Deutsche Tageszeitung - Anschlag am Jom-Kippur-Feiertag: Zwei Menschen vor Synagoge in Manchester getötet

Anschlag am Jom-Kippur-Feiertag: Zwei Menschen vor Synagoge in Manchester getötet


Anschlag am Jom-Kippur-Feiertag: Zwei Menschen vor Synagoge in Manchester getötet
Anschlag am Jom-Kippur-Feiertag: Zwei Menschen vor Synagoge in Manchester getötet / Foto: © AFP

Tödlicher Anschlag vor einer Synagoge im britischen Manchester am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur: Ein Angreifer hat am Donnerstag nach Polizeiangaben vor dem Gotteshaus zwei Menschen getötet und vier weitere schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde von Polizisten erschossen. Die Polizei stufte den Angriff als "terroristisch" ein. Nach ihren Angaben wurden zwei Menschen festgenommen. Der britische Premierminister Keir Starmer und König Charles II. reagierten schockiert auf den Anschlag.

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Der Täter war nach Angaben der Polizei am Morgen vor der Synagoge Heaton Park im Stadtteil Crumpsall mit einem Wagen direkt in Menschen hineingefahren. Außerdem stach er laut Augenzeugenberichten mit einem Messer um sich. Vor dem Gotteshaus stationierte Polizisten erschossen den mutmaßlichen Täter, über den die Polizei zunächst keine Informationen veröffentlichte. Auch zu den zwei später Festgenommenen machte sie zunächst keine Angaben.

Zum Zeitpunkt des Anschlags war die Synagoge wegen des Feiertags Jom Kippur bis auf den letzten Platz besetzt. Der Anti-Terror-Verantwortliche der Londoner Polizei, Laurence Taylor, teilte mit, das Verbrechen sei als "terroristischer Vorfall" eingestuft worden.

Nach Angaben des Polizeipräsidenten von Manchester, Stephen Watson, trug der mutmaßliche Täter eine Weste, die so aussah, als enthielte sie Sprengstoff. In Reaktion auf den Anschlag hatte die Polizei den nationalen Einsatzplan zur Terrorismusbekämpfung aktiviert.

Laut Watson wurde der mutmaßliche Täter sieben Minuten nach dem ersten Alarmanruf von 09.30 Ortszeit (10.30 Uhr MESZ) von den tödlichen Polizeikugeln getroffen. Zwei Mitglieder der jüdischen Gemeinde seien getötet worden, vier weitere Menschen lägen´mit "schweren Verletzungen" im Krankenhaus. In vorherigen Angaben der Polizei war noch von drei Verletzten die Rede gewesen.

Ein Augenzeuge mit dem Vornamen Gareth sagte dem britischen Sender BBC, er habe gesehen, wie die Polizei auf einen Mann geschossen habe. "Sie haben ihn mehrfach gewarnt, aber er hat nicht darauf gehört", sagte er.

Die Polizeiarbeit am Tatort wurde offensichtlich durch das mögliche Vorhandenseins von Sprengstoff verzögert. Experten zur Bombenentschärfung waren vor Ort. Der Anti-Terrorismus-Beamte Taylor sagte, die Polizei meine, die Identität des mutmaßlichen Attentäters zu kennen, könne diese aber "aus Sicherheitsgründen am Tatort" noch nicht bestätigen. Wegen "verdächtiger Objekte" am Körper des Verdächtigen war dessen Tod auch erst mit einigen Stunden Verzögerung bestätigt worden.

Premierminister Starmer zeigte sich "entsetzt" über den Anschlag. Dass er sich an Jom Kippur ereignete, mache ihn "noch furchtbarer", erklärte Starmer im Onlinedienst X. Er brach seine Teilnahme an einem Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Kopenhagen ab. Vor seinem Rückflug kündigte er eine erhöhte Polizeipräsenz vor allen Synagogen in Großbritannien an. Es werde alles getan, "um unsere jüdische Gemeinschaft zu schützen".

Charles III. erklärte, er und Königin Camilla seien "zutiefst schockiert und traurig über den furchtbaren Angriff in Manchester, besonders an so einem bedeutenden Tag für die jüdische Gemeinschaft".

Der israelische Außenminister Gideon Saar zeigte sich "bestürzt". Er erklärte im Onlinedienst X: "Die Wahrheit muss gesagt werden: Offene und unkontrollierte anti-semitische und anti-israelische Hetze, genauso wie Aufrufe zur Unterstützung von Terrorismus, sind in jüngster Zeit ein weit verbreitetes Phänomen auf den Straßen von London geworden, in den Städten überall in Großbritannien, und an den Unis."

Manchester hat eine der größten jüdischen Gemeinden im Vereinigten Königreich. Nach Angaben des Institute for Jewish Policy Research lebten im Jahr 2021 mehr als 28.000 Jüdinnen und Juden in der nordwestenglischen Stadt.

Auch die Europäische Union reagierte stark betroffen auf den Anschlag. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nannte ihn auf X "absolut entsetzlich" und erklärte: "Hass, Antisemitismus und Gewalt haben keinen Platz in unserer Gesellschaft". Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, der Antisemitismus müsse weiterhin "in allen seinen Formen" bekämpft werden.

Der Anschlag ereignete sich wenige Tage vor dem zweiten Jahrestag des Angriffs der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel, der den Gaza-Krieg ausgelöst hatte. Bei dem Hamas-Überfall waren nach israelischen Angaben 1219 Menschen getötet worden. 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Seither geht die israelische Armee massiv militärische im Gazastreifen vor. Nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums wurden mehr als 66.000 Palästinenser getötet.

Der Angriff in Manchester erinnert an den Anschlag auf die Synagoge von Halle vor sechs Jahren. Der Rechtsextremist Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019, ebenfalls an Jom Kippur, versucht, das Gotteshaus zu stürmen und die dort versammelten 52 Gemeindemitglieder zu töten. Das scheiterte an der gesicherten Eingangstür und Ladehemmungen seiner selbstgebauten Waffen.

Unmittelbar danach erschoss der Attentäter eine Passantin auf der Straße und einen jungen Mann in einem Dönerimbiss. 2020 wurde B. zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

(W.Uljanov--DTZ)

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