Deutsche Tageszeitung - EU-Behörden raten über 60-Jährigen zu zweiter Corona-Auffrischungsimpfung

EU-Behörden raten über 60-Jährigen zu zweiter Corona-Auffrischungsimpfung


EU-Behörden raten über 60-Jährigen zu zweiter Corona-Auffrischungsimpfung
EU-Behörden raten über 60-Jährigen zu zweiter Corona-Auffrischungsimpfung / Foto: © AFP/Archiv

Die EU rät Menschen über 60 Jahren dringend zu einer zweiten Corona-Auffrischungsimpfung. "Angesichts des erneuten Anstiegs der Fälle und Krankenhauseinweisungen mit Beginn des Sommers fordere ich alle auf, sich so schnell wie möglich impfen und boostern zu lassen", erklärte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Montag laut einer Mitteilung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC und der EU-Arzneimittelbehörde EMA. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nannte die EU-Empfehlung "sinnvoll und überfällig".

Textgröße ändern:

"Wir haben keine Zeit zu verlieren", warnte Kyriakides mit Blick auf die Corona-Welle. Sie forderte die EU-Mitgliedstaaten auf, "sofort zweite Booster-Impfungen" für Menschen ab 60 und andere gesundheitlich gefährdete Menschen bereitzustellen. Im April hatten die EU-Behörden bereits eine zweite Auffrischung für über 80-Jährige empfohlen.

Es gebe insbesondere wegen der Omikron-Subvariante BA.5 "einen zunehmenden Trend" bei den Einweisungen und Belegungen in Krankenhäusern sowie Intensivstationen in mehreren Ländern, erklärte ECDC-Direktorin Andrea Ammon. "Dies signalisiert den Beginn einer neuen, weit verbreiteten Corona-Welle in der Europäischen Union."

Für gesundheitlich nicht gefährdete Menschen unter 60 sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen und der Pflege sehen die EU-Behörden derzeit keine Notwendigkeit für eine zweite Auffrischungsimpfung.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) bislang eine zweite Booster-Impfung für Menschen ab 70 Jahren, Risikopatienten sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Beschäftigte im medizinischen Bereich und in Pflegeeinrichtungen.

Bundesgesundheitsminister Lauterbach unterstützte die EU-Empfehlung vom Montag jedoch. "Es gibt genug Impfstoff und die Fallzahlen sind hoch", hob er im Onlinedienst Twitter hervor. "Warten auf angepasste Impfstoffe dauert zu lange und ist zu riskant."

Zuvor hatte ein Sprecher von Lauterbachs Ministerium gesagt, er gehe davon aus, dass die Stiko sich der EU-Empfehlung nicht direkt anschließen werde. Die Stiko arbeite unabhängig, betonte er. Da jedoch noch nicht klar sei, welche Virusvarianten im Herbst auftreten und inwieweit die Impfstoffe dagegen wirksam sind, werde vermutlich "noch ein bisschen abgewartet", bis "mehr Klarheit" besteht. Grundsätzlich könnten sich aber auch jetzt schon unter 70-Jährige boostern lassen, fügte der Ministeriumssprecher hinzu.

Die Sommer 2020 und 2021 hatten den Menschen in Europa in der Pandemie eine Verschnaufpause verschafft. Diesen Sommer sieht die Lage wegen der leichten Übertragbarkeit der Omikron-Variante des Coronavirus jedoch anders aus: Seit Ende Mai ist die Zahl der Corona-Fälle nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den meisten europäischen Ländern stark angestiegen. Die WHO hatte bereits Ende Juni gewarnt, dass in diesem Sommer auf dem gesamten Kontinent wegen der ansteckenderen Virus-Subvariante BA.5 mit hohen Fallzahlen zu rechnen sei.

Die höchste Inzidenz verzeichnet laut WHO derzeit Zypern, gefolgt von Frankreich, Griechenland, Italien, Luxemburg und Österreich. In Deutschland lag die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Montag bei 661,4 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern.

Der Deutsche Hausärzteverband hatte die Bundesregierung am Freitag zu einer neuen Impfkampagne im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgerufen. Gebraucht werde "eine positive Impfkampagne - nicht nur für die vierte Impfung, sondern auch um die Impflücken bei der ersten und der dritten Impfung zu schließen", sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

Zahl der Herzinfarkte sinkt - Bei Frauen oft spät erkannt

Die Zahl der Herzinfarkte in Deutschland sinkt. Der Anteil betroffener Männer ging zwischen 2014 und 2024 um 18,5 Prozent zurück, wie die Krankenkasse KKH am Mittwoch in Hannover mitteilte. Bei den Frauen war der Rückgang mit 13,7 Prozent etwas geringer - bei ihnen würden Herzinfarkte häufig erst spät erkannt und Warnsignale fehlgedeutet, warnte die KKH.

Umfrage: Vier von Fünf finden Vorsorge wichtig – doch nur jeder Zweite geht hin

Vier von fünf Versicherten halten Gesundheitsvorsorge für wichtig, doch nur knapp jeder zweite geht auch regelmäßig zu Untersuchungen. Das zeigt eine Umfrage des Instituts Yougov im Auftrag des Ärzteportals Doctolib, deren Ergebnisse der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch vorlagen. Die Studie spricht von einem "Präventions-Paradox".

Gesetzlich Versicherte müssen im Schnitt 42 Tage auf Facharzttermin warten

Gesetzlich Versicherte mussten 2024 länger auf einen Facharzttermin warten als noch vor einigen Jahren. Das geht aus Antworten des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, die der "Rheinischen Post" (Mittwochsausgabe) vorlag. Laut einer Versichertenbefragung, auf die sich die Bundesregierung beruft, betrug die Wartezeit im Jahr 2024 im Schnitt 42 Tage. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 33 Tage.

Zahnarzt-Kosten: Vorstoß von CDU-Wirtschaftsrat stößt auch in Union auf Ablehnung

Mit seinem Vorschlag, Zahnarzt-Behandlungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen, stößt der Wirtschaftsrat der CDU auch innerhalb der Partei auf breite Kritik. Vor den anstehenden Landtagswahlen warnten führende CDU-Politiker davor, die Bürgerinnen und Bürger mit derartigen Forderungen zu vergraulen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erteilte dem Vorstoß des CDU-nahen Unternehmerverbandes eine kategorische Absage.

Textgröße ändern: