Deutsche Tageszeitung - Reisebeschränkungen sollen in Südafrika entdeckte Corona-Variante eindämmen

Reisebeschränkungen sollen in Südafrika entdeckte Corona-Variante eindämmen


Reisebeschränkungen sollen in Südafrika entdeckte Corona-Variante eindämmen
Reisebeschränkungen sollen in Südafrika entdeckte Corona-Variante eindämmen / Foto: ©

Mit strikten Reisebeschränkungen wollen zahlreiche Länder die Ausbreitung einer zuerst in Südafrika entdeckten neuen Corona-Virusvariante verhindern. Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, beschlossen bereits die vorübergehende Einstellung des Reiseverkehrs mit acht Ländern im südlichen Afrika. Die WHO stufte die nun Omikron genannte Variante als "besorgniserregend" ein, riet aber von Reisebeschränkungen ab. Die Angst vor weitreichenden wirtschaftlichen Folgen der neuen Variante ließ die Börsen weltweit einbrechen.

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Das zuständige Gremium der Weltgesundheitsorganisation stufte die nach dem griechischen Buchstaben Omikron genannte Variante als "besorgniserregend" ein. Der Erreger mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 "weist eine große Zahl von Mutationen auf", begründeten die Experten ihre Entscheidung.

Omikron könnte nach Angaben südafrikanischer Wissenschaftler wegen der ungewöhnlich vielen Mutationen noch ansteckender sein als die derzeit grassierende Delta-Variante und die Impfstoffe weniger wirksam machen. Inzwischen wurde die Variante auch in Botsuana, Hongkong, Israel sowie - als erstem EU-Land - in Belgien bei Reisenden aus Afrika nachgewiesen.

Der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich auch gegen die neue Variante B.1.1.529 des Coronavirus schützen, insbesondere gegen schwere Krankheitsverläufe. Davon sei "nach derzeitigem Ermessen" auszugehen, hieß es in einer Stellungnahme Drostens für das ZDF. Allerdings umgeht die neue Variante demnach offensichtlich zumindest teilweise die Immunantwort des Körpers.

Die EU-Kommission empfahl am Freitagabend nach Angaben eines Sprechers allen Mitgliedstaaten die vorübergehende Einstellung des Reiseverkehrs mit Südafrika, Botsuana, Eswatini, Lesotho, Mosambik, Namibia und Simbabwe.

In Deutschland wird der Flugverkehr mit Südafrika ab dem Wochenende drastisch eingeschränkt. Südafrika, Namibia, Simbabwe, Botsuana, Mosambik, Eswatini, Malawi und Lesotho werden laut Robert-Koch-Institut ab Sonntag um 00.00 Uhr als Virusvariantengebiete eingestuft. Auch das Auswärtige Amt warnte vor Reisen in die Länder. Fluggesellschaften dürfen nur noch deutsche Staatsbürger nach Deutschland befördern. Zudem müssten alle Eingereisten für 14 Tage in Quarantäne - auch wenn sie vollständig geimpft sind.

Zahlreiche Länder, darunter Österreich, Belgien, Italien, Marokko, Kanada, Singapur, die Philippinen und mehrere arabische Staaten schlossen sich ebenfalls den Beschränkungen an. Israel verhängte ein Einreiseverbot für die meisten afrikanischen Länder - mit Ausnahme Nordafrikas. In den USA gilt ab Montag ein Einreiseverbot aus den acht Staaten aus dem südlichen Afrika. Präsident Joe Biden erklärte, andere Länder sollten dem Beispiel der USA folgen und mehr Impfdosen für ärmere Länder spenden.

Der südafrikanische Gesundheitsminister Joe Phaahla kritisierte die Einreiseverbote als "ungerechtfertigt". Außenministerin Naledi Pandor nannte die Maßnahmen "voreilig" und verwies auf den Schaden für die Tourismusindustrie und Unternehmen ihres Landes.

Noch sind die Auswirkungen der neuen Virusvariante nicht klar. Nach den Worten eines WHO-Sprechers wird es "einige Wochen" dauern, bis Wissenschaftler die Folgen verstehen können. Das Mainzer Unternehmen Biontech prüft jedoch bereits eine mögliche Anpassung seines bestehenden Corona-Impfstoffs. In spätestens zwei Wochen seien weiterführende Daten aus den Labortests zu erwarten, sagte ein Sprecher.

Sollte eine Anpassung erforderlich sein, hat Biontech nach eigenen Angaben schon vor Monaten mit seinem US-Partner Pfizer Vorbereitungen getroffen. Der mRNA-Impfstoff soll dann innerhalb von sechs Wochen angepasst werden, erste Chargen des angepassten Impfstoffs könnten innerhalb von 100 Tagen ausgeliefert werden. Das US-Unternehmen Moderna kündigte an, eine spezielle Auffrischungsimpfung gegen die Omikron-Variante zu entwickeln.

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) äußerte sich allerdings zurückhaltender. "Die EMA hält es zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht, die Notwendigkeit eines angepassten Impfstoffs mit einer anderen Zusammensetzung zur Bekämpfung dieser neuen Variante vorauszusehen", erklärte die Behörde auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

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