Deutsche Tageszeitung - Faeser zum Tag gegen Rassismus: Deutschland ist ein Einwanderungsland

Faeser zum Tag gegen Rassismus: Deutschland ist ein Einwanderungsland


Faeser zum Tag gegen Rassismus: Deutschland ist ein Einwanderungsland
Faeser zum Tag gegen Rassismus: Deutschland ist ein Einwanderungsland / Foto: © AFP/Archiv

Vor dem Internationalen Tag gegen Rassismus an diesem Freitag hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) mehr Zusammenhalt und Respekt in der Gesellschaft angemahnt. Der "Spaltung unserer Gesellschaft in 'wir' und 'die'" müsse entgegengetreten werden, erklärte sie am Donnerstag. "Deutschland ist ein Einwanderungsland – und wird es bleiben." Verbände und Gewerkschaften riefen zu einer Stärkung der Zivilgesellschaft auf.

Textgröße ändern:

"Rechtspopulisten werden weiter versuchen, unser Land zu spalten. Die Antwort darauf kann nur sein: Mehr Zusammenhalt, mehr Respekt", forderte Faeser. Sie erinnerte daran, dass ohne die vielen Menschen mit Einwanderungsgeschichte "in Krankenhäusern, in der Pflege, in Wissenschaft und Forschung und in Handwerk und Industrie kaum mehr etwas ginge". Neben starken Sicherheitsbehörden, Prävention und politischer Bildung brauche es im Kampf gegen Rassismus zugleich "die Kraft unserer gesamten Gesellschaft", um Betroffene zu schützen.

Die kirchlichen Hilfswerke Diakonie Deutschland, Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe forderten politische Schritte, um das zivilgesellschaftliche Engagement gegen Rassismus, Hass und Diskriminierung zu stärken. Die Hilfswerke verwiesen auf den seit Jahren zu beobachtenden Anstieg der Zahl fremdenfeindlicher sowie rechtsextremer Straf- und Gewalttaten in Deutschland. So seien laut Angaben der Bundesregierung 2024 vorläufig mehr als 41.400 solcher Fälle registriert worden, verglichen mit 28.945 Fällen im Vorjahr. Gewarnt wurde auch, dass nationalistische und menschenverachtende Rhetorik weltweit zunehme.

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Rüdiger Schuch, kritisierte in diesem Zusammenhang, dass das von der Ampel-Koalition eigentlich geplante Demokratiefördergesetz nicht verabschiedet wurde. Er forderte die künftige Bundesregierung auf, nun eine solche Gesetzesinitiative auf den Weg zu bringen, um so auch "einen wirksamen Beitrag gegen Rassismus und Diskriminierung zu leisten".

Von einem "akuten Handlungsbedarf" gegen Rassismus in Deutschland sprach die Geschäftsführerin der Initiative "Gesicht zeigen!", Sophia Oppermann. "Die stetige Verschiebung des politischen Diskurses in Richtung rechtsextremer Ideologie führt zu einer Entmenschlichung in der Sprache. Und aus aggressiver Sprache werden aggressive Taten", warnte sie. Als ausländisch wahrgenommene Menschen in Deutschland fühlten sich deswegen zunehmend unsicher. Oppermann kritisierte, dass im Wahlkampf auch aus sogenannten bürgerlichen Parteien vielfach "rassistische Parolen und Forderungen" gekommen seien, nicht nur von rechts außen.

Eingewanderte Menschen müssten als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft anerkannt werden, forderte ihrerseits die Gewerkschaft Verdi. "Nach einem scharf geführten Wahlkampf, der vielfach auf dem Rücken von Migrantinnen und Migranten ausgetragen wurde, kommt es jetzt darauf an, die Polarisierung zu beenden und Integration, Teilhabe und Demokratiearbeit miteinander so zu verschränken", erklärte Verdi-Migrationsexpertin Rebecca Liebig. Kritik übte die Gewerkschaft an dem Vorhaben von Union und SPD, den Familiennachzug für viele Geflüchtete auszusetzen.

"Die Menschenwürde ist unantastbar – das ist ein fundamentaler Grundsatz unseres Zusammenlebens", mahnte der Zentralrat der Muslime. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spaltung und rassistischer Anfeindungen "ist es unsere Pflicht, für diese Werte einzutreten und Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen", betonte der ZMD-Vorsitzende Abdassamad El Yazidi. "Unsere Demokratie und unsere Werte werden von verschiedenen Seiten angegriffen. Es liegt an uns, sie entschlossen zu verteidigen."

Der Internationale Tag gegen Rassismus wurde 1966 von den Vereinten Nationen ausgerufen. Er erinnert an das Massaker von Sharpeville in Südafrika, wo am 21. März 1960 bei Demonstrationen gegen das rassistische Apartheid-System 69 Menschen von der Polizei erschossen und Hunderte verletzt worden waren.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Millionendiebstahl aus Schließfächern in Berlin: Weiterer Mittäter verurteilt

Vier Jahre nach einem spektakulären Diebstahl von Schmuck, Uhren und Bargeld in Millionenhöhe aus einer Schließfachanlage in Berlin ist ein weiterer Mittäter zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Berlin sprach den 38-Jährigen am Montag des Diebstahls mit Waffen schuldig. Außerdem ordnete es die Einziehung von Taterträgen in Höhe von 60.000 Euro an.

Zahl unerlaubter Einreisen im September weiter gesunken

Die Zahl unerlaubter Einreisen an den deutschen Grenzen ist im September weiter gesunken. Wie die Bundespolizei am Montag in Potsdam mitteilte, versuchten im vergangenen Monat 3268 Menschen, ohne gültige Papiere nach Deutschland einzureisen. Dies waren rund 23 Prozent weniger als im August und 34 Prozent weniger als im September 2025. Es ist zudem der niedrigste Stand seit über fünf Jahren: Geringere Werte gab es zum letzten Mal 2021.

Iran-Sanktionen: Hotel darf nicht mit eingefrorenen Geldern weiterbetrieben werden

Wegen der Iran-Sanktionen eingefrorene Gelder eines Luxushotels bei Frankfurt am Main dürfen einem Gerichtsbeschluss zufolge nicht für den Weiterbetrieb des Hauses verwendet werden. Das entschied das Verwaltungsgericht Köln am Freitag und wies damit einen Eilantrag des Insolvenzverwalter ab, wie eine Gerichtssprecherin am Montag mitteilte.

Nürnberg: 17-Jähriger Rollerfahrer stirbt nach Zusammenstoß mit Linienbus

In Nürnberg ist ein 17-jähriger Rollerfahrer bei einem Zusammenstoß mit einem Linienbus ums Leben gekommen. Der Jugendliche war am Sonntagabend im Stadtgebiet unterwegs und hatte ein 16-jähriges Mädchen auf dem Motorroller mit dabei, wie die Polizei in der Nacht zum Montag mitteilte. Als der entgegenkommende Bus abbiegen wollte, kam es aus zunächst unklarer Ursache zum Zusammenstoß.

Textgröße ändern: