Deutsche Tageszeitung - Nord-Stream-Anschlag: In Polen gefasster Verdächtiger in U-Haft genommen

Nord-Stream-Anschlag: In Polen gefasster Verdächtiger in U-Haft genommen


Nord-Stream-Anschlag: In Polen gefasster Verdächtiger in U-Haft genommen
Nord-Stream-Anschlag: In Polen gefasster Verdächtiger in U-Haft genommen / Foto: © AFP

Der im Zuge der Ermittlungen zu dem Sprengstoffanschlag auf die Nord-Stream-Pipelines vor drei Jahren in Polen festgenommene ukrainische Tatverdächtige ist nach Angaben seines Anwalts in Untersuchungshaft genommen worden. Die Haftzeit sei auf sieben Tage angesetzt worden, sagte Anwalt Tymoteusz Paprocki am Mittwoch in Warschau. Der Verdächtige Wolodymyr Z. war am Dienstag auf Grundlage eines in Deutschland ausgestellten, europäischen Haftbefehls von polnischen Polizisten festgenommen worden.

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Anwalt Paprocki kündigte Berufung gegen die Untersuchungshaft an. "Ich akzeptiere diese Entscheidung nicht", sagte er. Nach Angaben des Anwalts wohnt sein Mandant seit dreieinhalb Jahren in Polen und hat einen gültigen Aufenthaltstitel.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Warschau hat die polnische Justiz 100 Tage Zeit, um über eine Überstellung des Mannes nach Deutschland zu entscheiden. In Deutschland drohten Z. bis zu 15 Jahre Haft, sagte Behördensprecher Piotr Skiba am Dienstag.

Der Ukrainer war am Dienstagmorgen im südwestlich von Warschau gelegenen Pruszkow festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, verfassungsfeindliche Sabotage sowie die Zerstörung von Bauwerken vor. Der Beschuldigte soll nach einer Überstellung aus Polen dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) vorgeführt werden.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft gehörte Z. "zu einer Gruppe von Personen, die im September 2022 nahe der Insel Bornholm Sprengsätze an den Gaspipelines 'Nord Stream 1' und 'Nord Stream 2' platzierte". Der Beschuldigte sei "ausgebildeter Taucher" und habe sich an den für den Anschlag "erforderlichen Tauchgängen" beteiligt.

Im August hatte die Bundesanwaltschaft bereits die Festnahme eines Ukrainers in Italien erwirkt, der ebenfalls an der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines beteiligt gewesen sein soll. Der Beschuldigte Serhii K. soll laut der Bundesanwaltschaft der Koordinator des Sabotage-Kommandos gewesen sein. Mitte September ordnete ein italienisches Gericht seine Auslieferung nach Deutschland an. K. wehrt sich gerichtlich dagegen.

Die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee waren für den Transport von russischem Gas nach Deutschland gebaut worden. Am 26. September 2022 - sieben Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine - wurden sie durch Sprengsätze schwer beschädigt. Die deutschen Ermittler gehen davon aus, dass eine ukrainische Gruppe bestehend aus mehreren Männern und einer Frau für die Explosionen an den Pipelines verantwortlich war.

Die Pipelines waren zum Zeitpunkt des Anschlags nicht in Betrieb. Russland hatte die Gaslieferungen über Nord Stream 1 kurz zuvor gestoppt, mutmaßlich als Reaktion auf die westlichen Sanktionen wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine. Nord Stream 2 war nie in Betrieb gegangen.

(A.Stefanowych--DTZ)

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