Deutsche Tageszeitung - Mutter von totem Baby aus Mülltonne wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Mutter von totem Baby aus Mülltonne wegen fahrlässiger Tötung verurteilt


Mutter von totem Baby aus Mülltonne wegen fahrlässiger Tötung verurteilt
Mutter von totem Baby aus Mülltonne wegen fahrlässiger Tötung verurteilt / Foto: ©

In einem Prozess um ein an Weihnachten tot in einer Mülltonne gefundenes Baby hat das Landgericht Regensburg die Mutter am Freitag wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Haft verurteilt. Wie eine Gerichtssprecherin in der bayerischen Stadt mitteilte, sahen die Richter den Anklagevorwurf des Mordes nicht als erwiesen an. Es sei nicht auszuschließen, dass die 25-Jährige ihr Neugeborenes nach der Geburt irrtümlich für tot gehalten habe.

Textgröße ändern:

Seine Einschätzung stützte das Gericht demnach auf die Aussagen von zwei als Sachverständige geladenen Gynäkologinnen, die dies für möglich hielten. Der gleichlautenden Aussage der Angeklagten, die ausgesagt hatte, ihr Kind für tot gehalten zu haben, maßen sie wegen Zweifeln an deren Glaubwürdigkeit keine Bedeutung bei.

Aus Mangel an der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit ließen die Richter den Mordvorwurf fallen. Sie sprachen die Frau laut Sprecherin stattdessen der fahrlässigen Tötung schuldig, weil sie vor der Geburt zu Hause keine Vorkehrungen getroffen und keine Hilfe gesucht hatte. Dadurch habe sie die Fehleinschätzung zu verantworten, ihr Kind irrtümlich für tot gehalten zu haben.

Eine Nachbarin hatte das tote Kind am ersten Weihnachtstag 2020 in einem Abfallbehälter des Regensburger Hauses entdeckt, in dem die Mutter wohnte. Die Frau wurde danach in einem Krankenhaus ausfindig gemacht. Sie hatte das Mädchen laut Anklage allein zu Hause zur Welt gebracht und anschließend in die Mülltonne gelegt. Laut Obduktionsbericht hatte das Kind bei der Geburt noch gelebt.

Mit seinem Urteil entsprach das Gericht tendenziell der Forderung der Verteidigung, die eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung angestrebt, aber eine Bewährungsstrafe verlangt hatte. Auch die Anklage war nach dem erst am Montag begonnenen Prozess zumindest vom Vorwurf des Mordes abgerückt. Stattdessen forderte die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung wegen Totschlags.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Korruptionsverdacht: Früherer armenischer Präsident Kotscharjan festgenommen

In Armenien ist der frühere Präsident Robert Kotscharjan am Dienstag wegen Vorwürfen der Korruption und Veruntreuung öffentlicher Gelder festgenommen worden. Der Ex-Staatschef und heutige Oppositionsführer sowie mehrere seiner Vertrauten würden verdächtigt, Ämter missbraucht zu haben, um sich "öffentliches Eigentum anzueignen" sowie "Vermögenswerte weit unterhalb des Marktpreises" zu erwerben, erklärte die armenische Anti-Korruptions-Behörde.

Per Notruf aus fahrendem Auto: Achtjährige stoppt Trunkenheitsfahrt ihrer Mutter

Eine Achtjährige hat bei Diepholz in Niedersachsen eine gefährliche Trunkenheitsfahrt ihrer Mutter gestoppt - per Notruf aus dem fahrenden Auto. Das verängstigte Kind setzte diesen per Freisprechanlage ab, wie die örtliche Polizei am Dienstag berichtete. Es habe in dem Notruf "aufgelöst" geschildert, wie die betrunkene Mutter Schlangenlinie fahre und auf die Gegenfahrbahn gerate. Polizisten lokalisierten den Wagen und stoppten ihn umgehend.

Merz bekennt sich vor Kabinettsklausur zu Kampf gegen Klimawandel

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich vor Beginn der Kabinettsklausur im brandenburgischen Neuhardenberg zur Notwendigkeit des Kampfes gegen die Erderwärmung bekannt. "Wir müssen den Klimawandel weiter eindämmen und zugleich unser Land besser an die Folgen des Klimawandels anpassen", sagte Merz in seinem Auftaktstatement am Dienstag. Darüber solle am Mittwoch im Kabinett beraten werden.

Menschenrechtsgericht fordert Freilassung des in der Türkei inhaftierten Kulturförderers Kavala

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Türkei zur Freilassung des inhaftierten Kulturförderers Osman Kavala aufgefordert. Die Verurteilungen Kavalas in seiner Heimat hätten vor allem das Ziel verfolgt, ihn "für seine Rolle bei den Gezi-Protesten zu bestrafen und ihn als Menschenrechtsverteidiger zum Schweigen zu bringen", erklärte der Vorsitzende Richter Mattias Guyomar am Montag in Straßburg.

Textgröße ändern: