Deutsche Tageszeitung - Trier erinnert an Opfer von Autoattacke in Fußgängerzone vor einem Jahr

Trier erinnert an Opfer von Autoattacke in Fußgängerzone vor einem Jahr


Trier erinnert an Opfer von Autoattacke in Fußgängerzone vor einem Jahr
Trier erinnert an Opfer von Autoattacke in Fußgängerzone vor einem Jahr / Foto: ©

Mit einem Gedenkgottesdienst im Dom hat die Stadt Trier am Mittwochnachmittag der Opfer der Autoattacke mit sechs Toten in der Fußgängerzone vor einem Jahr gedacht. "In die besinnliche Stimmung der Adventszeit hinein geschah die unbegreifliche Tat, die viele körperlich und seelisch verletzt hat", sagte der katholische Bischof Stephan Ackermann. Sie habe viele jäh aus dem Alltag gerissen. "Der 1. Dezember 2020 hat die Stadt Trier verändert."

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Das "Lichtermeer", das über Wochen zum Stadtbild gehört habe, sei vielen noch vor Augen. Durch den am Landgericht laufenden Strafprozess gegen den mutmaßlichen Täter werde fast täglich an das Ereignis erinnert. "Die Verarbeitung steht erst am Anfang", sagte Ackermann. Vor Beginn der Veranstaltung erinnerte die Stadt unter Glockengeläut mit vier Schweigeminuten an die Opfer - so lange hatte die Amokfahrt am 1. Dezember 2020 gedauert.

Die Tat eines Einzelnen habe Leid und Schrecken über viele gebracht, sagte der Vizepräses der evangelischen Kirche, Christoph Pistorius, in seiner Predigt. Sie habe eine Narbe hinterlassen. Die Namen der Opfer würden nicht vergessen.

An dem Gottesdienst nahmen Angehörige der Toten sowie Opfer und Ersthelfer teil. Als Vertreter der Politik waren unter anderem die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (beide SPD) geladen. Beide hielten jeweils eine Fürbitte. Wegen der Corona-Pandemie waren keine weiteren Gäste zugelassen.

Der Gottesdienst wurde von Vertretern der Konfessionen mitgestaltet, denen die Todesopfer angehörten. Diese waren die evangelische Kirche, die griechisch-orthodoxe Kirche und die neuapostolische Kirche.

Am 1. Dezember vergangenen Jahres war ein Mann mit einem Auto durch die Trierer Fußgängerzone gefahren. Fünf Menschen wurden getötet, zahlreiche weitere verletzt. Im Oktober erlag ein 77-Jähriger elf Monate nach der Tat seinen schweren Verletzungen.

Der 51-jährige mutmaßliche Täter muss sich seit August vor dem Landgericht Trier verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm fünffachen Mord, versuchten Mord in 18 Fällen sowie gefährliche und schwere Körperverletzung in 14 Fällen zur Last.

Auf seinem Weg durch mehrere Straßen erfasste er Passanten offenbar wahllos, aber gezielt mit hoher Geschwindigkeit, bevor er nach wenigen hundert Metern nahe der Porta Nigra ausstieg. Das Motiv ist bislang unklar. Laut vorläufiger Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der Mann an einer Psychose.

(N.Loginovsky--DTZ)

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