Deutsche Tageszeitung - Prozess um Missbrauch bei Schlafwandeln: Gericht verurteilt früheren Staatsanwalt

Prozess um Missbrauch bei Schlafwandeln: Gericht verurteilt früheren Staatsanwalt


Prozess um Missbrauch bei Schlafwandeln: Gericht verurteilt früheren Staatsanwalt
Prozess um Missbrauch bei Schlafwandeln: Gericht verurteilt früheren Staatsanwalt / Foto: © AFP/Archiv

In einem Prozess um sexuellen Kindesmissbrauch durch einen angeblich schlafwandelnden früheren Staatsanwalt hat das Landgericht Lübeck den Beschuldigten unter anderem wegen Vergewaltigung zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt. Die zuständige Kammer sah es nach Angaben eines Gerichtssprechers am Mittwoch als erwiesen an, dass der 52-Jährige 2019 nachts seinen eigenen Sohn missbraucht hatte. Von Schlafwandeln ging sie nicht aus.

Textgröße ändern:

Der Beschuldigte hatte sich während des vor rund zwei Wochen begonnenen Prozesses in der schleswig-holsteinischen Stadt nicht mehr zu den Vorwürfen geäußert. Bei den vorangegangenen Ermittlungen hatte er aber ausgesagt, die Tat als Schlafwandler und somit im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen zu haben. Die Klärung der Frage nahm deshalb in dem Verfahren viel Raum ein.

Das Gericht überzeugte die Argumentation angeblichen Schlafwandelns am Ende nicht. Laut Sprecher verwies die Kammer unter anderem auf den Tatablauf, der als eine Art mehrstufiges Geschehen mit Interaktion und Reaktion zu verstehen sei. Außerdem habe es aus dem persönlichen Umfeld des Angeklagten keine Schilderungen von vergleichbaren Vorfällen mit Schlafwandeln gegeben.

Das noch nicht rechtskräftige Urteil wich fundamental von den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung ab, die einen Freispruch gefordert hatten. Lediglich die Nebenklage, die den Sohn des Manns vertrat, sprach sich in dem Strafverfahren für eine Verurteilung aus.

Zugunsten des Beschuldigten berücksichtigte das Gericht nach Angaben des Sprechers, dass es sich bei dem Geschehen im März 2019 um eine isolierte einmalige Tat gehandelt hatte. Weder davor noch danach habe es weitere Vorfälle gegeben. Strafmildernd wirkte sich demnach auch eine rechtsstaatswidrige Verfahrensdauer von zweieinhalb Jahren aus, die der Angeklagte nicht zu verantworten habe. Vier Monate der Strafe gelten deshalb schon als verbüßt.

Der Fall hatte eine längere Vorgeschichte. Die Ermittlungen gegen den früher bei der Staatsanwaltschaft Lübeck tätigen Beschuldigten führte die Staatsanwaltschaft Kiel, die allerdings ebenso wie später auch die schleswig-holsteinische Generalstaatsanwaltschaft zunächst von einer Anklageerhebung absah. Das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht in Schleswig ging dann im Rahmen eines Klageerzwingungsverfahrens aber von einem hinreichenden Tatverdacht aus, weshalb es doch zum Prozess kam.

Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft hatte sich der Beschuldigte 2019 selbst angezeigt, nachdem er von Familienmitgliedern von seiner Tat erfahren haben wollte. Eigenen Angaben zufolge schlafwandelte er zur Tatzeit und hatte keine Erinnerung. Medienberichten zufolge reichte die Ehefrau des Angeklagten und Mutter des Kinds später die Scheidung ein. Es kam zur Trennung.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Toter in Treppenhaus in Mainz entdeckt - 41-Jähriger festgenommen

In Mainz haben Einsatzkräfte in einem Treppenhaus einen Toten entdeckt. Ein 41-Jähriger wurde festgenommen, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Demnach war der leblose Mann am Freitagmorgen im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses entdeckt worden. Rettungskräfte konnten nur noch den Tod feststellen. Aufgrund der Verletzungen und der Auffindesituation gehen die Ermittler von einem Tötungsdelikt aus.

Baden-Württemberg: Am Straßenrand liegender Mann verursacht Unfall

Ein wegen Kreislaufproblemen am Straßenrand liegender Mann hat in Baden-Württemberg einen Unfall mit vier Verletzten verursacht. Alle konnten vor Ort behandelt werden, wie die Polizei Mannheim am Montagabend mitteilte. Demnach bremste ein 53-Jähriger am Montag auf der Bundesstraße 3 zwischen Nußloch und Wiesloch ab, weil er einen vermeintlich bewusstlosen Menschen im Grünstreifen neben der Fahrbahn liegen sah.

Hamburger Prozess um Sprengung von Nord-Stream-Pipelines wird fortgesetzt

In Hamburg wird am Dienstag (09.30 Uhr) der Prozess um die Sprengung der Nord-Stream-Gaspipelines fortgesetzt. Das Gericht könnte über den Antrag der Verteidigung entscheiden, das Verfahren wegen eines gravierenden rechtsstaatlichen Verfahrenshindernisses einzustellen. Zunächst soll laut Gerichtsangaben aber nochmals der Vertreter der Bundesanwaltschaft die Gelegenheit erhalten, auf den Antrag der Verteidigung zu reagieren.

US-Demokraten fordern Sonderermittler zu Trumps Verbindungen zu Epstein

Acht Tage vor den US-Kongresswahlen haben Vertreter der oppositionellen Demokraten die Ernennung eines Sonderermittlers gefordert, um die Verbindungen von Präsident Donald Trump zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zu untersuchen. Der Sonderermittler solle nicht nur den Präsidenten, sondern "alle potenziellen Komplizen und Mitverschwörer Epsteins" unter die Lupe nehmen, schrieben die Vertreter der Demokraten im Justizausschuss des Repräsentantenhauses am Montag in einem 53-seitigen Bericht.

Textgröße ändern: