Deutsche Tageszeitung - Wölfe in Deutschland: Bund meldet erstmals "günstigen" Erhaltungszustand an EU

Wölfe in Deutschland: Bund meldet erstmals "günstigen" Erhaltungszustand an EU


Wölfe in Deutschland: Bund meldet erstmals "günstigen" Erhaltungszustand an EU
Wölfe in Deutschland: Bund meldet erstmals "günstigen" Erhaltungszustand an EU / Foto: © AFP/Archiv

Die Bundesregierung hat für den Wolf erstmals einen guten Erhaltungszustand in Teilen Deutschlands an die Europäische Kommission übermittelt. Der "günstige" Erhaltungszustand gelte zunächst für die sogenannte atlantische Region, die die Nordseeküste sowie Teile von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen umfasst, wie das Bundesumweltministerium am Donnerstag in Berlin mitteilte. Dort habe sich die Wolfspopulation in den vergangenen Jahren "deutlich positiv entwickelt". In einem nächsten Schritt will die Koalition den Wolf ins Jagdgesetz aufnehmen.

Textgröße ändern:

Für die sogenannte kontinentale Region, die mit Ausnahme der alpinen Gebiete den Rest Deutschlands umfasst, soll nach Ministeriumsangaben erst einmal ein "unbekannter" Erhaltungszustand nach Brüssel gemeldet werden. Die Bewertung solle auf Grundlage einer neuen, zwischen Bund und Ländern vereinbarten Methodik, dann später an die EU übermittelt werden.

Ein "günstiger" Erhaltungszustand bedeutet laut der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU, kurz FFH-Richtlinie, dass der Lebensraum und das Nahrungsangebot ausreichen, um das Überleben der Wölfe langfristig zu sichern. Die Anzahl der Wölfe ist außerdem ausreichend groß, so dass sie auch in Zukunft nicht wieder aussterben können, zum Beispiel durch Krankheiten, Verkehrsunfälle oder Wilderei.

Im letzten FFH-Bericht von 2019 wurde der Erhalt des Wolfes in Deutschland noch als ungünstig bewertet. Den Richtlinien zufolge darf eine Art nicht bejagt werden, wenn sie sich in einem national "ungünstigen" Erhaltungszustand befindet. 2023/2024 wurden in Deutschland 209 Wolfsrudel erfasst und rund 1600 Wolfsindividuen nachgewiesen.

Die Daten aus Deutschland zeigten, "dass der Wolf in einigen Teilen des Landes wieder verbreitet ist", erklärte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Mit einer neuen Methodik solle künftig besser abgebildet werden, "wie es regional unterschiedlich um den Wolf bestellt ist".

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) kündigte an, im nächsten Schritt solle über die Änderung des Bundesjagdgesetzes abgestimmt werden. Damit solle der Schutz der Weidetiere vor Wolfsrissen verbessert werden.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Esra Limbacher, befürwortete einen "pragmatischen Umgang mit dem Wolf, der den berechtigten Anliegen von Naturschutz und Landwirtschaft gleichermaßen gerecht wird". Unionsfraktionsvize Albert Stegemann spach angesichts der aktuellen Bewertung von einem "politischen Meilenstein". "Als nächste Schritte muss der Wolf im Bundesjagdgesetz aufgenommen und der Erhaltungszustand in allen Regionen Deutschlands überprüft werden."

Kritik kam von Umweltverbänden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nannte die Bewertung "politisch motiviert statt wissenschaftlich fundiert". In zwölf der 16 Bundesländer sei der Wolf nach wie vor selten. Der WWF Deutschland kritisierte, mit einer Meldung für eine Einzelregion gefährde die Bundesrepublik "ein zentrales Prinzip des europäischen Artenschutzrechts, nämlich den Schutz wandernder Arten".

Der Deutsche Jagdverband (DJV) monierte, die aktuelle Bewertung sei auf Grundlage veralteter Daten erfolgt. Die überfällige Feststellung des "günstigen" Erhaltungszustandes des Wolfes werde zudem durch die Aufteilung in einzelne Regionen bewusst verhindert.

Die 27 EU-Länder hatten im Juni eine Gesetzesänderung für den schnelleren Abschuss von Wölfen endgültig abgesegnet. Der Wolf soll nicht mehr als "streng geschützt" gelten, der Erhalt der Art aber weiter sichergestellt werden. Das bedeutet, dass die Voraussetzungen für den Abschuss von Wölfen künftig deutlich vereinfacht werden sollen.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Eurojackpot vom 23. Oktober bleibt ohne Hauptgewinner

Eurojackpot vom 23. Oktober bleibt ohne Hauptgewinner. Nach dem 19-Millionen-Euro-Gewinn vom vergangenen Dienstag ist der Eurojackpot am Freitag, 23.

Angriff unter Clans: Auto fährt in Niedersachsen in Menschengruppe

Offenbar in Verbindung mit Auseinandersetzungen unter kriminellen Clans ist in Niedersachsen ein Auto in eine Menschengruppe gefahren. Fünf Betroffene wurden bei der Tat in der Nacht zum Dienstag in Neustadt am Rübenberge leicht bis schwer verletzt, wie die Polizei in Hannover mitteilte. Drei Tatverdächtige seien festgenommen worden, die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen eines versuchten Tötungsdelikts ein.

US-Rapper Jay-Z tritt in Super-Bowl-Halbzeitshow auf

US-Rapper Jay-Z wird Star der Halbzeitshow des Super Bowl im kommenden Frühjahr. Seit der Footballverband NFL vor sechs Jahren einen Vertrag mit Jay-Zs Produktionsfirma Roc Nation geschlossen habe, habe er von diesem Tag geträumt, erklärte NFL-Chef Roger Goodell bei der Ankündigung des Auftritts am Montag (Ortszeit). Roc Nation produziert seit 2020 die Halbzeitshows des Super Bowl und wählt die Musiker dafür aus, der Hip-Hop-Mogul selbst trat dort bisher aber noch nie auf.

Kein Anschlag laut Polizei: Auto fährt in Niedersachsen in Menschengruppe

Nachdem im niedersächsichen Neustadt am Rübenberge ein Auto in eine Menschengruppe gefahren ist, geht die Polizei davon aus, dass es sich nicht um einen Anschlag gehandelt hat. Es sei zu vermuten, dass der oder die Täter und die Menschen aus der Gruppe sich kannten, teilte die Polizei in Hannover am Dienstag mit. Vier bis fünf Betroffene wurden leicht bis schwer verletzt und kamen in Krankenhäuser, Lebensgefahr bestand demnach nicht.

Textgröße ändern: