Deutsche Tageszeitung - Das SID-Kalenderblatt am 17. April: Erster WM-Kampf im Boxen

Das SID-Kalenderblatt am 17. April: Erster WM-Kampf im Boxen


Das SID-Kalenderblatt am 17. April: Erster WM-Kampf im Boxen
Das SID-Kalenderblatt am 17. April: Erster WM-Kampf im Boxen / Foto: ©

Es ereignete sich an einem Dienstagmorgen in der südenglischen Provinz. Genauer gesagt auf einem freien Acker am Rande eines kleinen Nests namens Farnborough. Man schrieb den 17. April 1860, Königin Victoria herrschte über Großbritannien. An jenem Morgen standen sich in einem Ring unter freiem Himmel der 25 Jahre alte Amerikaner John Carmel Heenan und der neun Jahre ältere Engländer Tom Sayers gegenüber - zum ersten WM-Kampf der Box-Geschichte.

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Es mag zwar einfachste Provinz gewesen sein, doch unter den zahlreichen Zuschauern, die auch aus dem 50 km nördlich gelegenen London gekommen waren, befand sich zahlreiche Prominenz. So fand der britische Premierminister Henry John Temple ebenso den Weg nach Farnborough wie der Prince of Wales, der 1901 als Edward VII. den Thron bestieg, und Schriftsteller Charles Dickens.

Was sie sahen, war ein archaiches Schauspiel. Beide Boxer traten mit bloßen Fäusten an, was eigentlich illegal war. Doch wer kümmerte sich an diesem Morgen um derart Belangloses? Um 7.29 Uhr begann der eigentlich ungleiche Kampf. Sayers, der "Knirps aus Brighton", war nur 1,74 m groß und wog knapp 75 kg. Heenan dagegen war 16 Zentimeter größer und fast 100 kg schwer.

Zu einem schnellen Ende kam es nicht, es entwickelte sich ein erbarmungsloser Fight. Eine Rundenbegrenzung gab es nicht. Wer ausgezählt wurde, hatte verloren. Ende offen. Mit zunehmender Kampfdauer sahen beide extrem mitgenommen aus, sie bluteten und waren mit ihren Kräften fast am Ende.

Schließlich schrieb man die Pause zur 43. Runde, als der Kampf ungewollt sein Ende nahm. Die Polizei hatte Wind bekommen vom bunten Treiben auf dem Feld. Sie stürmte den Ring, doch Heenan und Sayers konnten im wilden Durcheinander entkommen.

Der Kampf wurde später als ein Unentschieden gewertet, beide Faustkämpfer erhielten ein "Schmerzensgeld" von 200 Pfund als Börse. Sie traten nie wieder an. Alt wurden sie auch nicht, beide starben bereits mit 39 Jahren. Doch dieses wichtige Kapitel der Box-Geschichte hat sie unsterblich gemacht.

(B.Izyumov--DTZ)

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