Deutsche Tageszeitung - Europäische Rundfunkunion berät nach Boykott-Drohungen gegen Israel über nächsten ESC

Europäische Rundfunkunion berät nach Boykott-Drohungen gegen Israel über nächsten ESC


Europäische Rundfunkunion berät nach Boykott-Drohungen gegen Israel über nächsten ESC
Europäische Rundfunkunion berät nach Boykott-Drohungen gegen Israel über nächsten ESC / Foto: © AFP

Nach Boykott-Drohungen mehrerer Länder berät die Europäische Rundfunkunion (EBU) seit Donnerstag bei einer zweitägigen Generalversammlung in Genf über die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest (ESC) im kommenden Jahr. Mehrere Länder hatten wegen des Vorgehens der israelischen Armee im Gazastreifen mit einem Boykott des ESC gedroht, falls Israel im kommenden Jahr dabei ist. Länder wie Deutschland sprachen sich gegen einen Ausschluss Israels von dem Wettbewerb aus.

Textgröße ändern:

Um den Konflikt zu entschärfen, hatte die EBU im November neue Regeln für den Wettbewerb angekündigt. So sollen unter anderem schon in den Halbfinals professionelle Jurys mit abstimmen und die Regeln für Werbekampagnen verschärft werden. Die in der EBU zusammengeschlossenen Rundfunkanstalten sollen bei der Versammlung hinter verschlossenen Türen entscheiden, ob sie das Maßnahmenpaket für ausreichend halten oder trotzdem über eine Teilnahme Israels abstimmen wollen.

Österreich hofft als Gastgeber des ESC 2026 in Wien auf einen Kompromiss, Länder wie Spanien, Slowenien und Island bleiben aber bei ihrer Kritik. Die EBU setze die Organisation mit den Beratungen "den größten internen Spannungen ihrer Geschichte aus", kritisierte der Chef des spanischen Fernsehsenders RTVE, José Pablo Lopéz, am Donnerstag im Onlinedienst X: "So weit hätte es nie kommen dürfen."

Die für die ESC zuständigen Sender von Spanien, Irland, Slowenien, Island und die Niederlande drohen mit einem Boykott des ESC im kommenden Mai in Wien, falls Israel teilnehmen darf. Andere Länder wie Belgien, Schweden und Finnland erwägen ebenfalls einen Boykott.

Ziel der Generalversammlung sei es, über die Änderungen der Abstimmungsregeln zu diskutieren und noch am Donnerstag abzustimmen, erklärte der finnische Fernsehsender Yle. Der Sender kündigte an, seine Entscheidung "auf Grundlage der Diskussion und der Abstimmung zu fällen".

Der Streit um Israel ist die wohl größte Zerreißprobe in der Geschichte des im kommenden Jahr zum 70. Mal stattfindenden und weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerbs. Neben der Debatte um Israels Vorgehen im Gazastreifen nach dem Hamas-Angriff auf Israel im Oktober 2023 gab es auch Vorwürfe, Israel könne die Zuschauerabstimmung in diesem Jahr manipuliert haben.

Die israelische Starterin Yuval Raphael hatte im ESC-Finale in Basel im Mai völlig überraschend das Publikums-Voting gewonnen und war dadurch in der Gesamtwertung Zweite geworden. Hinweise auf Manipulationen fanden sich aber nicht, Israel könnte von einer aufwändigen Werbekampagne in Online-Netzwerken profitiert haben.

ESC-Sieger war in diesem Jahr nach Publikums- und Jury-Abstimmung der österreichische Countertenor JJ, weshalb Wien im kommenden Jahr Gastgeber ist.

(V.Varonivska--DTZ)

Empfohlen

Sohn von Norwegens Kronprinzessin weist Vergewaltigungsvorwürfe vor Gericht zurück

Der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit hat die gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe vor Gericht zurückgewiesen. Der 29-jährige Marius Borg Hoiby plädierte am Dienstag zu Beginn seines Prozesses vor einem Gericht in Oslo in den schwerwiegendsten Anklagepunkten auf nicht schuldig. Hoiby wird vorgeworfen, vier Frauen vergewaltigt und mehrere Ex-Freundinnen körperlich und psychisch misshandelt zu haben. Weniger schwere Vergehen räumte er teilweise ein.

Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit wegen neuer Vorwürfe in U-Haft

Kurz vor dem Beginn seines Prozesses wegen Vergewaltigungsvorwürfen ist der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit wegen neuer Vorwürfe in Untersuchungshaft genommen worden. Wie die Polizei am Montag in Oslo mitteilte, wurde der 29-jährige Marius Borg Hoiby am Sonntagabend "wegen des Verdachts auf Körperverletzung, Bedrohung mit einem Messer und Verstoß gegen ein Kontaktverbot" in Gewahrsam genommen. Angaben zu dem oder den mutmaßlichen Opfern machte die Polizei nicht.

Dalai Lama gewinnt erstmals einen Grammy

Der Dalai Lama hat erstmals einen Grammy gewonnen. Bei der Grammy-Verleihung in Los Angeles wurde der charismatische 90-Jährige am Sonntagabend (Ortszeit) für sein Hörbuch "Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama" ausgezeichnet. "Ich nehme diese Auszeichnung mit Dankbarkeit und Demut entgegen", erklärte der Dalai Lama in Onlinenetzwerken.

Bad Bunny gewinnt mit "Debí tirar más fotos" Grammy für Album des Jahres

Der Latino-Rapstar Bad Bunny ist für sein Album "Debí tirar más fotos" mit dem Grammy für das Album des Jahres ausgezeichnet worden. Mit der Verleihung des Preises am Sonntagabend (Ortszeit) konnte erstmals ein spanischsprachiges Album in der Kategorie gewinnen. Der 31-Jährige setzte sich dabei unter anderem gegen den US-Rapper Kendrick Lamar und die US-Sängerin Lady Gaga durch.

Textgröße ändern: