Deutsche Tageszeitung - Umweltministerin Schulze will Landwirte gezielter beim Naturschutz unterstützen

Umweltministerin Schulze will Landwirte gezielter beim Naturschutz unterstützen


Umweltministerin Schulze will Landwirte gezielter beim Naturschutz unterstützen
Umweltministerin Schulze will Landwirte gezielter beim Naturschutz unterstützen / Foto: ©

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will ökologische Projekte von Landwirten gezielter fördern. Ab 2023 sollen 30 Prozent der für Deutschland vorgesehenen Direktzahlungen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU für zehn mögliche Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz verwendet werden, wie Schulzes Ministerium am Mittwoch mitteilte. Der Anteil soll demnach sukzessive steigen; zu Beginn macht er über eine Milliarde Euro aus.

Textgröße ändern:

Durch die zehn sogenannten "Öko-Regelungen" sollten EU-Fördermittel, "die bislang weitgehend unkonditioniert verausgabt werden", künftig "umfangreich, effektiv und effizient" für den Umweltschutz genutzt werden, heißt es in einem Positionspapier des Umweltministeriums. Unter anderem sollen demnach Flächen "mit besonderem Wert für die Artenvielfalt" wie Blühstreifen oder Hecken gefördert werden.

Gelder sind auch für Weidehaltung sowie für Betriebe vorgesehen, die ihren Pestizideinsatz mindestens halbieren oder eine vielfältige Fruchtfolge einhalten. Die Förderhöhe soll an die Dauer der jeweiligen Maßnahme und die betroffene Agrarfläche angepasst werden. Schulze stellte die geplanten Regelungen am Mittwoch auf dem Agrarkongress ihres Ministeriums vor, an dem den Angaben zufolge auch EU-Abgeordnete, Wissenschaftler, Bauernvertreter und Naturschützer teilnahmen.

"Der wirksamste Hebel für die dringend nötigen Veränderungen ist die EU-Agrarförderung", betonte Schulze. Insgesamt stelle die Union Deutschland in den kommenden Jahren sogar über sechs Milliarden Euro jährlich zur Verfügung. "Mit diesen Geldern sollten wir die landwirtschaftlichen Betriebe so zielgerichtet und attraktiv wie möglich darin unterstützen, die für uns alle wichtigen zusätzlichen Umweltleistungen zu erbringen."

Zahlreiche Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umweltschutz und Gesellschaft vermissen solche Unterstützung seit Jahren. Das Bündnis "Wir haben es satt" kritisierte vor ihrer für Samstag angekündigten Demonstration vor dem Bundeskanzleramt in Berlin unter anderem eine "rückwärtsgewandte Haltung Deutschlands" bei den EU-Verhandlungen zur GAP-Reform.

Der Reformstau im Bundeslandwirtschaftsministerium unter Julia Klöckner (CDU) sei "verheerend" und die Agrarpolitik der Regierung "verschärft die Probleme in der Land- und Lebensmittelwirtschaft, statt sie zu lösen". Das Bündnis fordert unter anderem einen grundsätzlichen Umbau der Branchen – mit mehr kleinbäuerlichen Betrieben und weniger Großställen für die Massentierhaltung. Außerdem sprechen sich die Initiativen für ein Verbot von Pestiziden und Gentechnik aus.

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Schwächelnde Wirtschaft lindert Fachkräftemangel - Bedarf bleibt aber weiter groß

Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich nach Angaben der staatlichen Förderbank KfW entspannt - dennoch fehlen weiterhin Fachkräfte. Vor allem die Bauwirtschaft, viele Dienstleistungsbranchen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) litten "nach wie vor stark unter Engpässen", teilte die KfW am Dienstag mit. Besserung beim Fachkräftemangel gibt es demnach vor allem dort, wo die Wirtschaft schwächelt.

Fahimi kritisiert "Jahrmarkt der Reformvorschläge" aus Koalition

Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, hat das Vorgehen der Koalition in der Reformdebatte kritisiert. "Was ich sehr schwierig finde, ist, dass wir geradezu auf so einer Art Jahrmarkt der Reformvorschläge sind", sagte Fahimi am Montagabend in der Sendung "Pinar Atalay" von ntv. "Es vergeht ja eigentlich keine Woche, dass nicht irgendjemand irgendetwas reinschmeißt."

Privathaushalte geben 2023 rund 335 Euro monatlich für Nahrungsmittel aus

Die Privathaushalte in Deutschland haben im Jahr 2023 rund 335 Euro monatlich für Nahrungsmittel ausgegeben. Auf Fleisch und Wurst, Fisch und Meeresfrüchte entfielen durchschnittlich rund ein Fünftel oder 22 Prozent der Ausgaben, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Für Getreide und Getreideerzeugnisse wie Brot, Reis und Nudeln gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher rund 17 Prozent aus.

Unicef: Mehr als eine Milliarde Kinder sind mindestens drei Klimarisiken ausgesetzt

Mehr als eine Milliarde Kinder weltweit sind nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens drei von acht möglichen Folgen der Erderwärmung gleichzeitig ausgesetzt. Betroffen sind vor allem Kinder in afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in Teilen Südasiens, wie aus einem am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef hervorgeht. Insgesamt sind demnach die meisten Kinder von einer Kombination aus Dürre, Hitze über 35 Grad Celsius und längeren Hitzeperioden betroffen.

Textgröße ändern: