Deutsche Tageszeitung - Menschenmassen begleiten Trauerzug für verunglückten Präsidenten in Teheran

Menschenmassen begleiten Trauerzug für verunglückten Präsidenten in Teheran


Menschenmassen begleiten Trauerzug für verunglückten Präsidenten in Teheran
Menschenmassen begleiten Trauerzug für verunglückten Präsidenten in Teheran / Foto: © AFP

Drei Tage nach dem Tod des iranischen Präsidenten bei einem Hubschrauberabsturz hat eine riesige Menschenmenge in der Hauptstadt Teheran Abschied von Ebrahim Raisi genommen. Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, leitete am Mittwoch auf dem Gelände der Universität die Gebete an den Särgen Raisis und seiner ebenfalls ums Leben gekommenen Begleiter. Am Donnerstag soll der Leichnam Raisis in dessen Heimatort Maschchad im Nordosten des Iran beigesetzt werden.

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Die Menschenmenge füllte zunächst die Gegend um die Universität von Teheran. Von dort zog die Trauerprozession weiter zum zentral gelegenen Enghelab-Platz und dem großen Asadi-Platz. Das Staatsfernsehen berichtete, Raisi habe einen "millionenfachen Abschied" erhalten.

Chamenei, als dessen Nachfolger Raisi gehandelt wurde, sagte dem irakischen Ministerpräsidenten Mohammed Schia al-Sudani, der ebenfalls an den Trauerfeierlichkeiten teilnahm: "Wir haben eine herausragende Persönlichkeit verloren. Er war ein sehr guter Bruder." Der Ayatollah bezeichnete Raisi zudem als "effizient, kompetent, aufrichtig und seriös".

Beim Gebet war Chamenei von den wichtigsten Mitgliedern des schiitischen Klerus, Regierungsmitgliedern wie dem Interimspräsidenten Mohammed Mochber und hochrangigen Vertretern der Armee und der Revolutionsgarden umringt.

Viele Menschen in der Menge hielten Porträts von Raisi oder schwenkten iranische Flaggen. Für die Trauerfeierlichkeiten wurde der Mittwoch zum arbeitsfreien Tag erklärt. Die Einwohner von Teheran erhielten Nachrichten auf ihre Handys, die sie aufriefen, an den Trauerfeierlichkeiten für den "Märtyrer" Raisi teilzunehmen.

Auch der politische Chef der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas, Ismail Hanija, und die Nummer zwei der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah, Naim Kassem, nahmen an dem Trauerzug in Teheran teil. Hanija rief der Menge zu: "Wir sind uns sicher, dass die Islamische Republik Iran ihre Unterstützung für das palästinensische Volk aufrechterhält." Seine Ansprache wurde von "Tod für Israel"-Rufen begleitet.

Rund 50 ausländische Delegationen, etwa aus Russland und der Türkei, wurden für eine am Nachmittag angesetzte Ehrung in Teheran erwartet.

Raisi war am Sonntag im Nordwesten des Iran auf dem Weg nach Täbris bei schlechtem Wetter mit einem Hubschrauber über bergigem Gelände abgestürzt. Unter den acht Insassen der Maschine waren auch Außenminister Hossein Amir-Abdollahian, der Chef von Raisis Sicherheitsteam und ein Imam. Die Staatsführung rief eine fünftägige Staatstrauer aus.

Der iranische Generalstabschef Mohammed Bagheri hat eine Ermittlung zur Absturzursache angeordnet. Der Bürochef des Präsidialamtes, Gholam Hossein Esmaili, sagte in einem Interview mit dem Staatsfernsehen, beim Start von Raisis Hubschrauber sei das Wetter noch "klar" gewesen, es habe "keinen Grund zur Beunruhigung" gegeben. Etwa eine halbe Stunde später sei die Präsidentenmaschine jedoch in einer Wolkenschicht verschwunden und habe nicht mehr ausfindig gemacht werden können.

Der ultrakonservative Raisi war seit 2021 Präsident des Iran. Während seiner Amtszeit erlebte das Land Massenproteste, die durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini im September 2022 ausgelöst wurden, eine durch US-Sanktionen verschärfte Wirtschaftskrise und eine gefährliche Konfrontation mit dem erklärten Erzfeind Israel, bei der Teheran im April erstmals hunderte Drohnen und Raketen von seinem Staatsgebiet aus auf Israel abschoss.

Nach dem Tod Raisis wurde sein bisheriger Stellvertreter Mochber zum Interims-Präsidenten ernannt, der bisherige Atom-Chefunterhändler Ali Bagheri übernahm vorübergehend das Amt des Außenministers. Als Termin für die Wahl eines neuen Präsidenten wurde der 28. Juni festgelegt.

(V.Sørensen--DTZ)

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