Deutsche Tageszeitung - Missbrauchsverfahren gegen französischen Politologen Duhamel eingestellt

Missbrauchsverfahren gegen französischen Politologen Duhamel eingestellt


Missbrauchsverfahren gegen französischen Politologen Duhamel eingestellt
Missbrauchsverfahren gegen französischen Politologen Duhamel eingestellt / Foto: ©

Der bekannte französische Politikwissenschaftler und Jurist Olivier Duhamel hat zwar gestanden, seinen Stiefsohn als Minderjährigen sexuell missbraucht zu haben - strafrechtlich verantworten muss er sich dafür aber nicht. Die Justiz stellte das Ermittlungsverfahren gegen den 71-Jährigen wegen Verjährung ein, wie die Pariser Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Der Fall hatte in Frankreich Schockwellen verursacht und eine breite Debatte über Missbrauch und Inzest ausgelöst.

Textgröße ändern:

Duhamel war in der Affäre Anfang Januar von allen Ämtern zurückgetreten. Unter anderem gab er die Stiftungsleitung der Elite-Uni Sciences Po ab. Das Missbrauchsopfer ist ein Sohn des Ärzte-ohne-Grenzen-Gründers und früheren französischen Außenministers Bernard Kouchner, mit dessen Ex-Frau Duhamel liiert war.

Ausgelöst wurde die Debatte durch ein Enthüllungsbuch der Kouchner-Tochter Camille, in der die Juristin ihrem Stiefvater Duhamel vorwarf, ihren Zwillingsbruder Ende der 1980er Jahre missbraucht zu haben. Die Autorin klagte zudem viele Pariser Intellektuelle an, diese und ähnliche Taten stillschweigend gebilligt zu haben.

Die Veröffentlichung löste zu Jahresbeginn ein gesellschaftliches Erdbeben in Frankreich aus. Der Rektor der Universität Sciences Po, Frédéric Mion, musste ebenfalls zurücktreten. Zahlreiche weitere Prominente gerieten durch Wortmeldungen mutmaßlicher Opfer unter Missbrauchsverdacht.

Seit einer Gesetzesänderung 2018 beträgt die Verjährungsfrist für solche Taten in Frankreich 30 statt zuvor 20 Jahre. Die Verlängerung gilt aber nicht rückwirkend für Fälle, die bei Inkrafttreten der Novelle bereits verjährt waren.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Bewährungsstrafen für Steuerhinterziehung in Millionenhöhe in Sachsen-Anhalt

Weil sie im großen Stil mit Medizinmaterial Steuern hinterzogen beziehungsweise Beihilfe dazu leisteten, hat das Landgericht Halle in Sachsen-Anhalt drei Angeklagte zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie erhielten Strafen zwischen zehn Monaten und zwei Jahren auf Bewährung, wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch mitteilte. Demnach ordnete die Kammer am Dienstag zudem die Einziehung von über einer Million Euro an Taterträgen an.

Schwertransporterunfall: Gesperrte Autobahn A2 nach fast 30 Stunden wieder frei

Die nach einem Unfall eines Schwertransporters gesperrte Autobahn 2 bei Kamen in Nordrhein-Westfalen ist nach fast 30 Stunden wieder für den Verkehr freigegeben worden. Alle Bergungs- und Reparaturarbeiten seien bis Mittwochmorgen um 6 Uhr beendet worden, teilte die Polizei in Dortmund mit. Am Mittwochabend sollte wegen Fahrbahnreparaturen demnach wieder eine Baustelle eingerichtet werden, nach aktuellem Stand allerdings ohne eine erneute Vollsperrung.

Waldbrand in Ostbelgien laut Behörden "eingekreist" - Lage bleibt "kompliziert"

Der massive Waldbrand in Ostbelgien nahe der Grenze zu Deutschland ist nach Behördenangaben "eingekreist" worden. Die Flammen breiteten sich nicht weiter in Richtung Deutschland aus, sagte der Leiter der Krisenkommunikation der Provinz Lüttich, Tony Hosmans, am Mittwochmorgen. Die Lage im Naturschutzgebiet Hohes Venn bleibe allerdings "kompliziert", fügte Hosmans hinzu. Der Brand sei an mehreren Stellen wieder aufgeflammt.

Berufungsprozess zu aufsehenerregenden Pilz-Morden in Australien begonnen

Fast ein Jahr nach der Verurteilung einer als Pilz-Mörderin bekannt gewordenen Australierin hat am Mittwoch der Berufungsprozess begonnen. Die per Video aus dem Gefängnis zu der Verhandlung in Melbourne zugeschaltete Erin Patterson will die Aufhebung ihrer Verurteilung zu lebenslanger Haft erreichen. Zugleich hat auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, sie beantragte eine noch härtere Strafe.

Textgröße ändern: