Deutsche Tageszeitung - Kassenverband: Krankenhausreform muss sich am Behandlungsbedarf orientieren

Kassenverband: Krankenhausreform muss sich am Behandlungsbedarf orientieren


Kassenverband: Krankenhausreform muss sich am Behandlungsbedarf orientieren
Kassenverband: Krankenhausreform muss sich am Behandlungsbedarf orientieren / Foto: © AFP/Archiv

Die gesetzlichen Krankenkassen fordern bei der Debatte um die geplante Krankenhausreform einen Perspektivwechsel. "Insgesamt wird zu viel über die finanzielle Versorgung von Krankenhäusern gesprochen und zu wenig darüber, welche Strukturen es für die Versorgung der Menschen braucht", sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florian Lanz, am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Die Stiftung Patientenschutz forderte derweil von Bund und Ländern eine Standortgarantie für mindestens 250 Kliniken auf dem Land zur Grundversorgung der Bevölkerung.

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Das gemeinsame Ziel aller an der Reformdiskussion Beteiligten sei es, "die bedarfsgerechte Versorgung auf dem Land und in der Stadt sicherzustellen", sagte Lanz weiter. "Was aber nicht funktionieren wird, ist der Erhalt bestehender Strukturen nur um der Krankenhäuser willen." Ein Erhalt des Status quo würde die Versorgung in der Zukunft schlechter und nicht besser machen, betonte der Sprecher des GKV-Spitzenverbands und fügte hinzu: "Ohne Veränderungen wird es nicht gehen."

Krankenhäuser, die zum Beispiel weiterhin Krebsbehandlungen vornähmen, obwohl sie dafür nicht ausgestattet seien, "gefährden Leben und Gesundheit der Patientinnen und Patienten", so Lanz. Das Gebot der Stunde laute: "Den medizinischen Versorgungsbedarf zu ermitteln, verlässliche Qualitätsstandards für die gute Versorgung festlegen und dann die Versorgungsstrukturen an den Behandlungsbedarf der Bevölkerung anpassen", betonte er. "Mehr Spezialisierung und verlässliche flächendeckende Versorgung sind zwei Seiten derselben Medaille."

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte der "Augsburger Allgemeinen" vom Donnerstag, die stationäre Versorgung im ländlichen Raum müsse vorrangig gesichert werden. Darauf müssten sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und die Ressort-Chefs der Länder "zuallererst" verständigen, forderte er.

"Bund, Länder, Krankenhäuser und ärztliche Standesverbände müssen sich endlich den Fakten stellen", forderte der Patientenschützer. "Schließlich zählen die deutschen Kliniken rund 2,7 Millionen weniger Patienten als noch 2017. Dieser Rückgang von knapp 14 Prozent geht zwangsläufig mit Mindereinnahmen einher." Derzeit sei fast ein Drittel der Krankenhausbetten nicht belegt.

"Doch anstatt die Krankenhausreform an den Belegungszahlen und individuellen Bedarfen zu orientieren, werden zeitraubende Grabenkämpfe geführt und unnötig Ängste bei der Bevölkerung geschürt", kritisierte Brysch. Er forderte einen "Strukturwandel, der vor allem die stationäre Versorgung im ländlichen Raum sofort gewährleistet".

Bund und Länder wollen bis zur Sommerpause einen gemeinsamen Entwurf für ein Gesetz zur Reform der Krankenhausfinanzierung vorlegen. Lauterbach strebt unter anderem an, dass Leistungen nicht mehr von allen Kliniken erbracht werden, sondern auf verschiedene Versorgungslevel verteilt werden. Einige Bundesländer befürchten deshalb eine Konzentration auf große Häuser in Ballungszentren und die Ausdünnung der Versorgung auf dem Land.

(O.Zhukova--DTZ)

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