Deutsche Tageszeitung - Schülerproteste in Frankreich: Mehrere Jugendliche schwer verletzt

Schülerproteste in Frankreich: Mehrere Jugendliche schwer verletzt


Schülerproteste in Frankreich: Mehrere Jugendliche schwer verletzt
Schülerproteste in Frankreich: Mehrere Jugendliche schwer verletzt / Foto: © AFP

Bei den anhaltenden Schülerprotesten in Frankreich sind inzwischen mehrere Jugendliche schwer verletzt worden: Einem 15 Jahre alten Schüler wurde am Montag im nordfranzösischen Lens durch die Explosion einer Polizeigranate die Hand abgerissen. In knapp 590 Schulen kam es erneut zu Unruhen. In Paris legten Randalierer Feuer am Eingang einer Schule, während sich Schüler im Inneren aufhielten.

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Seit Beginn der Proteste wurden nach offiziellen Angaben 5060 Menschen festgenommen, 87 Prozent davon Minderjährige. Insgesamt wurden 190 Schüler verletzt, die meisten von ihnen durch "unglückliche Umstände", wie das Bildungsministerium mitteilte.

Die Menschenrechtsliga prangerte am Montag wegen des Einsatzes der Sicherheitskräfte eine "weitgehende Abkehr vom Rechtsstaat" in Frankreich an.

Der 15-Jährige aus Lens habe eine sogenannte Entkesselungs-Granate aufgehoben, um sie zurückzuwerfen, hieß es in Polizeikreisen. Bildungsminister Edouard Geffray erklärte, dass die Umstände des Vorfalls noch nicht klar seien.

Die Polizei hat mittlerweile sechs interne Untersuchungen eingeleitet. Eine davon betrifft die Verletzung des 16 Jahre alten Maël in Tours, der am vergangenen Mittwoch ein Auge verloren hatte. Die Verletzung sei vermutlich durch ein Hartgummigeschoss der Polizei verursacht worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Familie erstattete Anzeige.

Die Familie eines 14-Jährigen in Saint-Ouen-l'Aumône erstattete Anzeige, weil ihr Sohn Eden beim Abschuss einer Tränengasgranate im Gesicht getroffen wurde; dabei wurden ihm sämtliche Zähne ausgeschlagen oder beschädigt.

Unterdessen wurden auch mehrere Jugendliche wegen gravierender Gewalttaten festgenommen. In Marseille kam ein 15-Jähriger in Gewahrsam, weil er einer Passantin eine brennende Substanz ins Gesicht gesprüht hat. Ein 16-Jähriger wurde in La Ciotat festgenommen, weil er einen Lehrer mit Benzin besprengt hat.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen zwei Jugendliche im Alter von 15 und 17 Jahren, die einen Polizisten zu Boden geworfen und gegen den Kopf getreten haben. Der Ältere erstattete seinerseits Anzeige gegen den Polizisten und wirft ihm vor, er habe bei einer versuchten Festnahme seinen Kopf in einem Bach unter Wasser gehalten.

Die linke Opposition wirft der Regierung vor, mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen die Protestierenden vorzugehen. Der linkspopulistische Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon prangerte "immer brutalere Methoden" an. Er rief seine Anhänger dazu auf, sich mit weißen Armbinden und Helmen zwischen Jugendliche und Sicherheitskräfte zu stellen.

Innenminister Laurent Nuñez hatte in den vergangenen Tagen erklärt, dass er die Sicherheitskräfte nicht zur Zurückhaltung aufgerufen habe. Die Menschenrechtsliga prangerte am Montag eine "weitgehende Abkehr vom Rechtsstaat" in Frankreich an.

Die linkspopulistische Fraktionschefin Mathilde Panot warf der Regierung vor, innerhalb von zehn Jahren 10.000 Lehrerstellen gestrichen zu haben. Derzeit würden zehn Prozent des Unterrichts ausfallen, weil abwesende Lehrer nicht ersetzt würden.

Premierminister Sébastien Lecornu hatte am Wochenende fünf Ministerien beauftragt, nach Lösungen zu suchen. Ein entschlossenes Vorgehen müsse mit "dem Anhören berechtigter Anliegen" einhergehen, sagte er angesichts der Kritik am Kurs der Regierung, die von Beginn an auf die Repression der Bewegung gesetzt hatte.

Für Dienstag haben zahlreiche Organisationen zu einem weiteren großen Protesttag aufgerufen. "Die CGT wird da sein, um die Schülerinnen und Schüler zu schützen. Wir sind empört über die beispiellose Repression durch die Regierung", sagte die Gewerkschaftschefin Sophie Binet am Montag. Auch die sozialistische Partei ruft dazu auf, die Schülerproteste zu unterstützen.

Begonnen hatten die Unruhen Mitte September an einer Schule in einer Pariser Vorstadt, in der Personal fehlte. Die Schüler fordern mehr Lehrer, kürzere Schultage, weniger Schüler in den Klassen sowie Klimaanlagen und Heizungen. Die Wut ist besonders groß in sozial benachteiligten Orten, weil die Schulen dort besonders schlecht ausgestattet sind.

(W.Uljanov--DTZ)

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