Deutsche Tageszeitung - Ex-US-Verteidigungsminister sagt im Prozess gegen Bluttest-Unternehmerin aus

Ex-US-Verteidigungsminister sagt im Prozess gegen Bluttest-Unternehmerin aus


Ex-US-Verteidigungsminister sagt im Prozess gegen Bluttest-Unternehmerin aus
Ex-US-Verteidigungsminister sagt im Prozess gegen Bluttest-Unternehmerin aus / Foto: ©

Mit dem früheren US-Verteidigungsminister Jim Mattis hat der erste namhafte Zeuge im Betrugsprozess gegen die frühere Bluttest-Unternehmerin Elizabeth Holmes ausgesagt. Mattis, der im Verwaltungsrat des von Holmes gegründeten Unternehmens Theranos saß, gab am Mittwoch vor Gericht an, er sei von den Versprechen und dem Auftreten der Jungunternehmerin fasziniert gewesen. Holmes habe "scharfsinnig, wortgewandt, engagiert" auf ihn gewirkt. "Ich war von ihr beeindruckt."

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Er sei "ziemlich angetan" gewesen von der Idee, mit nur einem Tropfen Blut etliche Krankheiten diagnostizieren zu können, sagte Mattis bei dem Prozess im kalifornischen San José weiter. Besonders hätte ihn die mögliche Anwendung eines derartigen Verfahrens während militärischer Einsätze interessiert.

Mattis, der unter Ex-Präsident Donald Trump an der Spitze des Pentagons stand, saß zuvor von 2013 bis 2016 im Verwaltungsrat des heute nicht mehr existierenden Unternehmens Theranos. Im Zeugenstand sagte er aus, die für ihn beträchtliche Summe von fast 85.000 Dollar (fast 72.500 Euro) in das Startup investiert zu haben.

Das Verfahren gegen Holmes, die einst als aufstrebender Star im Silicon Valley galt, hatte vor zwei Wochen im kalifornischen San José begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft der 37-Jährigen vor, Investoren, Ärzte und Patienten mit dem Versprechen einer revolutionären Technologie für schnelle und kostengünstige Bluttests getäuscht zu haben. Bei einer Verurteilung wegen Betrugs und Verschwörung zum Betrug drohen ihr bis zu 20 Jahre Haft.

Holmes hatte ihr Unternehmen 2003 mit nur 19 Jahren gegründet. Die Selfmade-Milliardärin wurde jahrelang als Pionierin gefeiert, für den Verwaltungsrat ihres Unternehmens konnte sie neben Mattis auch Ex-Außenminister Henry Kissinger gewinnen. Auch Medienmogul Rupert Murdoch investierte in ihr Unternehmen. Später wurde jedoch klar, dass ihre Bluttest-Geräte gar nicht funktionieren.

Die junge Unternehmerin habe ihn gebeten, dem Theranos-Vorstand beizutreten, um sie beim Aufbau des Unternehmens zu beraten, sagte Mattis aus. Als es dann ab 2015 vermehrt kritische Berichte gab, habe er zunächst gedacht, "dass ein aggressiver Reporter falsch darstellte, was wir zu tun versuchten". Doch "irgendwann kam der Punkt, an dem ich nicht mehr wusste, was ich von Theranos halten sollte", sagte Mattis.

Holmes Verteidigung spricht von "Fehlern", die ohne Vorsatz gemacht worden seien. Die Verantwortung soll offenbar auch auf Holmes’ früheren Partner Ramesh Balwani geschoben werden. Demnach wurde Holmes von dem fast 20 Jahre älteren Mann, mit dem sie zwischenzeitlich ein Verhältnis hatte, ausgenutzt und kontrolliert. Balwani soll Anfang kommenden Jahres ein getrennter Prozess gemacht werden.

Der Prozess gegen Holmes war mehrmals verschoben worden, unter anderem, weil sie im Juli ein Kind bekam. Bei einer Verurteilung drohen der 37-Jährigen bis zu 20 Jahren Haft.

(W.Uljanov--DTZ)

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