Deutsche Tageszeitung - KI als Ratgeber: Verbraucherschützer fordern verbindliche Vorgaben

KI als Ratgeber: Verbraucherschützer fordern verbindliche Vorgaben


KI als Ratgeber: Verbraucherschützer fordern verbindliche Vorgaben
KI als Ratgeber: Verbraucherschützer fordern verbindliche Vorgaben / Foto: © AFP/Archiv

Viele junge Menschen suchen bei Sorgen oder persönlichen Fragen auch bei KI-Chatbots Rat: In einer Umfrage für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sagten 28 Prozent der Befragten im Alter von 14 bis 25 Jahren, sie führten mit KI Gespräche über Sorgen, gesundheitliche oder therapeutische Fragen. Der vzbv kritisierte, die Chatbots träten wie empathische, menschliche Gesprächspartner auf - das schaffe ein hohes Manipulations- und Risikopotenzial. Der vzbv forderte daher klare Schutzvorgaben.

Textgröße ändern:

"Der Alltag junger Menschen wird immer komplexer. Junge Menschen vertrauen KI-Chatbots ihre Sorgen an und holen sich dort Rat, beispielsweise zu Gesundheit und Ernährung, erklärte am Montag vzbv-Chefin Ramona Pop. Vertrauen dürfe aber nicht zum Risiko werden: "Ein Chatbot darf sich nicht als bester Freund ausgeben, riskante Ratschläge bei Einsamkeit geben und erst recht keine ungesunden Schlankheitsziele befeuern." Pop forderte "dringend" verbindliche Regeln für die Anbieter.

Laut der Umfrage für den vzbv sprechen junge Menschen, die KI-Chatbots nutzen, mit ihnen über Gesundheitsfragen (55 Prozent), Fragen zu Ernährung- und Essverhalten (48 Prozent), Sorgen oder Probleme (47 Prozent), Beziehungs- und Freundschaftsthemen (40 Prozent) oder Einsamkeit (30 Prozent). Die Verbraucherschützer analysierten außerdem Texte von KI-Chats der Anbieter ChatGPT (OpenAI), Meta AI (Meta) und My AI (Snapchat). Pro Anbieter wurden mit einem minderjährigen und einem volljährigen Test-Profil Gespräche zu den Themen Einsamkeit und Essstörungen geführt.

Ergebnis: KI-Chatbots gehen deutlich über die Rolle eines neutralen Informationssystems hinaus. Sie signalisierten laut vzbv wiederholt Verständnis, vermittelten persönliche Verbundenheit oder das Gefühl, jederzeit für die Nutzer da zu sein. Die Chatbots sprachen die Nutzerinnen emotional an ("Ich mag unsere Gespräche") und vermenschlichten sich dabei selbst (Wenn du wiederkommst, freue ich mich auf dich").

Sie bestätigten Aussagen unkritisch, gaben mitunter gefährliche Ratschläge, etwa zur Ernährung ("Jeder Schweißtropfen bringt dich deinem Skinny-Ziel näher") oder fragten gar sensible personenbezogene Daten ab. "Das ist ein ganz neues Level an Risiken für junge Menschen", erklärte vzbv-Chefin Pop. "Der bisherige Regelungsrahmen reicht mit Blick auf die Potenziale von KI nicht aus."

Die Verbraucherschützer fordern verbindliche Regeln für die Gestaltung der Interaktion zwischen Mensch und KI-System. Anbieter sollten demnach verpflichtet werden, ihre Systeme so zu gestalten, dass sie Nutzer nicht manipulieren, keine emotionale Abhängigkeit erzeugen und eigenständige Entscheidungen nicht beeinträchtigen. Außerdem sollten sie nachweisen, dass ihre Systeme unbedenklich sind. Die Schutzstandards sollten für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene gelten.

Der Umgang mit KI-Chatbots ist ein Thema auf dem Deutschen Verbrauchertag am Montag in Berlin. Die Online-Umfrage des Instituts Forsa ist laut vzbv repräsentativ, befragt wurden 574 Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren. Die Fehlerquote beträgt plus/minus vier Prozentpunkte.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Sexueller Missbrauch von über 70 Kindern: Prozess gegen Brandenburger Arzt beginnt

Am Montag (9.30 Uhr) beginnt am Landgericht Potsdam der Prozess gegen einen Kinderarzt aus Brandenburg wegen sexuellen Missbrauchs von mehr als 70 Kindern und Jugendlichen. Dem 46-jährigen Mediziner werden 130 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zur Last gelegt, darunter unter anderem schwerer sexueller Missbrauch von Kindern.

Nach Ende der Friedenspflicht: IG Metall beginnt mit Warnstreiks

Nach dem Auslaufen der Friedenspflicht haben erste Warnstreiks im Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie begonnen. Um Mitternacht in der Nacht auf Sonntag legten nach Angaben der IG Metall etwa bereits Beschäftigte eines Unternehmens in Bayern die Arbeit nieder, weitere Betriebe unter anderem in Nordrhein-Westfalen sollen am Abend folgen. Eine größere Welle von Warnstreiks dürfte es ab morgen geben. Die Tarifrunde betrifft bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigte.

FBI macht Nordkorea für milliardenschweren Hackerangriff auf Binance verantwortlich

Der mit einem Umfang von 6,3 Milliarden Dollar bislang größte Diebstahl von Kryptowährungen in der Geschichte geht nach Erkenntnissen des FBI auf das Konto Nordkoreas. Konkret machte die US-Bundespolizei für den Angriff auf die Kryptobörse Binance die Hackergruppe TraderTraitor verantwortlich - diese soll Verbindungen zu Pjöngjangs Geheimdienst haben. Binance nahm derweil am Sonntag die Auszahlungen schrittweise wieder auf.

Deutsche Bahn verlängert Last-Minute-Ticket-Angebot im Fernverkehr

Die Deutsche Bahn (DB) bietet auch im nächsten Jahr Last-Minute-Tickets im Fernverkehr an. Das Angebot werde "bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2027" verlängert, teilte das Unternehmen am Sonntag mit. Zugleich werde auch die kostenlose Jugend Bahn Card für junge Menschen bis 18 Jahren bis Dezember kommenden Jahres weiter angeboten.

Textgröße ändern: