Deutsche Tageszeitung - China bringt erstes Modul für seine Raumstation ins All

China bringt erstes Modul für seine Raumstation ins All


China bringt erstes Modul für seine Raumstation ins All
China bringt erstes Modul für seine Raumstation ins All / Foto: ©

Chinas Traum von einer eigenen Weltraumstation nimmt Formen an: Die Volksrepublik brachte am Donnerstag das erste Modul ihrer neuen Raumstation ins All. Wie im Staatsfernsehen zu sehen war, startete das "Tianhe" genannte Kernmodul mit einer Trägerrakete vom Typ Langer Marsch vom Raumfahrtbahnhof Wenchang auf der Insel Hainan. Der Bau einer eigenen Raumstation ist zentraler Bestandteil von Chinas ehrgeizigem Weltraumprogramm. Der Betrieb soll im kommenden Jahr aufgenommen werden.

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Der chinesische Präsident Xi Jinping nannte die Raumstation in einer Glückwunschbotschaft einen wichtigen Schritt "beim Aufbau einer großen Nation der Wissenschaft und Technologie".

Live-Bilder des staatlichen Fernsehsenders CCTV zeigten Mitarbeiter des Raumfahrtprogramms, die jubelten, als die Rakete sich ihren Weg durch die Atmosphäre bahnte. "Ein Palast im Himmel ist nicht länger nur eine romantische Fantasie der Vorfahren", wurde die Mission auf CCTV kommentiert. Menschen mit Sonnenhüten und Smartphones in der Hand versammelten sich unter den Kokospalmen eines nahegelegenen Strandes der tropischen Insel im Süden Chinas, um den Start zu beobachten.

Das Kernmodul "Tianhe", zu deutsch etwa "himmlische Harmonie", ist Teil der im Bau befindlichen chinesischen Raumstation "Tiangong" ("himmlischer Palast") und bietet Unterkünfte für Astronauten. 2022 soll die Raumstation betriebsbereit sein. Zuvor sind noch etwa elf Raummissionen geplant, im Zuge derer weitere Module ins All gebracht und montiert werden sollen.

Geplant ist, dass die chinesische Raumstation nach ihrer Inbetriebnahme in niedriger Erdumlaufbahn auf rund 400 bis 450 Kilometern Höhe verbleibt. Es wird mit einer Nutzungsdauer von etwa 15 Jahren gerechnet. Die fertige Station wird der sowjetischen "Mir"-Station ähneln, die ab den 1980er Jahren bis 2001 die Erde umkreiste.

Eine internationale Nutzung wie bei der Internationalen Raumstation ISS ist nicht geplant. Peking hat jedoch erklärt, offen für ausländische Kooperation in der Weltraumforschung zu sein.

Mit der Stilllegung der ISS, die nach 2024 erfolgen soll, könnte Chinas "Tiangong" jedoch die einzige Raumstation in der Erdumlaufbahn werden. Wohl auch im Hinblick darauf äußerte die US-Raumfahrtbehörde Nasa zuletzt, dass die ISS möglicherweise noch über 2028 hinaus funktionsfähig bleiben könnte. Die Europäische Weltraumbehörde ESA hat bereits Astronauten zur Ausbildung nach China geschickt, damit diese auf der "Tiangong" arbeiten könnten.

Neben dem Modul "Tianhe" für die Astronauten soll die chinesische Station über zwei weitere Module für wissenschaftliche Studien verfügen und mit Sonnenkollektoren sowie experimentellen Geräten ausgestattet sein. Darunter soll sich auch ein Gerät für Atomexperimente befinden, erklärte die Chinesische Gesellschaft für Astronautik.

Peking will nicht nur auf der Erde sondern auch im All eine Großmacht werden und investiert Milliardensummen in seine Raumfahrtprogramme. Zuletzt gelang China im Februar eine erfolgreiche Mars-Mission; Mitte Mai soll die Sonde Tianwen-1 einen ferngesteuerten Roboter auf den roten Planeten bringen. Im Dezember wurde eine ehrgeizige Mondmission beendet; eine Kapsel mit zwei Kilogramm Proben kehrte sicher auf die Erde zurück.

Damit gelang es der Volksrepublik als drittes Land nach den USA und der damaligen Sowjetunion, Gesteins- und Bodenproben des Erdtrabanten einzusammeln und zur Erde zurückzubringen. Zu Chinas nächsten Plänen zählen neben Mond- und Marsmissionen und der bemannten Raumstation auch eine bemannte Mondlandung.

(Y.Ignatiev--DTZ)

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