Deutsche Tageszeitung - Zwei Frauen bei Messerangriff auf muslimisches Zentrum in Lissabon getötet

Zwei Frauen bei Messerangriff auf muslimisches Zentrum in Lissabon getötet


Zwei Frauen bei Messerangriff auf muslimisches Zentrum in Lissabon getötet
Zwei Frauen bei Messerangriff auf muslimisches Zentrum in Lissabon getötet / Foto: © AFP

Bei einem Messerangriff auf ein muslimisches Zentrum in Lissabon sind zwei Frauen getötet worden. Die portugiesische Polizei erklärte am Dienstag, der mutmaßliche Täter sei festgenommen worden. Zur Zahl der Verletzten gab es zunächst unterschiedliche Angaben. Laut Ministerpräsident António Costa deutet "alles darauf hin, dass es sich um einen Einzelfall handelt".

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Der Angriff ereignete sich in der Nähe des ismailitischen Zentrums in Lissabon. Die Ismailiten sind eine schiitische Religionsgemeinschaft. Die Beamten wurden am Vormittag zu dem Zentrum gerufen. Dort seien sie auf einen Mann getroffen, der mit einem "großen Messer bewaffnet" gewesen sei.

Die Polizei habe ihn aufgefordert, den Angriff zu beenden, was dieser ignoriert habe. Der Mann sei mit dem Messer in der Hand auf die Beamten zugegangen. Wegen der "ernsthaften und anhaltenden Bedrohung" hätten die Polizisten den Mann angeschossen. Nach Angaben der Polizei wurde der Verdächtige in ein Krankenhaus in der portugiesischen Hauptstadt gebracht. Er sei am Leben und in Gewahrsam.

Während die Polizei zunächst von "mehreren" Verletzten bei dem Angriff sprach, erklärte der Vorsitzende der portugiesischen ismailitischen Gemeinde, Rahim Firozali, dass neben den beiden getöteten Frauen ein Mensch verletzt worden sei. Zum Zeitpunkt des Angriffs seien Unterricht und "andere Aktivitäten, die dort normalerweise stattfinden", im Gange gewesen. Die Motive des Angreifers seien zunächst nicht bekannt gewesen.

"Wir wissen, dass er ein Afghane war, ein Flüchtling, der aus irgendeinem Grund in das Zentrum eingedrungen ist", sagte der Vorsitzende der Ismaili-Gemeinde in Lissabon, Nazim Ahmad, dem Fernsehsender SIC.

Der Präsident der afghanischen Gemeindevereinigung in Portugal, Omed Taeri, sagte, der Angreifer sei vor etwa einem Jahr nach Portugal gekommen und von dem ismailitischen Zentrum unterstützt worden. "Dieser Mensch hat seine Frau in Griechenland verloren und leidet wegen dieser Situation unter psychischen Problemen", sagte Taeri CNN Portugal. Der Afghane sei besorgt über seine Arbeitssituation und seine Kinder besorgt gewesen.

Die beiden getöteten Frauen waren Ahmad zufolge Mitarbeiterinnen des Zentrums. Portugiesische Medien berichteten, dass es sich bei einem Todesopfer um eine Lehrerin und bei dem anderen um eine Schülerin handele.

Portugals Ministerpräsident Costa sprach den Opfern und der ismailitischen Gemeinde seine Solidarität und sein Beileid aus. Es sei jedoch verfrüht, "diesen kriminellen Akt in irgendeiner Weise zu interpretieren".

Es gibt mehr als zwölf Millionen ismailitische Muslime in mehr als 25 Ländern. In Portugal gehören etwa 7000 Menschen der Religionsgemeinschaft an. Viele von ihnen flohen aus Mosambik nach Portugal während des 1992 beendeten Bürgerkriegs in der ehemaligen portugiesischen Kolonie.

Religiöse Gewalt ist in Portugal selten, seit Jahrzehnten hat es keinen größeren Terroranschlag in dem Land gegeben. Im Juli 1983 griffen fünf bewaffnete Armenier bei einem Selbstmordanschlag die türkische Botschaft in Lissabon an, wodurch neben den Angreifern auch zwei weitere Menschen getötet wurden.

(B.Izyumov--DTZ)

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