Deutsche Tageszeitung - Trotz Handelshürden: Globalisierung erreicht laut Studie dank KI-Boom Rekordwert

Trotz Handelshürden: Globalisierung erreicht laut Studie dank KI-Boom Rekordwert


Trotz Handelshürden: Globalisierung erreicht laut Studie dank KI-Boom Rekordwert
Trotz Handelshürden: Globalisierung erreicht laut Studie dank KI-Boom Rekordwert / Foto: © CN-STR/AFP/Archiv

Ungeachtet höherer Zölle und geopolitischer Konflikte ist der Welthandel einer Auswertung zufolge zuletzt gewachsen und dürfte auch in den kommenden Jahren weiter zulegen. Starken Schwung verleihe dem internationalen Handel das "globale Rennen um den Aufbau von Infrastruktur für Künstliche Intelligenz", teilten der Logistikriese DHL und die New Yorker Stern School of Business am Mittwoch mit. Die Globalisierung erreichte demnach bereits im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert.

Textgröße ändern:

Laut dem "Globalization Tracker" von DHL und Stern School of Business, für den mehr als 30 Millionen Datenpunkte ausgewertet wurden, wuchs der weltweite Warenhandel im ersten Halbjahr 2026 schneller als in jedem anderen Halbjahr der vergangenen 15 Jahre – mit Ausnahme der Corona-Zeit, in der es außergewöhnliche Schwankungen gegeben hatte. Ein wichtiger Treiber war demnach die starke Nachfrage nach Gütern für den Aufbau von KI-Infrastruktur – etwa Halbleiter oder Technik für Datenübertragung.

"Das derzeit größte Thema im globalen Handel ist KI – nicht Zölle", erklärte der Chef von DHL Express, John Pearson. "Jede KI-Abfrage gründet letztlich auf Logistik: Chips, Netzwerktechnik und die vielen anderen Güter hinter dieser Technologie müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein", erläuterte er.

Zwar beeinträchtigten laut der Auswertung der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus wichtige Handelsrouten. Die Folgen hätten sich jedoch vor allem auf Volkswirtschaften konzentriert, die von der Meerenge abhängig seien - so sei der Wert des Handels in Saudi-Arabien in den ersten fünf Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37 Prozent gesunken.

Auch die globalen Auswirkungen der US-Zölle blieben demnach begrenzt - unter anderem deshalb, weil die meisten Länder auf umfassende Vergeltungsmaßnahmen verzichtet und stattdessen durch neue Handelsabkommen versucht hätten, sich Zugang zu alternativen Märkten zu sichern.

Künftig gibt es für den Welthandel demnach die Aussicht auf noch stärkeres Wachstum: Laut aktueller Prognose wachse der weltweite Warenhandel bis 2029 um durchschnittlich 3,4 Prozent pro Jahr, erklärten DHL und Stern School of Business. "Das wäre deutlich schneller als die 2,7 Prozent im vergangenen Jahrzehnt."

Analysiert wurde zudem der Stand der Globalisierung im weiteren Sinne – "auf Grundlage internationaler Ströme von Handel, Kapital, Information und Personen", wie DHL und Stern School of Business ausführten. Die Skala für den Grad der Globalisierung reicht dabei von null Prozent (keine grenzüberschreitenden Ströme) bis hundert Prozent (Grenzen und Entfernungen spielen keine Rolle). 2025 erreichte der Globalisierungsgrad demnach mit 25,8 Prozent einen neuen Rekordwert, wobei auch hier der Handel mit Gütern für KI-Infrastruktur und KI-Investitionen eine Rolle spielten.

(O.Tatarinov--DTZ)

Empfohlen

Steinmeier vor Besuch in Frankreich: Internationale Entwicklung macht uns Sorge

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat vor seinem Abflug zu einem Staatsbesuch in Frankreich auf die "schwierigen Zeiten" verwiesen, in denen sich Europa befinde. "Die internationale Entwicklung macht uns Sorge", sagte Steinmeier am Mittwoch in Berlin. Nicht nur sei der Krieg nach Europa zurückgekehrt, auch seien die internationalen Handelsbeziehungen gestört und die Gesellschaften polarisiert. Dies betreffe Frankreich genauso wie Deutschland.

Raffineriemargen von Shell erreichen Rekordhoch

Der britische Energieriese Shell profitiert derzeit von deutlich höheren Raffineriemargen. Im dritten Quartal wuchs die Spanne um 75 Prozent zum Vorquartal, wie Shell am Mittwoch mitteilte. Die Differenz zwischen dem Rohölpreis und den daraus in den Raffinerien gewonnenen Kraftstoffen stieg demnach auf 42 Dollar je Barrel (159 Liter); im zweiten Quartal hatte die Marge noch 24 Dollar betragen.

Tankrabatt kommt größtenteils bei Autofahrern an - Spritpreise deutlich gesunken

Der seit dem 1. Oktober geltende Tankrabatt kommt nach Einschätzung von Experten des Ifo-Instituts sowie des ADAC nicht komplett, aber größtenteils bei den Autofahrern an. "Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten fünf Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 15 Cent weitergegeben", erklärte Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des Ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft, am Mittwoch. Beim Superbenzin E5 seien es durchschnittlich gut 16 Cent und bei Super E10 15 Cent gewesen.

Kabinett: Autobahn GmbH soll künftig Kredite aufnehmen können

Die staatliche Autobahn GmbH soll künftig Kredite aufnehmen können. Einen entsprechenden Entwurf von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) für eine neue Finanzierungsstruktur segnete das Bundeskabinett am Mittwoch ab. Damit würden "notwendige Sanierungen und wichtige Neubauprojekte verlässlicher und schneller umgesetzt", erklärte Bilger. "Ab 2027 wird die Autobahn GmbH begrenzt kreditfähig, ab 2028 erhält sie einen Anteil aus der Lkw-Maut." Auch soll künftig verstärkt privates Kapital zum Einsatz kommen können.

Textgröße ändern: