Deutsche Tageszeitung - Bericht: Hamburger Amoktäter hatte wohl narzisstische Persönlichkeitsstörung

Bericht: Hamburger Amoktäter hatte wohl narzisstische Persönlichkeitsstörung


Bericht: Hamburger Amoktäter hatte wohl narzisstische Persönlichkeitsstörung
Bericht: Hamburger Amoktäter hatte wohl narzisstische Persönlichkeitsstörung / Foto: © AFP

Der Amoktäter Philipp F., der in einer Hamburger Kirche der Zeugen Jehovas sieben Menschen und sich selbst erschoss, litt nach Erkenntnissen von Gutachtern mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Das ergibt sich einem Bericht der "Zeit" vom Mittwoch zufolge aus Analysen, die zwei Experten für Psychiatrie im Auftrag der Polizei im Zuge der Ermittlungen zur Tat zum geistigen Zustand des 35-Jährigen anfertigten.

Textgröße ändern:

Grundlage der Einschätzung der Gutachter war demnach ein von F. vor der Tat veröffentlichtes Buch, in dem dieser apokalyptische Weltsichten und quasi-religiöse wirre Thesen ausbreitete. Laut einem der Experten, dessen Gutachten der "Zeit" vorlag, litt der Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer Persönlichkeitsstörung mit überwiegend narzisstischen Anteilen. F. habe deutliche Anzeichen von Selbstüberschätzung und Größenwahn und ein übersteigertes Bedürfnis nach Anerkennung gezeigt, stellte dieser fest.

Eindeutige Hinweise auf psychotische Erkrankungen mit Wahnsymptomen fand der regelmäßig als Gutachter in Gerichtsprozessen tätige Psychiater der "Zeit" zufolge nicht, auch keine klaren Anzeichen für andere psychische Erkrankungen oder Drogensucht. Vor der Tat war bei der Waffenbehörde ein anonymer Hinweis eingegangen, demzufolge F. an Verfolgungswahn und einer nicht diagnostizierten mutmaßlichen Schizophrenie leide könnte. F. war Sportschütze und besaß legal eine Pistole, die er auch bei der Tat nutzte.

F. hatte vor knapp zwei Wochen während eines Gottesdiensts in einer Hamburger Gemeinde der Zeugen Jehovas sieben Menschen und anschließend sich selbst erschossen. Er hatte nach Angaben der Ermittlungsbehörden bis vor etwa eineinhalb Jahren selbst zu der Gemeinde gehört, verließ diese aber unter nicht abschließend geklärten Umständen. Neun Menschen wurden bei der Tat verletzt, die im In- und Ausland für viel Entsetzen sorgte.

Im Dezember hatte F. im Selbstverlag ein rund 300-seitiges Buch mit dem Titel "Die Wahrheit über Gott, Jesus Christus und Satan" veröffentlicht, das er laut Medienberichten als ein neues theologisches Standardwerk von Weltrang anpries. Er betrieb darüber hinaus eine Internetseite, in denen er seine Dienste als Berater für einen Tagessatz von 250.000 Euro anbot.

Bereits am Mittwoch berichtete der "Spiegel" über ein weiteres Gutachten, das ein Experte für Extremismus und Terrorismus auf Grundlage des Buchs über F. verfasste. Demnach stufte der Fachmann F. als einen "religiösen Fanatiker" ein, dessen plausibelstes Tatmotiv "Hass auf christliche Religionsgemeinschaften" sei. Demnach vertrat der Täter die Auffassung, dass diese ihren Gläubigen "die Wahrheit" vorenthielten. Hinweise auf geplante Gewalttaten enthielt das Traktat des 35-Jährigen demnach nicht.

Auch die Zeugen Jehovas, gegen die sich der Amoklauf richtete, werden in dem Buch dem Gutachter zufolge überhaupt nicht erwähnt. Es handle sich daher nicht um eine "Manifest", wie es andere Täter vor vergleichbaren Verbrechen schon hinterlassen hätten, sagte der Experte dem "Spiegel". Feststellungen zum psychischen Zustand enthält dessen Gutachten nicht.

Einige Wochen vor der Tat war bei der Hamburger Waffenbehörde ein anonymer Hinweis auf F. eingegangen, in dem unter anderem auch auf dessen über eine große Verkaufsplattform im Internet vertriebenes Buch verwiesen wurde. Eine Internetsuche von Beamten führte laut Behörden allerdings nicht zu dem Buch, bei einer waffenrechtlichen Zuverlässigkeitskontrolle in F.s Wohnung wurden darüber hinaus keine nennenswerten Verstöße festgestellt.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Xinhua: Mindestens 16 Tote und 32 Verletzte bei Erdbeben in Tibet

Bei dem schweren Erdbeben in der autonomen Region Tibet in China sind nach jüngsten offiziellen Angaben mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag (Ortszeit) unter Berufung auf örtliche Behörden berichtete, wurden weitere 32 Menschen bei dem Beben der Stärke 7,0 verletzt, mehr als 300 Häuser stürzten ein. Die Rettungsarbeiten dauerten demnach an, das Ausmaß der Schäden werde weiter ausgewertet.

"Rückkehr zur Ruhe": Demonstrationsverbote und weitere Einschränkungen in Frankreich

Mit Demonstrationsverboten und der Einschränkung geplanter Proteste am Samstag will Frankreich Ausschreitungen wie am vergangenen Wochenende verhindern. Oberstes Ziel sei eine "Rückkehr zur Ruhe", sagte Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag. Er kündigte neue Ausgangssperren an; zudem dürften nur von Gewerkschaften organisierte Kundgebungen stattfinden, sagte er. Die Gelbwesten-Bewegung, die zu den Organisatoren der Proteste zählt, kündigte ihren Widerstand an. In Paris bleiben der Louvre und andere Museen am Samstag geschlossen.

Vom IS im Niger entführte Schweizerin und Österreicherin zurück in der Heimat

2025 wurden sie im Niger von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) entführt - nun sind die Schweizerin Claudia Abt und die Österreicherin Eva Gretzmacher freigelassen worden und in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Die 69-jährige Schweizerin landete am Donnerstag am Flughafen Belp nahe Bern, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Das österreichische Außenministerium bestätigte die Landung der 76-jährigen Gretzmacher in Wien.

Justizminister: 217 Menschen nach Protesten am Wochenende in Frankreich inhaftiert

Nach den landesweiten Ausschreitungen am vergangenen Wochenende in Frankreich sind nach Regierungsangaben 217 Menschen inhaftiert worden. "Es handelt sich im Allgemeinen um Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die zum größten Teil den Justizbehörden nicht bekannt sind", sagte der französische Justizminister Gérald Darmanin am Donnerstag vor der Justizvollzugsanstalt in Fleury-Mérogis im Département Essonne.

Textgröße ändern: