Deutsche Tageszeitung - In Ostsee festliegender Buckelwal: Experten gehen von entscheidender Phase aus

In Ostsee festliegender Buckelwal: Experten gehen von entscheidender Phase aus


In Ostsee festliegender Buckelwal: Experten gehen von entscheidender Phase aus

Der Kampf um das Leben des vor der Ostseeküste bei Wismar liegenden Buckelwals ist in eine womöglich kritische Phase getreten. Die Experten sprachen am Montag von entscheidenden Stunden für das zunehmend geschwächte Tier, dessen Schicksal seit rund einer Woche die Menschen bewegt. Steigende Wasserstände sollten dem Wal demnach nochmals Chancen eröffnen, sich aus eigener Kraft wieder in tieferes Wasser zu begeben.

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"Es wird ein entscheidender Tag", sagte der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkhard Baschek, in Wismar. Alle wüssten um den "sehr schlechten Fitnesszustand des Wales", dieser werde von Tag zu Tag schwächer. Er verwies auf die deutlich reduzierte Atmung und den schlechten Hautzustand. Außerdem habe der Wal weiter Netzreste im Maul.

Sollte sich das Tier trotz des steigenden Wasserstands weiterhin nicht fortbewegen oder dazu gar nicht mehr in der Lage sein, müssten weitere Optionen überlegt werden. Noch aber sei es nicht soweit. "Wir glauben nach wie vor, dass es gelingt", gab sich Baschek weiter zuversichtlich.

Nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) unternehmen die beteiligten Behörden und Institutionen weiterhin "alles, aber auch alles, um dem Wal zu helfen". Es sei zwar klar, dass es dem Tier "schlecht" gehe, betonte er bei einem gemeinsamen Auftritt mit Baschek und weiteren Experten vor Journalisten. Er habe Aktivitäten und Atemfrequenz deutlich verringert und sich nur noch minimal bewegt. Zugleich bestehe aber weiterhin die Hoffnung auf ein glückliches Ende.

"Wir schauen dem Wal nicht beim Sterben zu", versicherte der Minister mit Blick auf besorgte Reaktionen aus der Bevölkerung. "Wir tun alles, was fachlich verantwortbar ist, um ihm zu helfen - behutsam, abgestimmt und mit größtem Respekt vor dem Tier." Fachleute würde das Tier laufend überwachen, auch in der Nacht sei eine sogenannte Walwache im Einsatz.

Der derzeit in der Wismarer Bucht vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns liegende Wal irrt nach Behördenangaben seit rund vier Wochen durch die Ostsee, am Montag vergangener Woche strandete er zunächst vor der schleswig-holsteinischen Küste auf einer Sandbank. Dort konnte er sich nach mehreren Tagen und einer aufwändigen Rettungsaktion mit Baggern befreien, strandete aber Samstag erneut in der Wismarer Bucht. Inzwischen wird sein Schicksal bundesweit verfolgt.

Nach Angaben des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern können auch die Experten derzeit nicht zweifelsfrei beurteilen, ob der Wal aufgrund seines allgemein geschwächten Zustands bewegungsunfähig ist oder ob er bei geeigneten Bedingungen noch selbstständig agieren kann. So bewegte sich das Tier nach seinem Auftauchen in der Wismarer Bucht am Samstag zwischenzeitlich ein Stück, blieb dann aber erneut liegen.

Der Wal sei schwach und werde erkennbar schwächer, sagte am Montag die ebenfalls an der Rettung beteiligte Greenpeace-Expertin Franziska Saalmann. Inzwischen gebe er unter anderem kein Laute mehr von sich. Zugleich bestehe weiterhin die Hoffnung, dass das Tier aktuell Kraft sammle, fügte sie bei der Pressekonferenz in Wismar hinzu.

Möglicherweise setzte zwischenzeitliches Niedrigwasser dem Wal weiter zu. Am Montagnachmittag sollte der Wasserstand in der Bucht laut Baschek aber wieder um etwa 30 Zentimeter steigen, was dem Tier entsprechend mehr Bewegungsspielraum verschaffen würde. "Das ist besser als jede Rettungsaktion." Aktive Bemühungen seitens der Helfer sollte es laut Landesumweltministerium zunächst nicht geben. Diese stehen demnach aber rund um die Uhr bereit und schirmen den Wal zudem vor Schaulustigen ab.

Größere Wale sind in der Ostsee nicht heimisch, da die Bedingungen dort für sie nicht geeignet sind. Der von Medien "Timmy" getaufte Buckelwal vor Wismar leidet Experten unter anderem unter massiven Hautproblemen infolge des niedrigen Salzgehalts der Ostsee. Zudem hat er nach wie vor Netzreste im Maul, die bisher nur teils entfernt werden konnten.

Wie er in die Ostsee gelangte und warum er bislang nicht selbstständig den Weg hinaus fand, ist nicht wirklich geklärt. Ziel aller Bemühungen ist es, dass der Meeressäuger den Weg zurück durch die Meerengen am Ausgang der Binnenmeeres zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden findet. Von dort könnte er in die Nordsee und den Atlantik schwimmen.

"Wir wägen jeden Schritt sehr genau ab", erklärte Backhaus am Montag. Nach Angaben seines Ministeriums werden inzwischen parallel zu den laufenden Rettungsbemühungen vorsorglich aber auch "mögliche Szenarien für den weiteren Verlauf abgestimmt". Dazu gehöre auch eine "Bergung" - sprich die Beseitigung des Walkadavers nach einem etwaigen Versterben.

(M.Dorokhin--DTZ)

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