Deutsche Tageszeitung - Abriss: Historisches Ariana-Kino in Kabul muss Einkaufszentrum weichen

Abriss: Historisches Ariana-Kino in Kabul muss Einkaufszentrum weichen


Abriss: Historisches Ariana-Kino in Kabul muss Einkaufszentrum weichen
Abriss: Historisches Ariana-Kino in Kabul muss Einkaufszentrum weichen / Foto: © AFP

Einst wurden hier Filme aus aller Welt gezeigt: Vier Jahre nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan ist das Schicksal des historischen "Ariana"-Kinos in Kabul offenbar endgültig besiegelt. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag beobachteten, waren Bulldozer inmitten von Schutthaufen mit dem Abriss des Kinos beschäftigt. An einer Absperrung kündigte ein Schild an: "Hier wird ein modernes Einkaufszentrum gebaut."

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Obwohl unter der rigorosen Kulturpolitik der Taliban das Zeigen von Filmen bereits seit Jahren verboten ist, ist der Abriss des Kinos für alteingesessene Kabulerinnen wie die 65-Jährige Breschna ein Einschnitt. "Das bricht mir das Herz", sagte sie. "Wir haben so viele schöne Erinnerungen. Damals spielte dort das Leben."

Sie habe in den 70er Jahren mit ihren Eltern viele Filme im "Ariana" gesehen, aus Indien und dem Iran, später auch aus Russland, englischsprachigen Ländern und Europa, fügte Breschna hinzu. "Sie haben revolutionäre Filme gezeigt, Filme, die von den Sorgen der Menschen erzählten."

Das "Ariana" wurde in den 60er Jahren gebaut. Im afghanischen Bürgerkrieg von 1992 bis 1996 wurde es vollständig zerstört und blieb während der ersten Taliban-Herrschaft eine Ruine. 2004 wurde das Kino nach einer von französischen Architekten angeleiteten Restaurierung wiedereröffnet.

Der französisch-algerische Regisseur Atiq Rahimi zeigte damals seinen ersten Film im "Ariana". Für einen Moment "haben wir geglaubt, dass die Kultur die Barbarei überleben könnte", sagte er AFP.

Die Taliban hatten 2021 erneut die Macht in Afghanistan übernommen. Sie riefen ein islamistisches Emirat aus und setzen seither eine strenge Auslegung des Islam mit drakonischen Gesetzen durch, die Filme, Musik und andere Formen der Unterhaltung verbieten. Auch Grundrechte, insbesondere die Frauenrechte, wurden seither massiv eingeschränkt.

(B.Izyumov--DTZ)

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