Deutsche Tageszeitung - Weitere Ermittlungen gegen französischen Zweig von Pharmakonzern Merck

Weitere Ermittlungen gegen französischen Zweig von Pharmakonzern Merck


Weitere Ermittlungen gegen französischen Zweig von Pharmakonzern Merck
Weitere Ermittlungen gegen französischen Zweig von Pharmakonzern Merck / Foto: © AFP/Archiv

Die Justiz in Frankreich hat weitere Ermittlungen gegen den französischen Zweig des deutschen Pharmakonzerns Merck wegen "schwerer Täuschung" im Zusammenhang mit der Formeländerung des Schilddrüsen-Medikaments Levothyrox aufgenommen. Der Chef von Merck in Frankreich sei am Dienstag von einem Gericht in Marseille angehört worden, erklärte der französische Konzernzweig am Mittwoch in einer Pressemitteilung. Daraufhin habe "die Untersuchungsrichterin beschlossen, ein Ermittlungsverfahren gegen die Gesellschaft Merck wegen schwerer Täuschung einzuleiten".

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Die Ermittlungen beträfen "in keiner Weise die Qualität der neuen Formel von Levothyrox", versicherte das Labor. Es wolle "alle notwendigen Klarstellungen vornehmen, um feststellen zu lassen, dass kein wie auch immer geartetes strafrechtliches Vergehen begangen" worden sei. Hingegen stünden die Ermittlungen in Zusammenhang mit der Art der Information "zum Zeitpunkt der Umstellung von der alten auf die neue Formel in 2017", erklärte das Unternehmen.

2018 wurde eine strafrechtliche Untersuchung wegen schwerer Täuschung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet.

Im zivilrechtlichen Teil des Falls hatte ein Gericht in Frankreich im März einen Revisionsantrag von Merck nach dessen Verurteilung zu Schadenersatz wegen Nebenwirkungen bei Levothyrox abgelehnt. Wenn ein Hersteller die Zusammensetzung ändere und dies nicht "ausdrücklich in der Packungsbeilage" kenntlich mache, verletze er seine Informationspflicht, urteilte der Kassationshof damals.

Die Merck KGaA war 2020 wegen nicht angezeigter Nebenwirkungen bei dem Hormonersatz Levothyrox zu einem Schadenersatz in Millionenhöhe verurteilt worden. In erster Instanz war die Sammelklage noch abgewiesen worden.

Die neue Zusammensetzung des Medikaments war zwischen 2017 und 2018 von rund 31.000 Anwendern beanstandet worden. Die Zivilkläger verlangten Entschädigung wegen nicht angezeigter Nebenwirkungen bei Levothyrox, darunter Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Schwindel. Merck hatte den Vorwurf der "Verbrauchertäuschung" bestritten.

Levothyrox war 2017 in Frankreich in einer neuen Rezeptur auf den Markt gekommen. Der Pharmakonzern kam damit einer Aufforderung der französischen Behörde für Arzneimittelsicherheit nach, das Mittel sollte damit gegen Schilddrüsen-Unterfunktion zuverlässiger werden. Etwa 2,5 Millionen Menschen nutzten es.

(U.Kabuchyn--DTZ)

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