Deutsche Tageszeitung - Französische Justiz ermittelt zu Tanker der russischen Schattenflotte

Französische Justiz ermittelt zu Tanker der russischen Schattenflotte


Französische Justiz ermittelt zu Tanker der russischen Schattenflotte
Französische Justiz ermittelt zu Tanker der russischen Schattenflotte / Foto: © AFP

Die französische Justiz hat Ermittlungen zu einem Öltanker eingeleitet, der zur russischen Schattenflotte zählt und als Startplattform für die über Dänemark gesichteten Drohnen gedient haben könnte. Es werde wegen eines "fehlenden Nachweises der Nationalität" und der "Weigerung, einer Anweisung zu folgen" ermittelt, sagte der Staatsanwalt von Brest, Stéphane Kellenberger, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Die französische Marine habe den Öltanker angezeigt.

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begrüßte die Ermittlungen. Die Präsenz des Tankers belege "das Phänomen, das wir seit langem kritisieren und mit Sanktionen belegen", sagte Macron am Rande des informellen EU-Gipfels in Kopenhagen. "Die Schattenflotte (...) finanziert schätzungsweise 40 Prozent der russischen Kriegsanstrengungen", sagte er. Die Besatzung des Schiffes habe "schwere Fehler" begangen, fügte Macron hinzu, ohne nähere Angaben zu machen.

Das Schiff, das häufig die Flagge und den Namen gewechselt hat, steht seit Februar auf der Sanktionsliste der EU. Als Schattenflotte werden die zahlreichen oft veralteten und unter fremder Flagge fahrenden Schiffe bezeichnet, mit denen Russland die im Zuge des Ukraine-Kriegs verhängten Sanktionen umgeht, insbesondere das Öl-Embargo.

Das Fachmagazin "The Maritime Executive" vermutet darüber hinaus, dass das derzeit unter der Flagge von Benin stehende Schiff als "Startplattform" für die Drohnen gedient haben könnte, die in der Nacht zum 22. September den dänischen Flugverkehr gestört hatten.

Der 244 Meter lange Tanker, der zuletzt "Pushpa" oder "Boracay" hieß, hatte Mitte September in der Nähe von St. Petersburg abgelegt und hätte nach Indien fahren sollen. Nach Angaben von "The Maritime Executive" hielt es sich anschließend jedoch nahe der dänischen Küste auf.

Wegen des Überflugs von Drohnen war der Flughafen von Kopenhagen am 22. September für einige Stunden gesperrt worden. Weitere Flughäfen und Militärstützpunkte wurden später ebenfalls von Drohnen überflogen. Nach Angaben der dänischen Polizei konnten die Urheber der Vorfälle nicht ausgemacht werden.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte dazu in einer Videobotschaft, dass nur ein einziges Land "eine Bedrohung für die Sicherheit Europas darstellt - und das ist Russland". Moskau wies die Vorwürfe zurück.

Russland wird auch für einen Drohnenvorfall im polnischen Luftraum am 10. September verantwortlich gemacht, der zum Einsatz von Nato-Kampfjets führte. Angesichts der russischen Bedrohung will die EU nun einen "Drohnenwall" an ihrer Ostflanke errichten.

(I.Beryonev--DTZ)

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