Deutsche Tageszeitung - Spionageverdacht: Früherer BND-Präsident Hanning und Büroleiter festgenommen

Spionageverdacht: Früherer BND-Präsident Hanning und Büroleiter festgenommen


Spionageverdacht: Früherer BND-Präsident Hanning und Büroleiter festgenommen
Spionageverdacht: Früherer BND-Präsident Hanning und Büroleiter festgenommen / Foto: © AFP/Archiv

Spionageverdacht gegen früheren Geheimdienstchef: Der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendiensts (BND), August Hanning, ist am Dienstag festgenommen worden. Er soll von seinem früheren Büroleiter beim deutschen Auslandsgeheimdienst, Manfred D., geheime Informationen gekauft haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Erkenntnisse daraus sollen auch bei mindestens einem fremden Geheimdienst gelandet sein, nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP handelt es sich dabei aber nicht um Russland.

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Der inzwischen 80 Jahre alte Hanning wurde in Nordrhein-Westfalen festgenommen. D. wurde am Dienstag in Bayern von Beamten des Bundeskriminalamts gefasst und ebenfalls festgenommen. Ihre Wohnungen sowie Räumlichkeiten in Berlin wurden den Angaben zufolge durchsucht. Die Männer sollten am Dienstag und Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über die Untersuchungshaft entscheidet.

Hanning war von Dezember 1998 bis Ende November 2005 BND-Präsident. Vermutlich 2010 soll er der Bundesanwaltschaft zufolge mit D. vereinbart haben, dass dieser ihm gegen Geld fortlaufend wertvolle Erkenntnisse des BND besorgen sollte. Diese Informationen habe Hanning bei seiner privaten Beratertätigkeit "gewinnbringend verwerten" wollen. Bis wahrscheinlich Juni 2022 habe D. Hanning annähernd 2000 Dokumente zur Verfügung gestellt, darunter viele als Verschlusssache eingestufte Informationen.

Einmal habe Hanning die Erkenntnisse genutzt, um für einen Mitarbeiter eines fremden Geheimdienstes eine Analyse zu erstellen, wie die Bundesanwaltschaft ausführte. Es sei nicht sicher, ob die Analyse diesen erreicht habe. Hanning habe sich außerdem intensiv mit einem Angehörigen eines anderen staatlichen Geheimdiensts ausgetauscht und ihn jahrelang mit politischen Informationen versorgt. Diese hätten teilweise auf Material beruht, dass D. weitergegeben habe.

D. arbeitete den Angaben zufolge von März 2012 bis März 2026 auch für weitere BND-Präsidenten als Büroleiter. In dieser Funktion habe er Zugriff auf zahlreiche geheimhaltungsbedürftige Informationen gehabt, erklärte die Bundesanwaltschaft.

Sie ermittelt wegen des mutmaßlichen Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen und geheimdienstlicher Agententätigkeit gegen Hanning, außerdem wegen versuchten Landesverrats und landesverräterischer Ausspähung. D. soll Beihilfe zum Versuch des Landesverrats und zur Ausspähung geleistet haben.

Die Festnahme der Männer geht den Angaben zufolge auf Funde bei einer Durchsuchung im Zusammenhang mit dem Block-Prozess zurück. In Hamburg steht die Steakhauskettenerbin Christina Block vor Gericht, weil sie in einem Sorgerechtsstreit die Verschleppung zweier ihrer Kinder beauftragt haben soll, was sie bestreitet.

Wegen des Verdachts der Beteiligung an Entführungsplänen waren Hamburger Ermittler im September 2025 zu einer Razzia gegen Hanning ausgerückt. Der Vorgang sei der Bundesanwaltschaft im Mai zur Übernahme vorgelegt worden, teilte diese nun mit.

(U.Kabuchyn--DTZ)

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