Deutsche Tageszeitung - Interview: Baldwin streitet Verantwortung für tödlichen Schuss auf Kamerafrau ab

Interview: Baldwin streitet Verantwortung für tödlichen Schuss auf Kamerafrau ab


Interview: Baldwin streitet Verantwortung für tödlichen Schuss auf Kamerafrau ab
Interview: Baldwin streitet Verantwortung für tödlichen Schuss auf Kamerafrau ab / Foto: ©

Nach dem tödlichen Schuss auf die Kamerafrau Halyna Hutchins an einem US-Filmset hat der Schauspieler Alec Baldwin jegliche Verantwortung abgestritten. Jemand sei für das Unglück verantwortlich - "Aber ich weiß, dass ich es nicht bin", sagte Baldwin in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit dem Sender ABC News. Er fügte hinzu: "Wenn ich mich verantwortlich fühlen würde, hätte ich mich vielleicht umgebracht".

Textgröße ändern:

Baldwin hatte am 21. Oktober während Dreharbeiten zu dem Western "Rust" im Bundesstaat New Mexico offenbar versehentlich bei einer Probe die 42-jährige Kamerafrau Hutchins mit einer Requisitenwaffe erschossen. Regisseur Joel Souza wurde an der Schulter getroffen und verletzt. Der Revolver war offenbar mit mindestens einer echten Kugel geladen worden. Der Hollywood-Star war nach dem Vorfall mehrfach verklagt worden.

Baldwin sagte nun, "die strafrechtlichen Ermittlungen sollten sich darauf konzentrieren, herauszufinden, wer scharfe Munition auf das Set von ’Rust’ gebracht hat". Er habe "nichts zu verbergen".

Baldwin beschrieb den Vorfall im Detail und sagte, ihm sei gesagt worden, dass die Waffe "kalt" sei - Fachjargon für eine Feuerwaffe, die keine scharfe Munition enthält. Er sei von Hutchins angewiesen worden, die Waffe in ihre Richtung zu richten, während sie sich darauf vorbereitete, die Szene zu drehen. "Ich ließ den Hammer los. Peng. Die Waffe geht los", sagte er. "Alle sind entsetzt. Sie sind schockiert. Es ist laut", beschrieb er die Reaktionen der Umstehenden.

Baldwin sagte, er habe zunächst geglaubt, Hutchins sei ohnmächtig geworden oder habe einen Herzinfarkt erlitten. Erst Stunden später, nach einem langen Polizeiverhör, habe er erfahren, dass sie mit einer scharfen Kugel getötet worden war. Er wies die Vermutung zurück, dass es sich um einen Sabotageakt gehandelt haben könnte und sagte, es sei "sehr wahrscheinlich, dass es ein Unfall war".

Baldwin sagte, er sei seit dem Vorfall als "Mörder" beschimpft worden. Er wies zudem die Aussagen einiger Kritiker zurück, dass es die Aufgabe eines Schauspielers sei, Waffen zu überprüfen. Aber die Tragödie habe die Dinge für ihn verändert, sagte er. "Ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder einen Film zu drehen, in dem eine Waffe vorkommt".

In bereits am Mittwoch vorab veröffentlichten Ausschnitten des ersten großen Interviews seit der Tragödie im Oktober hatte Baldwin das Abfeuern der Waffe bestritten. "Ich habe den Abzug nicht betätigt", sagte er. "Ich würde niemals eine Waffe auf jemanden richten und den Abzug betätigen." Baldwin zeigte sich während des Interviews sehr emotional und weinte mehrmals.

Hannah Gutierrez-Reed, die Waffenmeisterin, die am Set von "Rust" für die Schusswaffen verantwortlich war, hatte in einer Aussage gegenüber den Ermittlern zugegeben, dass sie bei der Überprüfung des Revolvers kurz vor der Tat nachlässig gewesen sei. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an. Baldwin hält es jedoch für "höchst unwahrscheinlich", dass er "strafrechtlich angeklagt wird".

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Tennessee: US-Gericht setzt erste Hinrichtung einer Frau seit 200 Jahren aus

Aufschub in letzter Minute: Ein US-Bundesgericht hat am Mittwoch die Hinrichtung der ersten Frau im Bundesstaat Tennessee seit mehr als 200 Jahren kurzfristig ausgesetzt. Die verurteilte Mörderin Christa Pike sollte per Giftspritze hingerichtet werden.

Ärmelkanal-Unglück mit 31 Toten: Schleuser zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

Knapp fünf Jahre nach einem Bootsunglück auf dem Ärmelkanal mit mindestens 31 Toten hat ein Gericht in Paris am Mittwoch 13 Männer zu Haftstrafen von bis zu zehn Jahren verurteilt. Sechs von ihnen wurden der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Einer der Angeklagten wurde freigesprochen. Das bislang größte bekannte Bootsunglück von Migranten auf dem Ärmelkanal sei eine "beispiellose Katastrophe, verursacht von einzelnen, die unter Missachtung von Menschenleben von Geldgier getrieben waren", hieß es in der Urteilsbegründung. Ein weiteres Verfahren gegen sieben französische Soldaten, die im Verdacht unterlassener Hilfeleistung stehen, läuft noch.

Milliardenklage nach abgesagter Übernahme von VW durch Porsche scheitert endgültig

17 Jahre nach der gescheiterten Übernahme von Volkswagen durch Porsche ist eine Musterklage von Anlegern gegen die Autobauer endgültig gescheitert. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bestätigte nach Angaben vom Mittwoch das Urteil des Oberlandesgerichts Celle, das Porsche 2022 Recht gegeben hatte. Es ging in dem Verfahren um die Frage, ob Porsche bei den Informationen für den Kapitalmarkt 2008 verwerflich handelte. (Az. II ZB 21/22)

Mehr als hundert Objekte durchsucht: Bundesweite Razzia in Reinigungsgewerbe

Bei einer großangelegten Razzia im Reinigungsgewerbe sind am Mittwoch mehr als hundert Wohnungen, Unterkünfte, Firmen und Hotels in ganz Deutschland durchsucht worden. Dabei wurden zehn Haftbefehle vollstreckt, wie das Hauptzollamt Berlin mitteilte. Außerdem wurde ein Großteil der zuvor angeordneten Vermögensarreste in einer Gesamthöhe von 106 Millionen Euro vollstreckt.

Textgröße ändern: