Deutsche Tageszeitung - Festnahmen nach "Corona-Karneval" in Marseille

Festnahmen nach "Corona-Karneval" in Marseille


Festnahmen nach "Corona-Karneval" in Marseille
Festnahmen nach "Corona-Karneval" in Marseille / Foto: ©

Ein nicht genehmigter "Corona-Karneval" in der französischen Mittelmeerstadt Marseille hat Folgen: Nach dem Protestumzug mit tausenden Teilnehmern nahm die Polizei mindestens neun Menschen wegen Verstößen gegen die Corona-Auflagen vorläufig fest, wie das französische Innenministerium am Montag mitteilte. Als "völlig inakzeptabel" verurteilte das Ministerium die Straßenparty, bei der kaum jemand einen Mund-Nasen-Schutz trug.

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Nach Polizeischätzungen waren am Sonntag rund 6500 Kostümierte dicht gedrängt durch das Zentrum der südfranzösischen Hafenstadt gezogen. Vor allem jüngere Menschen und vereinzelt auch Familien beteiligten sich nach Aufrufen in Online-Netzwerken. Sie forderten ein "Recht auf Party", tanzten und konsumierten Alkohol.

Die Polizeipräfektur erklärte, die Veranstaltung sei nicht angemeldet gewesen. Die Teilnehmer hätten "weder Maskenpflicht noch Abstandsregeln" eingehalten. Am Abend löste die Polizei die Versammlung auf, nachdem es zu Sachbeschädigungen gekommen war. Einige der Festgenommenen sollen wegen Widerstands gegen die Polizei belangt werden, dutzende weitere erhielten Bußgeldbescheide. Verstöße gegen die Corona-Auflagen werden in Frankreich mit mindestens 135 Euro geahndet.

Zu Frühjahrsbeginn findet in Marseille normalerweise ein alternativer Straßenkarneval statt. Wegen der Pandemie sind öffentliche Versammlungen jedoch weitgehend untersagt.

Die Stadtverwaltung rief alle Teilnehmer auf, sich umgehend einem Corona-Test zu unterziehen. "Es gibt weder genug Intensivbetten noch Impfstoffe", betonte die stellvertretende Bürgermeisterin und Ärztin Michèle Rubirola auf Twitter. "Keine Kundgebung im Freien darf ohne strenge Einhaltung der Corona-Regeln stattfinden."

In Marseille ist die Lage angespannt: Die 7-Tage-Inzidenz lag dort zuletzt bei mehr als 300 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner und damit über dem landesweiten Schnitt. Die Krankenhäuser in der Region sind an der Belastungsgrenze.

Die Rechtspopulistin Marine Le Pen gab der französischen Regierung eine Mitschuld an dem Vorfall. Sie habe "seit Beginn der Pandemie Schuldgefühle bei den Franzosen geweckt und sie wie Kinder behandelt", kritisierte sie in Paris. Die Schutzmaßnahmen seien für viele Menschen schlicht nicht mehr akzeptabel.

Im Pariser Großraum und anderen Teilen Frankreichs war am Samstag ein dritter Lockdown in Kraft getreten. Fast alle Geschäfte des nicht täglichen Bedarfs schlossen für vorerst vier Wochen. Auch die Bewegungsfreiheit von rund 21 Millionen Menschen wurde erneut eingeschränkt.

In Marseille gilt wie in ganz Frankreich eine nächtliche Sperrstunde ab 19.00 Uhr. Zudem sind Restaurants, Cafés und Kulturstätten geschlossen.

Auf den französischen Intensivstationen wurden zuletzt mehr als 2200 Covid-19-Patienten behandelt. Das ist die höchste Zahl seit dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle Ende November. In Frankreich steht die hoch ansteckende britische Corona-Variante inzwischen für drei Viertel der Neuinfektionen.

Zuletzt wurden auch die französischen Ministerinnen für Kultur und Arbeit, Roselyne Bachelot und Elisabeth Borne, positiv auf das Virus getestet. Die 59-jährige Borne wurde in einem Pariser Krankenhaus behandelt. Sie befinde sich aber auf dem "Weg der Besserung", erklärte ihr Ministerium.

(N.Loginovsky--DTZ)

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