Deutsche Tageszeitung - Corona-Lage in Indien verschlechtert sich weiter

Corona-Lage in Indien verschlechtert sich weiter


Corona-Lage in Indien verschlechtert sich weiter
Corona-Lage in Indien verschlechtert sich weiter / Foto: ©

Mehr als 2000 Corona-Tote an einem Tag und Engpässe bei der Sauerstoff-Versorgung von Infizierten: Die Pandemie-Lage in Indien verschlechtert sich zusehends. Am Mittwoch meldete das Gesundheitsministerium in Neu Delhi zudem 295.000 Neuinfektionen binnen eines Tages. Die Krankenhäuser sind überlastet, es fehlt an Sauerstoff. Viele Länder reagierten mit Einreisebeschränkungen auf das Infektionsgeschehen in Indien.

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"Ich habe mehr Angst um meine Eltern und Verwandten als um mich", sagte ein Bewohner der indischen Hauptstadt Neu Delhi der Nachrichtenagentur AFP. Schließlich sei es derzeit "nahezu unmöglich", ein Krankenhausbett zu bekommen. Wegen der angespannten Lage war in Neu Delhi am Montagabend ein einwöchiger Lockdown in Kraft getreten.

Überall im Land werden die Sauerstoffvorräte zur Versorgung von Covid-19-Patienten knapp. Sauerstoffflaschen werden auf dem Schwarzmarkt zu exorbitanten Preisen gehandelt. Neu Delhis Regierungschef Arvind Kejriwal schrieb am Dienstagabend im Onlinedienst Twitter, die Krankenhäuser der Hauptstadt hätten nur noch "für ein paar Stunden Sauerstoff". Am Mittwochmorgen wurden zumindest manche Kliniken mit Nachschub beliefert.

Auch im westlichen Bundesstaat Maharashtra mit der Metropole Mumbai gab es gravierende Sauerstoff-Engpässe. In einem Krankenhaus in Nashik starben örtlichen Medien zufolge 22 Patienten beim halbstündigen Ausfall der Sauerstoffversorgung. Zusätzlich kämpft Indien mit Lieferengpässen bei den Corona-Impfstoffen.

"Diese zweite Corona-Welle kam wie ein Sturm", sagte Indiens Regierungschef Narendra Modi am Dienstag in einer Rede an die Nation. Noch vor wenigen Wochen sei die Situation "unter Kontrolle" gewesen, nun befinde sich Indien aber "erneut in einem großen Kampf".

Allerdings gibt es für die Infektionswelle Experten zufolge gute Gründe. Zum einen grassiere in Indien eine Virus-Variante mit einer doppelten Mutation. Zum anderen heizten religiöse Feierlichkeiten wie das hinduistische Kumbh-Mela-Fest sowie politische und sportliche Großveranstaltungen das Infektionsgeschehen enorm an.

Ein Schlaglicht auf diese Hotspots warf auch die Corona-Infektion des ehemaligen nepalesischen Königspaares. Der frühere König Gyanendra Bir Bikram Shah und seine Frau Komal Rajya Laxmi Devi Shah infizierten sich beim Kumbh-Mela-Fest, wie ihr Sprecher erklärte. Der 73-jährige Ex-Monarch und seine 70-jährige Frau befänden sich nach einem positiven Test in Selbstisolation in ihrer Residenz.

Kumbh Mela ist das größte religiöse Fest der Welt, seit Januar kamen dafür bis zu 25 Millionen Menschen in den Norden Indiens. Ungeachtet der Pandemie drängten sich die Menschen dicht an dicht, um als Teil eines Rituals ein Bad im Fluss Ganges zu nehmen.

Mehrere Staaten haben Reisewarnungen für Indien ausgegeben - die USA selbst für bereits gegen das Virus geimpfte Menschen. Auch aus Indien kommende Flüge wurden gestrichen. Frankreich verhängte am Mittwoch für Einreisende aus Indien eine zehntägige Quarantäne-Pflicht. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte am Dienstag Deutsche in Indien, die nicht gegen Corona geimpft sind, aufgefordert, sie sollten "eine temporäre Rückkehr nach Deutschland bis zur Stabilisierung der medizinischen Versorgungslage erwägen".

Seit dem Beginn der Pandemie hat Indien 15,6 Millionen Corona-Infektionen verzeichnet. Das 1,3-Milliarden-Einwohner-Land überholte vor gut einer Woche Brasilien als Land mit den zweitmeisten Corona-Infektionen weltweit.

(A.Stefanowych--DTZ)

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