Deutsche Tageszeitung - In Debatte über Corona-Isolation mehren sich Forderungen nach Erhalt der Pflicht

In Debatte über Corona-Isolation mehren sich Forderungen nach Erhalt der Pflicht


In Debatte über Corona-Isolation mehren sich Forderungen nach Erhalt der Pflicht
In Debatte über Corona-Isolation mehren sich Forderungen nach Erhalt der Pflicht / Foto: © AFP/Archiv

In der Debatte über die Isolation für Corona-Infizierte mehren sich die Forderungen nach einer Beibehaltung der bisherigen Pflicht. Die Lehrerverbände warnten vor Schulschließungen infolge steigender Infektionszahlen, der Hausärzteverband nannte die derzeit geltende fünftägige Isolationspflicht "vernünftig". Dies stelle bereits eine Verkürzung dar, sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt der "Welt". Die FDP pochte hingegen auf eine Abschaffung der Regelung.

Textgröße ändern:

"Die Selbstisolation jetzt aufzugeben käme bei den aktuellen Infektionszahlen einer Durchseuchung gleich", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Keller, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Speziell in den Lehrerzimmern bestehe die Gefahr folgenreicher Ansteckungen. "Schon stehen wir wieder vor Schulschließungen. Das kann nicht das Ziel sein."

Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sagte dem RND: "Wenn alle Quarantäne- und Schutzmaßnahmen aufgegeben werden und sich Infektionen ungehindert ausbreiten können, besteht die Gefahr, dass sich der bestehende Lehrkräftemangel so verschärft, dass das Kartenhaus Schule endgültig zusammenbricht."

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sagte dem RND, bei einer Kombination aus nachlassendem Impfschutz, nicht verfügbarer Maskenpflicht, dem Zurückfahren von Testungen sowie dem nun diskutierten Abbau von Quarantäne- und Isolationsmaßnahmen "befürchten wir im Herbst eine so große Infektionswelle an Schulen, dass der Schulbetrieb ernsthaft gefährdet sein könnte." Wenn mehr als 20 Prozent eines Kollegiums erkrankt seien, sei ein normaler Schulbetrieb in aller Regel kaum mehr möglich.

Hausärzte-Chef Weigeldt sagte der "Welt": "Wer einen positiven Test hat, sollte einige Tage zu Hause bleiben, auch wenn er sich ganz gut fühlt." Dies gelte natürlich umso mehr, wenn jemand im medizinischen Bereich arbeite, sagte Weigeldt weiter. So würden weitere Ansteckungen vermieden. "Ich halte diese permanente Debatte aktuell für sinnlos. Wir haben ein Informationschaos, das mehr verwirrt, als dass es hilft."

In der Ampel-Koalition gibt es derzeit Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Isolationspflicht bei Corona-Infektionen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) plädiert ebenso wie die Grünen für die Beibehaltung der geltenden Regelung, die FDP setzt sich für die Abschaffung ein.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) lehnte eine Aufhebung der Corona-Isolationspflicht ab. "Eine Pandemie ist keine Privatveranstaltung", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Infizierte, die sich nicht isolieren, können auch ohne eigene Symptome andere anstecken und deren Gesundheit gefährden."

"Man löst zudem keinen Personalmangel, indem man viele Infizierte in die Betriebe lässt, die dann wieder andere infizieren", so Weil. Außerdem würden bei einer Aufhebung der Isolationspflicht alle Beschäftigten einem unnötigen Gesundheitsrisiko am Arbeitsplatz ausgesetzt. "Auch ein Blick in die Kliniken und auf die Todeszahlen zeigt, dass derzeit überhaupt kein Anlass besteht, um über eine Aufhebung der wenigen verbliebenen Schutzmaßnahmen zu diskutieren."

Der FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann sagte dagegen im ZDF-"Morgenmagazin", es gebe vielfältige Möglichkeiten zum Schutz vor dem Coronavirus. Er nannte dabei die Impfung, Medikamente und das Maskentragen. "Wir müssen versuchen, mit diesem Virus zu leben." Früher oder später werde sich jeder infizieren. Natürlich solle jeder, der krank sei, zuhause bleiben. Aber "staatliche Maßnahmen werden und nicht weiterhelfen".

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

Arbeitgeber fordern "Ausgabenmoratorium" bei gesetzlicher Krankenversicherung

Vor der Veröffentlichung der Empfehlungen zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung hat Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger eine Begrenzung der Ausgaben angemahnt. "Wir haben heute schon die teuerste Gesundheitsversorgung Europas - allerdings ohne die entsprechende Qualität“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der "Welt am Sonntag". Er forderte ein "Ausgabenmoratorium", um den weiteren Anstieg der Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber kurzfristig zu stoppen.

Bundestag macht Weg frei für leichtere "Überkreuz"-Nierenspenden

Nierenspenden durch lebende Personen sollen künftig leichter möglich sein. Der Bundestag beschloss am Donnerstag eine Gesetzesänderung, wonach Lebendspenden von Nieren hierzulande künftig auch zwischen zwei unterschiedlichen Paaren "überkreuz" im Regelfall zugelassen werden. Dies soll den Kreis möglicher Organspenderinnen und -spender erheblich vergrößern.

GKV-Finanzen: Kassen fordern "entschlossenes politisches Handeln"

Vor dem Hintergrund von Milliardendefiziten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben die Kassen "entschlossenes politisches Handeln" gefordert. "Bringen Sie noch vor dem Sommer ein Gesetz auf den Weg, damit die Maßnahmen spätestens im Jahr 2027 greifen", appellierte der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbands am Donnerstag an die Politik. "Weitere Beitragssatzerhöhungen sind für die Beitragszahlenden nicht mehr tragbar und wären zudem Gift für die Wirtschaft!"

Klingbeil-Rede bringt Bewegung in Reformdebatten von Union und SPD

In die Reformdebatten von Union und SPD kommt zunehmend Bewegung. Nach der Grundsatzrede von SPD-Chef Lars Klingbeil ist die Debatte darüber voll entbrannt, wie Belastungen durch Entlastungen an anderer Stelle ausgeglichen werden könnten und umgekehrt. Kritik kommt parteiübergreifend an Überlegungen für eine Anhebung der Mehrwertsteuer.

Textgröße ändern: