Deutsche Tageszeitung - Schwere Anschuldigungen im New Yorker Missbrauchsprozess gegen R&B-Star R.Kelly

Schwere Anschuldigungen im New Yorker Missbrauchsprozess gegen R&B-Star R.Kelly


Schwere Anschuldigungen im New Yorker Missbrauchsprozess gegen R&B-Star R.Kelly
Schwere Anschuldigungen im New Yorker Missbrauchsprozess gegen R&B-Star R.Kelly / Foto: ©

Mit schweren Anschuldigungen der Anklage hat in New York der Missbrauchsprozess gegen den berühmten R&B-Musiker R. Kelly begonnen. Staatsanwältin Maria Cruz Melendez warf dem Sänger des Welthits "I Believe I Can Fly" am Mittwoch vor, über Jahrzehnte seinen Ruhm genutzt zu haben, um "junge Mädchen, Jungen und Frauen für seine sexuelle Befriedigung auszubeuten". Die Verteidigung sprach hingegen von einvernehmlichen Sex.

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Der 54-Jährige habe "jeden Trick aus dem Handbuch des Raubtiers" genutzt, um sich Minderjährigen zu nähern, ihnen und ihren Familien Versprechungen zu machen und seine Opfer dann sexuell zu missbrauchen, sagte Staatsanwältin Melendez vor dem Bundesgericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Er habe sich dabei auf ein "Netzwerk" von Helfern gestützt, die Mädchen für Sex mit ihm rekrutiert und seine Verbrechen vertuscht hätten.

Kelly habe Zugang zu "jungen Fans" gehabt und seine Opfer wie "Objekte" gesammelt. Der Sänger soll Opfer, die sich seinen Wünschen widersetzten, mit "grausamen und erniedrigenden Strafen" gepeinigt und sie unter anderem verprügelt haben. Auch filmte und fotografierte er seine Opfer demnach beim Sex und drohte dann mit einer Veröffentlichung.

Laut der Anklage wurden für Kelly systematisch junge Mädchen "rekrutiert", um Sex mit dem einstigen Superstar zu haben. Dabei sei ihnen auch eine Geschlechtskrankheit Kellys verschwiegen worden. Wenn der Star auf Tour war, sollen die Opfer in Hotelzimmern eingesperrt worden sein. Ziel sei gewesen, die Mädchen und jungen Frauen zu isolieren und finanziell abhängig zu machen.

Die erste Zeugin bestätigte die Vorwürfe der Anklage. Die heute 28-jährige Jerhonda war nach eigenen Angaben 16 Jahre alt, als sie mit Kelly zusammenkam. Er habe sie beim Sex gefilmt und ihr gesagt, er werde ihr beibringen, wie sie ihn "befriedigen" könne.

Kelly verfolgte die Ausführungen der Staatsanwältin schweigend und teilweise mit gesenktem Kopf. Dem Grammy-Gewinner werden unter anderem sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, Entführung, Zwangsarbeit und Bestechung in den Jahren 1994 bis 2018 vorgeworfen. Bei einer Verurteilung droht ihm eine langjährige Haftstrafe.

Im Mittelpunkt der Anklage stehen sechs Frauen, darunter die Sängerin Aaliyah, die 2001 im Alter von 22 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Die Anklageschrift wirft Kelly vor, 1994 einen Beamten dafür bezahlt zu haben, das Alter der damals 15-Jährigen heraufgesetzt zu haben, damit er sie heiraten kann - die Ehe wurde später annulliert.

Kellys Verteidigerin Nicole Blank Becker wies die Anschuldigungen rundheraus zurück. Bei den Opfern handle es sich um "Groupies", die durchaus damit einverstanden gewesen seien, mit dem Star Sex zu haben, sagte sie. Nach dem Ende der Beziehung seien sie dann voller Hass gewesen. Sie betonte, einige Beziehungen seien "schön" gewesen und hätten lange gehalten.

Gegen den Sänger und Komponisten waren bereits vor rund 25 Jahren erste Vorwürfe laut geworden. Ein Prozess endete jedoch mit Freispruch, andere Verfahren wurden außergerichtlich beigelegt.

Die 2019 veröffentlichte Dokumentationsserie "Surviving R. Kelly" führte dann zu neuen Ermittlungen, zu Kellys Festnahme - und jetzt zu dem Prozess in New York. "Nach zwei Jahrzehnten beginnen die Menschen endlich zu reden, und ich bin dafür demütig dankbar", sagte Jonjelyn Savage, deren Tochter Missbrauchsvorwürfe gegen Kelly erhoben hat, am Mittwoch vor dem Gerichtsgebäude.

Der Sänger mit dem bürgerlichen Namen Robert Sylvester Kelly weist alle Vorwürfe zurück und hat auf nicht schuldig plädiert. Der Prozess begann wegen der Corona-Pandemie mit mehr als einem Jahr Verspätung und dürfte rund einen Monat dauern. Über Kellys Schicksal entscheidet eine Jury aus zwölf Geschworenen, sieben Männern und fünf Frauen. Kelly droht auch in Chicago ein Prozess.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

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