Deutsche Tageszeitung - Womöglich doch Mord: Tötung von Tunesier in Baden-Württemberg wird neu aufgerollt

Womöglich doch Mord: Tötung von Tunesier in Baden-Württemberg wird neu aufgerollt


Womöglich doch Mord: Tötung von Tunesier in Baden-Württemberg wird neu aufgerollt
Womöglich doch Mord: Tötung von Tunesier in Baden-Württemberg wird neu aufgerollt / Foto: © AFP/Archiv

Zwei Jahre nach der Tötung eines tunesischen Geflüchteten in Baden-Württemberg wird der Fall neu aufgerollt. Das Landgericht Waldshut-Tiengen muss erneut herausfinden, was genau passierte und ob es doch Mord war, wie der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Dienstag entschied. Leichenteile des Opfers waren knapp vier Monate nach der Tat von einem Taucher im Rhein entdeckt worden. (Az. 1 StR 216/25)

Textgröße ändern:

Es begannen Ermittlungen. Schließlich stellte sich der spätere Angeklagte und gestand, den Tunesier getötet zu haben. Erst gab er an, in Notwehr gehandelt zu haben, änderte seine Aussage aber später. Der Prozess gegen ihn begann im Oktober 2024, im November 2024 fiel das Urteil gegen den damals 58-Jährigen.

Das Landgericht stellte fest, dass er sein Opfer am 23. Dezember 2023 in dessen Unterkunft im Ort Rickenbach mit zwei Schüssen getötet habe. Davor habe der Tunesier ihn beschimpft. Über die Weihnachtsfeiertage habe der 58-Jährige die Leiche mit einer Machete zerstückelt, die Teile mit Maschendraht umwickelt und in den Rhein geworfen.

Mordmerkmale sah das Landgericht nicht - das Opfer sei nicht arg- und wehrlos gewesen, und es sei auch nicht sicher, dass die Abneigung des Angeklagten gegen Migranten das letztmalige Tatmotiv gewesen sei. Es verurteilte ihn wegen Totschlags und verhängte eine Haftstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten.

Die Schwester des Opfers wandte sich an den BGH, um eine Verurteilung wegen Mordes zu erreichen. Dieser hob das Urteil des Landgerichts nun komplett auf. Es muss neue Feststellungen treffen, neu verhandeln und entscheiden.

Denn es machte Rechtsfehler, als es das Mordmerkmal Heimtücke verneinte, wie der BGH feststellte. Bei der Prüfung habe das Landgericht auf den Streit vor der Tat abgestellt, als der Angeklagte noch keinen Tötungsvorsatz gehabt habe. Das sei aber der falsche zeitliche Anknüpfungspunkt. Entscheidend sei vielmehr der Beginn des ersten Angriffs.

Den bisherigen Feststellungen zufolge hatte der Tunesier offenbar nicht damit gerechnet. So ging er demnach in seine Wohnung zurück, drehte dem Angeklagten dabei den Rücken zu, schloss die Tür nicht und bewaffnete sich auch nicht. Da der Fall komplett neu aufgerollt wird, muss sich das Landgericht auch mit der Frage befassen, ob der mutmaßliche Täter aus rassistischen Motiven handelte.

(L.Svenson--DTZ)

Empfohlen

Weltkriegsbomben in Hannover entschärft: 17.500 Anwohner vorübergehend evakuiert

In Hannover sind zwei Weltkriegsbomben erfolgreich entschärft worden. Rund 17.500 Menschen mussten deswegen am Sonntag vorübergehend ihre Häuser und Wohnungen im Stadtteil Misburg-Nord verlassen, wie die Behörden in der niedersächsischen Landeshauptstadt mitteilten. Am frühen Abend gab die Stadt Entwarnung, die Bewohner konnten in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren.

Feuer auf Campingplatz am Gardasee - Vier Feuerwehrleute aus Hessen helfen löschen

Im Urlaub in Norditalien haben vier Feuerwehrleute aus Hessen ihre ständige Einsatzbereitschaft bewiesen: Sie halfen am Sonntag beim Löschen eines großen Feuers auf einem Campingplatz am Gardasee. Örtliche Feuerwehr und Behörden machten unterschiedliche Angaben zur Zahl der Verletzten.

Kleinflugzeug in Baden-Württemberg abgestürzt: Zwei Tote

Beim Absturz eines Kleinflugzeuges sind in Baden-Württemberg zwei Menschen ums Leben gekommen. Das Flugzeug stürzte nach Angaben einer Sprecherin des Polizeipräsidiums Heilbronn am Sonntag in nahe eines kleinen Flugplatzes gelegene Weinberge bei Gundelsheim und ging in Flammen auf.

"Ein Held für die ganze Welt": Netanjahu lädt Piloten des Flydubai-Flugs zu Nationalfeiertag ein

"Sie sind ein Held für die ganze Welt": Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat den indischen Piloten der Flydubai-Maschine für seine Rolle bei der Vereitelung eines mutmaßlichen Anschlags gerühmt. Auch trug er dem Piloten des vorwiegend mit israelischen Passagieren besetzten Flugzeugs eine außergewöhnliche Ehre an: Smit Machchhar solle im kommenden Mai die Fackel zum israelischen Nationalfeiertag entzünden, sagte Netanjahu in einem am Samstag veröffentlichten Video.

Textgröße ändern: