Deutsche Tageszeitung - WHO stuft Süßstoff Aspartam als "möglicherweise krebserregend" ein

WHO stuft Süßstoff Aspartam als "möglicherweise krebserregend" ein


WHO stuft Süßstoff Aspartam als "möglicherweise krebserregend" ein
WHO stuft Süßstoff Aspartam als "möglicherweise krebserregend" ein / Foto: © GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Süßstoff Aspartam als "möglicherweise krebserregend für den Menschen" eingestuft. "Wir raten Unternehmen nicht dazu, ihre Produkte zurückzurufen, und wir raten Verbrauchern auch nicht, den Konsum komplett einzustellen", sagte Francesco Branca, Direktor für Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit bei der WHO, am Freitag in Genf. "Wir raten nur zu etwas Mäßigung", fügte er hinzu. Die erlaubte Tagesdosis bleibe gleich.

Textgröße ändern:

Die WHO stellte in Genf die Ergebnisse von zwei Arbeitsgruppen vor, die den Forschungsstand zu Aspartam auswerteten. Aspartam ist ein synthetisch hergestellter Süßstoff, der sich in zahlreichen Lebensmitteln findet, darunter vor allem Light-Getränke, Backwaren, Milchprodukte, Frühstücksflocken, zuckerfreie Kaugummi, Instantkaffee, Pudding und Fertiggerichte. Es ist auch in zahlreichen Medikamenten enthalten.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), ein Gremium der WHO, bewertete Anfang Juni im französischen Lyon zum allerersten Mal die Kanzerogenität von Aspartam. Die Arbeitsgruppe habe Aspartam als "möglicherweise krebserregend für den Menschen" eingestuft, erklärte die WHO nun. Aufgrund der begrenzten Beweise für das hepatozelluläre Karzinom, eine Form von Leberkrebs, sei es in die Kategorie Gruppe 2B eingeordnet worden. Auch bei Versuchstieren habe es nur begrenzte Beweise für Krebs gegeben.

In der Gruppe 2B seien auch Aloe-Vera-Extrakte und die in Kaffee und Tee enthaltene Kaffeesäure enthalten, sagte Paul Pharoah, Professor für Krebsepidemiologie, am Cedars-Sinai-Krankenhaus in Los Angeles. Die breite Öffentlichkeit müsse sich bei einer Chemikalie, die der Gruppe 2B zugeordnet werde, keine Sorgen über das Krebsrisiko machen, sagte Pharoah.

Eine zweite Arbeitsgruppe, ein von der WHO und der UN-Lebensmittelbehörde FAO gebildeter Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA), beriet vom 27. Juni bis 6. Juli über die Risiken im Zusammenhang mit Aspartam. Sie kam zu dem Schluss, dass aufgrund der vorliegenden Daten kein Anlass zur Änderung der zulässigen Tagesdosis besteht. Sie liegt seit 1981 bei maximal 40 Milligramm Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht.

Da eine Dose Softdrink zwischen 200 oder 300 Milligramm Aspartam-Süßstoff enthält, müsste ein 70 Kilogramm schwerer Mensch mehr als neun und bis zu 14 Dosen trinken, um über die zulässige Tagesdosis zu kommen, vorausgesetzt, es werden keine weiteren Lebensmittel mit Aspartam konsumiert. "Das Problem liegt bei Verbrauchern mit hohem Konsum", sagte Branca. Wer nur hin und wieder eine Diätlimo trinke, müsse sich keine Sorgen machen.

Schätzungen zufolge wird Aspartam von 200 Millionen Menschen weltweit regelmäßig konsumiert. Der Zusatzstoff hat in der EU den Code E 951.

(O.Zhukova--DTZ)

Empfohlen

Koalition debattiert weiter über Pflegereform - Kosten steigen derweil weiter

Die Koalition debattiert weiter über Details einer Strukturreform der Pflegeversicherung - die Kosten steigen derweil weiter. Die Durchschnittslöhne in der Pflege legten in diesem Jahr abermals zu: um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nun 24,50 Euro pro Stunde. Dies geht aus Berechnungen des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Der Verband mahnte eine rasche Umsetzung von Reformen an, um einen weiteren Anstieg der von den Versicherten zu zahlenden Eigenanteile zu bremsen.

Eineinhalb Millionen Betroffene: Leopoldina fordert bessere Therapien bei Long-Covid

Auch mehrere Jahre nach dem Ende der Coronapandemie gibt es Experten zufolge erhebliche Versorgungslücken bei der Behandlung von Spätfolgen wie Long-Covid. Betroffene würden nach wie vor falsch diagnostiziert und fänden keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten bei Ärzten und in Hochschulambulanzen, erklärte die Wissenschaftsakademie Leopoldina in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungsnahme zu postinfektiösen Erkrankungen.

Linnemann weist Pflege-Forderungen der SPD zurück: Kostendeckel wäre "gefährlich"

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat die Forderung des Koalitionspartners SPD nach einer Deckelung der Eigenanteile bei der Pflege kategorisch zurückgewiesen. "Ein Deckel ist ja hochgradig gefährlich", sagte Linnemann am Mittwochabend im "heute journal" des ZDF. "Das muss man einfach so sagen." Ein solcher Deckel würde dazu führen, "dass die Kosten weiter ausarten", warnte der Minister.

Bundeskabinett beschließt Pflegereform - aber weiter Kritik

Bis zuletzt hatten Union und SPD um die Pflegereform gerungen, nun wurde sie im Bundeskabinett verabschiedet. Sie blieb dabei größtenteils so, wie sie Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geplant hatte. Dieser sprach am Mittwoch von einem "ersten wichtigen Schritt" zur Stabilisierung des Pflegesystems. Die Hauptforderungen der SPD blieben hingegen unberücksichtigt - um sie soll sich eine neue Kommission kümmern.

Textgröße ändern: