Deutsche Tageszeitung - Infrastrukturgesetz: Lob aus Wirtschaft - Kritik von Umweltschützern

Infrastrukturgesetz: Lob aus Wirtschaft - Kritik von Umweltschützern


Infrastrukturgesetz: Lob aus Wirtschaft - Kritik von Umweltschützern
Infrastrukturgesetz: Lob aus Wirtschaft - Kritik von Umweltschützern / Foto: © AFP/Archiv

Das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Gesetz zur Beschleunigung großer Bauvorhaben stößt vor dem Bundestagsvotum auf Zustimmung in der Wirtschaft. "In ganz Deutschland leiden Unternehmen unter maroden Brücken, Staus und fehlenden Kapazitäten auf der Straße, der Schiene oder dem Wasser", sagte die Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Helena Melnikov, der "Rheinischen Post". Umweltschützer protestieren hingegen gegen das Vorhaben.

Textgröße ändern:

Das sogenannte Infrastruktur-Zukunftsgesetz war von der schwarz-roten Regierungskoalition bereits im Dezember beschlossen worden, am Freitagmorgen steht nach einstündiger Debatte nun die Bundestagsabstimmung an. Das geplante Gesetz zielt darauf ab, die Effizienz von Planungs- und Genehmigungsverfahren zu steigern, besonders im Verkehrs- und Energiebereich. Zentral ist dabei auch, dass wesentliche Verkehrsinfrastrukturen künftig im "überragenden öffentlichen Interesse" liegen sollen.

Die Bundesregierung argumentiert in ihrem Gesetzesentwurf, dass der Zustand vieler Straßen, Brücken, Schienen und Wasserstraßen modernisierungsbedürftig sei, dringend notwendige Sanierungen oder Neubauten jedoch durch "langwierige Prozesse und Verfahren" verzögert würden. Dies wirke sich "zunehmend negativ" auf Wachstum und Wohlstand aus - aber auch auf die "gesamtstaatliche Handlungsfähigkeit".

Die DIHK hält das Gesetz angesichts maroder Brücken und Staus auf deutschen Straßen für überfällig. Zudem sei es auch eine zentrale Voraussetzung dafür, "dass die 300 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen schneller dort ankommen, wo sie gebraucht werden: in konkreten Projekten vor Ort", wie Hauptgeschäftsführerin Melnikov der "Rheinischen Post" vom Donnerstag sagte.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte dagegen davor, großen Bauvorhaben Vorrang einzuräumen und so den Naturschutz auszuhöhlen. Es sei "schockierend", dass mit dem Gesetz die Wiederherstellung natürlicher Lebensgrundlagen dem Ausbau von Infrastruktur untergeordnet werden solle, kritisierte Greenpeace-Vorstand Martin Kaiser. "Wer in Zeiten zunehmender Dürre und Hitze den Schutz von Wäldern und Mooren zurückdrängt, baut die natürliche Klimaanlage unseres Landes ab", erklärte er. Das Infrastrukturgesetz müsse deshalb "von einem starken Gesetz zur Stärkung der natürlichen Infrastruktur flankiert werden".

Aktivisten der Organisation Robin Wood protestierten am Donnerstag in Berlin gegen das Gesetz und forderten, statt Straßenprojekten vielmehr die Erhaltung von Mooren in das "überragende öffentliche Interesse" zu stellen. Statt des Neubaus von Autobahnen sei es nötig, "die Schieneninfrastruktur schneller auszubauen und mit der Sanierung von Brücken und Straßen voran zu kommen", erklärte Mobilitätsreferentin Annika Fuchs zudem.

Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) bezeichnete das Anliegen des Infrastruktur-Zukunftsgesetzes grundsätzlich als "lobenswert". Wenn allerdings über das "überragende öffentliche Interesse" Umweltprüfungen ausgehebelt würden, "ohne dass an anderer Stelle ein tragfähiges System zusammenhängender Ausgleichsflächen geschaffen wird, ist das ein Geschwindigkeitsgewinn zu Lasten der Umwelt", erklärte BNW-Geschäftsführerin Katharina Reuter.

(L.Svenson--DTZ)

Empfohlen

Bundestag wählt Juristen Hennemann zum neuen Bundesdatenschutzbeauftragten

Der Bundestag hat den Freiburger Rechtswissenschaftler Moritz Hennemann zum neuen Bundesbeauftragten für Datenschutz gewählt. Hennemann erhielt am Donnerstag klar die notwendige Kanzlermehrheit, also die Stimmen von mehr als der Hälfte der Mitglieder des Bundestags. Gegenkandidaten gab es nicht. Der 41-Jährige soll zum 1. Oktober sein Amt antreten und wäre dann für fünf Jahre Deutschlands oberster Datenschützer.

600 Ferkel ohne Wasser: Autobahnpolizei stoppt Tiertransport bei Hitze in Bayern

Die Autobahnpolizei hat auf der A8 in Bayern einen Tiertransport mit 600 Ferkeln gestoppt. Die Wassertränken der Tiere waren in der Hitze schon leer, wie die Polizei in Augsburg am Donnerstag mitteilte. Die Beamten wiesen den Fahrer demnach an, den Transporter an einem schattigen Platz abzustellen, und riefen die Feuerwehr.

Oberstes US-Gericht entscheidet zugunsten von Bayer im Glyphosat-Streit

Im jahrelangen Streit um gesundheitliche Folgen des Pflanzenschutzmittels Glyphosat hat der Oberste Gerichtshof der USA zugunsten des Bayer-Konzerns aus Leverkusen entschieden. Bundesweite Warnhinweise in den USA hätten Vorrang vor solchen der Bundesstaaten, hieß es in dem am Donnerstag in Washington veröffentlichten Urteil. Bayer begrüßte die Entscheidung und erklärte, dadurch dürften "aktuelle Klagen abgewiesen und mögliche künftige Klagen verhindert werden – soweit sie auf angeblich fehlenden Warnhinweisen beruhen".

Erdbeben erschüttern Venezuela - Dutzende Todesopfer und schwere Schäden

Nach den schwersten Erdbeben in Venezuela seit mehr als 125 Jahren läuft die internationale Hilfe für das schwer getroffene Land an. Mehrere Länder kündigten die rasche Entsendung von Rettungskräften an, um in den Trümmern eingestürzter Häuser nach Verschütteten zu suchen. Bis Donnerstagmorgen wurden nach den Worten der venezolanischen Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez 164 Todesopfer geborgen, mehr als 970 weitere Menschen wurden verletzt. Das genaue Ausmaß der Katastrophe war auch einen halben Tag nach dem Unglück weiter unklar.

Textgröße ändern: