Deutsche Tageszeitung - Fünf Menschen sterben bundesweit durch Pyrotechnik - Großeinsätze in Silvesternacht

Fünf Menschen sterben bundesweit durch Pyrotechnik - Großeinsätze in Silvesternacht


Fünf Menschen sterben bundesweit durch Pyrotechnik - Großeinsätze in Silvesternacht
Fünf Menschen sterben bundesweit durch Pyrotechnik - Großeinsätze in Silvesternacht / Foto: © AFP

Der Umgang mit gefährlichem Feuerwerk hat in der Silvesternacht bundesweit fünf Menschen das Leben gekostet. In Sachsen starben zwei Männer bei Explosionen, weitere Tote gab es in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Hamburg zu beklagen. Zudem erlitten mehrere Menschen in Deutschland schwerste Verletzungen bis hin zum Verlust von Gliedmaßen. In vielen Fällen waren offenbar selbst gebaute oder illegal importierte Sprengkörper wie etwa die gefährlichen Kugelbomben im Spiel. Vielerorts wurden auch Einsatzkräfte mit Pyrotechnik angegriffen.

Textgröße ändern:

Diese Bilanz gab der politischen Debatte um ein Böllerverbot neuen Auftrieb. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) formulierte es am Mittwoch so: "Bundesweit fünf Tote, viele Schwerverletzte, Städte voller Müll und nicht zu vergessen der Horror, den die Tiere in dieser Nacht erleiden: Das alles zeigt den Wahnsinn der sinnlosen und gefährlichen Böllerei." Dies habe mit Tradition nichts mehr zu tun - "es gehört abgeschafft."

In der Stadt Geseke bei Paderborn starb ein 24-Jähriger beim Zünden eines Böllers. Aufgrund der schweren Explosion sei davon auszugehen, dass es sich um einen selbst gebauten Feuerwerkskörper gehandelt habe, teilte die Polizei mit.

Im sächsischen Oschatz starb nach Polizeiangaben ein 45-Jähriger, der mit einer großen Feuerwerksbombe hantierte, die nur mit behördlicher Erlaubnis hätte gekauft und abgebrannt werden dürfen. Ebenfalls in Sachsen kam ein 50-Jähriger ums Leben, als er in Hartha bei Döbeln eine Kugelbombe in einem Rohr zünden wollte. Er habe schwere Kopfverletzungen erlitten, sagte ein Polizeisprecher.

In Hamburg starb kurz nach Mitternacht ein 20-Jähriger, als er laut Polizei einen nicht zugelassenen Feuerwerkskörper zündete. Auch im brandenburgischen Kremmen starb ein Mann bei einer Pyrotechnik-Detonation. Der Unfall ereignete sich laut Polizei durch "unsachgemäßen Umgang".

Das Unfallkrankenhaus Berlin behandelte am Mittwoch nach eigenen Angaben 15 Schwerverletzte durch Pyrotechnik - sie erlitten zum Teil den Verlust einzelner Finger. Im bayerischen Landkreis Traunstein erlitt ein Mann bei einer Pyrotechbnik-Explosion schwerste Gesichtsverletzungen.

Aus vielen Städten Deutschlands berichteten die Sicherheitsbehörden am Mittwoch auch von gezielten Angriffen auf Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte. Allein in Berlin wurden laut Senat 30 Einsatzkräfte verletzt. Eine Einsatzkraft sei durch die Explosion von illegaler Pyrotechnik schwer verletzt worden. Die Berliner Polizei nahm in der Nacht rund 400 Menschen fest - in etwa so viele wie im Jahr zuvor.

Unruhig verlief die Nacht abermals in der Leipziger Innenstadt. Die Polizei registrierte bis zum Vormittag 31 Straftaten, wobei gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch und Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz dominierten. In dem als Linken-Hochburg geltenden Stadtteil Connewitz seien Einsatzkräfte aus Menschengruppen heraus mit Pyrotechnik beworfen worden, teilte die Polizei mit.

In Hamburg leitete die Polizei nach eigenen Angaben rund 120 Strafverfahren ein, es gab fünf Festnahmen und 22 Gewahrsamnahmen. Eine Polizeisprecherin sprach dennoch von einer "vergleichsweise ruhige Nacht mit silvestertypischem Einsatzgeschehen".

In Bonn schloss in der Nacht vier Jugendliche laut Polizei offenbar gezielt mit einer Silvesterrakete auf einen schlafenden Obdachlosen. Der Mann erlitt einen Schock, die Jugendlichen wurden in Gewahrsam genommen. In der Innenstadt von Saarbrücken erlitt eine 25-jährige Frau einen "schweren Schock" durch das "massive Abbrennen von Feuerwerk", wie die Polizei mitteilte. Sie musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) dankte den Einsatzkräften von Polizei, Rettungsdiensten und Feuerwehren für ihren Dienst in der Silvesternacht - und kündigte eine konsequente Bestrafung von Angriffen auf die Kräfte "mit aller Härte" an. Insgesamt hätten die Menschen aber "an den allermeisten Orten in Deutschland einen friedlichen und fröhlichen Start ins neue Jahr erlebt", erklärte Faeser.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft sprach am Mittwoch von Einsätzen "häufig unter Lebensgefahr". Die Taten müssten konsequent geahndet werden. Es habe sich in der Nacht erneut gezeigt, "dass es Gebiete gibt, in denen junge, hoch gewaltbereite junge Männer, viele mit Migrationshintergründen, die Herrschaft über den öffentlichen Raum für sich beanspruchen".

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verurteilte die Gewalt gegen Einsatzkräfte - "auch wenn das Ausmaß der Angriffe geringer als in anderen Jahren war".

Der Verband für Pyrotechnik kritisierte den florierenden Handel mit illegalem Feuerwerk und machte derartige Sprengkörper für die Verletzungen verantwortlich: Schuld daran trage die Politik, weil sie nicht entschieden genug gegen den illegalen Handel vorgehe.

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

Sachsen-Anhalt: Einziehung von Jagdschein bei AfD-Mitglied laut Gericht rechtens

Die Einziehung eines Jagdscheins und der Widerruf einer Waffenbesitzkarte bei zwei AfD-Mitgliedern ist aus Sicht des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Sachsen-Anhalt rechtens gewesen. Die Mitgliedschaft in dem vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt löse "die gesetzliche Regelvermutung der waffenrechtlichen Unzuverlässigkeit" aus, wie ein OVG-Sprecher am Montag in Magdeburg mitteilte. Die Beschwerden der beiden Mitglieder wurden am Freitag Verfahren um vorläufigen Rechtsschutz zurückgewiesen.

Drei Jahre Haft für Hebamme aus Niedersachsen nach tödlich verlaufener Hausgeburt

Mehr als 16 Jahre nach dem Tod eines ungeborenen Babys bei einer Hausgeburt ist eine Hebamme in Niedersachsen wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das entschied das Landgericht Verden nach Angaben einer Sprecherin am Montag. Es war der dritte Prozess gegen die Frau, nachdem diese zuvor zwei Mal erfolgreich am Bundesgerichtshof Revision gegen Verurteilungen in dem Fall eingelegt hatte.

19 Jahre alter Vermisstenfall in Bayern geklärt: 39-Jährige wurde getötet

Die Polizei in Bayern hat nach fast 20 Jahren den Cold Case der vermissten Kerstin Lee Langley aufgeklärt. Zwei Männer und eine Frau sollen die damals 39-Jährige im Jahr 2007 gemeinschaftlich getötet haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Regensburg mit. Einer der Männer wurde festgenommen, der zweite ist mittlerweile verstorben. Der Haftbefehl gegen die 56 Jahre alte Frau sei außer Vollzug gesetzt worden.

Nach tödlicher Messerattacke in Seniorenheim: Verletzte Frauen außer Lebensgefahr

Nach einer tödlichen Messerattacke in einem Seniorenheim in Nordrhein-Westfalen sind die beiden verletzten Bewohnerinnen außer Lebensgefahr. Die zunächst lebensgefährlich verletzte 83-Jährige und eine 81-Jährige, die schwere Verletzungen erlitten hatte, wurden am Wochenende operiert, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Coesfeld und Münster mitteilten. Ein 72-Jähriger soll am Freitag eine 86-jährige Mitbewohnerin getötet und die beiden anderen Frauen schwer verletzt haben.

Textgröße ändern: