

Das israelische Außenministerium erklärte, der Vorfall sei "ein versuchter Terroranschlag auf Israelis, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Abraham-Abkommen" gewesen. Durch die 2020 unterzeichneten Verträge hatten die Emirate und weitere arabische Staaten erstmals Israel offiziell anerkannt und die Beziehungen normalisiert.

Ziel sei gewesen, die Beziehungen zwischen Israel und den Emiraten zu untergraben, erklärte das Außenministerium weiter. Außenminister Gideon Saar erklärte zudem, er habe mit seinem emiratischen Kollegen Abdullah bin Sajed Al Nahjan telefoniert. Beide hätten vereinbart, "gegen extremistische Elemente zusammenzuarbeiten, die die Sicherheit gefährden und die Stabilität untergraben wollen".

Flydubai erklärte dagegen, die Hintergründe der Auseinandersetzung im Cockpit seien weiterhin ungeklärt. "Wir bitten alle Beteiligten dringend, von voreiligen Spekulationen abzusehen, während die Behörden den Sachverhalt aufklären", hieß es seitens der Fluggesellschaft.

"Der Copilot hat versucht, den Piloten zu töten und im Grunde einen Selbstmordanschlag auf das Flugzeug auszuführen", sagte Passagierin Miriam Schira Ohajon. "Nur durch die Geistesgegenwart vieler Menschen, die den Copiloten überwältigten und unschädlich machten, konnte das verhindert werden." Ein weiterer Passagier verglich den Sinkflug mit einer "Achterbahn".

Die Maschine musste im saudiarabischen Tabuk notlanden. Nach Angaben der indischen Botschaft wurde Machchhar in einem Krankenhaus in Saudi-Arabien behandelt. Auch der Copilot war nach Angaben des Flughafenbetreibers bei der Landung verletzt. Er sei festgenommen worden und werde von den saudiarabischen Behörden vernommen, sagte Netanjahu.

Nach Angaben von Flydubai übernahm eine weitere mitreisende Crew der Fluggesellschaft die Maschine, leitete sie nach Tabuk um und landete sie dort sicher.

Die Passagiere wurden später mit einer anderen Flydubai-Maschine nach Tel Aviv gebracht. Flydubai setzte am Abend alle Flüge von und nach Israel aus. Die Verbindungen blieben während der Ermittlungen ausgesetzt, erklärte ein Sprecher. Die israelische Fluglinie El Al kündigte zugleich an, ihre seit acht Monaten wegen des Iran-Kriegs ausgesetzte Verbindung zwischen Tel Aviv und Dubai im November wieder aufnehmen zu wollen.

Wadephul äußerte sich "zutiefst erleichtert", dass die versuchte Entführung und "womöglich noch weit Schlimmeres" verhindert worden sei. "Nach den Informationen, die wir zum jetzigen Zeitpunkt haben, war die Rettung dem beherzten Eingreifen der Passagiere und des Piloten zu verdanken", erklärte er nach einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Saar. "Die Hintergründe müssen nun schnell und vollständig aufgeklärt werden." Wadephul verurteilte den Vorfall als "schweren Angriff auf die zivile Luftfahrt".

Der Vorfall ereignete sich vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs und erhöhter Spannungen in der Region. In Israel finden Ende Oktober Wahlen statt. Netanjahu hatte erst am Dienstag vor möglichen Angriffen von Feinden Israels im Vorfeld der Wahl gewarnt.

(S.A.Dudajev--DTZ)

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