Deutsche Tageszeitung - Sozialverband VdK fordert noch radikalere Krankenhausreform

Sozialverband VdK fordert noch radikalere Krankenhausreform


Sozialverband VdK fordert noch radikalere Krankenhausreform
Sozialverband VdK fordert noch radikalere Krankenhausreform / Foto: © AFP/Archiv

Vor einem Spitzengespräch am Donnerstag von Bund, Ländern und Fachleuten über die geplante Krankenhausreform dringt der Sozialverband VdK auf weitergehende Schritte. Verbandspräsidentin Verena Bentele erklärte am Mittwoch in Berlin, die bisherigen Pläne seien zwar ein "Schritt in die richtige Richtung", allerdings müsse das Gesundheitsministerium "in seinen Plänen noch deutlich radikaler sein".

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"Wir fordern eine vollständige Abkehr von der Gewinnorientierung und den sogenannten Fallpauschalen im Vergütungssystem", erklärte Bentele weiter. Das Wohl der Patienten müsse in Zukunft im Mittelpunkt aller Handlungen in den Krankenhäusern stehen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisierte die aktuellen Pläne und forderte zusätzliche Mittel. Die von einer Expertenkommission erstellten Reformpläne basierten auf einer "falschen Grundprämisse", sagte der DKG-Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß dem Portal t-online. "Die Reform soll nach Vorstellung der Kommission die aktuellen Mittel nur umverteilen." Der von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angekündigte Vorrang der Medizin vor der Ökonomie sei zwar richtig, bleibe aber bislang ein leeres Versprechen.

Der ökonomische Druck, der auf den Krankenhäusern laste, sei gewaltig, sagte Gaß. 60 Prozent der Krankenhäuser erwarteten für das Jahr 2022 "zum Teil tiefrote Zahlen". Auch 2023 würden die Kosten der Häuser "doppelt so schnell steigen" wie die staatlich festgelegten Preise.

Gaß rechnet demnach mit einem "strukturellen Defizit" von 15 Milliarden Euro. "Das Klinik-Sterben im kalten Strukturwandel geht damit ungehindert weiter und wird in diesem Jahr voraussichtlich einen neuen Höhepunkt erreichen", zeigte Gaß sich überzeugt.

Ein Bündnis von mehreren Krankenhausinitiativen verlangte, das System der Fallpauschalen vollständig abzuschaffen. Die Beteiligten warfen Lauterbach einen "Etikettenschwindel" vor, weil er die Fallpauschalen lediglich durch zusätzliche Instrumente ergänzen wolle.

Positiv zu den Reformplänen äußerte sich der Medizinische Dienst Bund. "Es ist im Sinne der Patientinnen und Patienten, wenn komplexe Leistungen auf dafür besonders qualifizierte Kliniken konzentriert werden und gleichzeitig die Grundversorgung sichergestellt ist", erklärte dessen Vorstandsvorsitzender Stefan Gronemeyer.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warnte in diesem Zusammenhang allerdings, durch die Reform dürften nicht "kleine Krankenhäuser auf dem Land auf der Strecke bleiben". Auch im ländlichen Raum bräuchten die Menschen "passgenaue Angebote bei Schlaganfall, Herzinfarkt, Krebs-Therapie und Altersmedizin".

(Y.Leyard--DTZ)

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