Deutsche Tageszeitung - Medizin-Nobelpreis für mRNA-Forschung an Wissenschaftler aus Ungarn und den USA

Medizin-Nobelpreis für mRNA-Forschung an Wissenschaftler aus Ungarn und den USA


Medizin-Nobelpreis für mRNA-Forschung an Wissenschaftler aus Ungarn und den USA
Medizin-Nobelpreis für mRNA-Forschung an Wissenschaftler aus Ungarn und den USA / Foto: © AFP

Die ehemalige Biontech-Vizepräsidentin Katalin Karikó und der US-Wissenschaftler Drew Weissman erhalten für ihre Grundlagenforschung zur mRNA-Technologie den Medizin-Nobelpreis. Die Preisträger hätten mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, "in einem beispiellosen Tempo Impfstoffe anlässlich einer der größten Bedrohungen für die menschliche Gesundheit in der Neuzeit zu entwickeln", gab das Nobel-Komitee am Montag in Stockholm mit Blick auf die Corona-Pandemie bekannt.

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Die mRNA-Technologie ebnete den Weg für die Entwicklung der Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Die ungarische Biochemikerin Karikó arbeitete eng mit den Gründern des deutschen Pharmaunternehmens Biontech, Özlem Türeci und Ugur Sahin, zusammen. Von 2013 bis 2022 war sie Vizepräsidentin des in Mainz ansässigen Unternehmens.

Das Unternehmen erklärte am Nachmittag: "Wir schätzen Kati und Drew für ihre Leidenschaft, ihre Beharrlichkeit und ihr Engagement." Der Preis solle Wissenschaftler weltweit "daran erinnern, ihre Forschungsarbeit fortzusetzen und das volle Potenzial neuer Wirkstoffklassen auszuschöpfen".

Mit der diesjährigen Ehrung brach das Nobel-Komitee mit seiner üblichen Praxis, jahrzehntealte Forschungsarbeiten zu würdigen, die sich bereits über einen längeren Zeitraum bewährt haben. Das Nobel-Komitee gab zur Begründung für die Preisvergabe unter anderem an, mit ihren Entdeckungen über die Veränderungen der Nukleobasen hätten die beiden Forscher "die Entwicklung von wirksamen mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19 ermöglicht". Biontech erklärte, dies sei "eine der wichtigen Innovationen" für seinen Impfstoff gewesen.

Die 68-jährige Karikó und der 64-jährige Weissman, langjährige Kollegen an der Universität von Pennsylvania in den USA, erhielten für ihre Forschung bereits mehrere renommierte Preise. Karikó wurde 2022 gemeinsam mit den Biontech-Gründern auch mit dem renommierten Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis ausgezeichnet.

Auf die Ehrung mit dem Nobelpreis reagierten beide ungläubig. Karikó sagte dem schwedischen Rundfunk, sie habe die Nachricht nicht glauben können und erst einmal gelacht. "Das ist unglaublich", sagte sie. Gleichzeitig habe sie an ihre mittlerweile verstorbene Mutter gedacht, die sich die Verkündung der Nobelpreisträger jahrelang im Fernsehen angeschaut habe - in der Hoffnung den Namen ihrer Tochter zu hören. Auch Weissman glaubte zunächst "an einen Streich".

Die Corona-Impfstoffe wurden ab Ende 2020 für den Einsatz zugelassen und retteten dem Nobel-Komitee zufolge "Millionen von Menschenleben" und bewahrten "viele weitere vor schweren Krankheiten". Im Gegensatz zu herkömmlichen Impfstoffen, die abgeschwächte Viren oder ein Teil des Virusproteins verwenden, liefern mRNA-Impfstoffe die genetischen Moleküle, die den Zellen mitteilen, welche Proteine sie bilden sollen. Dadurch wird quasi eine leichte Infektion simuliert.

Die Biochemikerin Karikó erkannte bereits in den 1990er Jahren den großen Wert von mRNA zur Behandlung von Krankheiten - zum großen Durchbruch gelangte die Technologie jedoch erst Mitte der 2000er Jahre. Die mRNA-Technologie wird auch zur Entwicklung von Behandlungen von Krankheiten wie Krebs, Grippe oder Herzleiden genutzt.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) schrieb im Onlinedienst X, ehemals Twitter, eine bessere Wahl für den Nobelpreis Medizin könne es nicht geben. Ohne den Beitrag der beiden Forscher "wären Millionen Menschen mehr an Covid gestorben". Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) gratulierte den beiden Wissenschaftlern und nannte die mRNA-Technologie einen "echten Gamechanger". Auch der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaft Leopoldina, Gerald Haug, beglückwünschte Leopoldina-Mitglied Karikó.

Der Nobelpreis ist mit elf Millionen schwedischen Kronen (rund 920.000 Euro) dotiert. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung für Medizin an den Schweden Svante Pääbo, der am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig tätig ist. Karikó und Weissman werden ihren Preis am 10. Dezember, dem Todestag des Wissenschaftlers Alfred Nobel, bei einer Zeremonie in Stockholm von König Carl XVI. Gustaf überreicht bekommen.

Die Bekanntgabe der Preisträger in der Kategorie Medizin bildete den Auftakt des Nobelpreis-Reigens in dieser Woche. Am Dienstag und Mittwoch folgen die Preisträger für Physik und Chemie, am Donnerstag für Literatur und am Freitag für den Friedensnobelpreis. Am darauffolgenden Montag bildet die Bekanntgabe des Preisträgers für Wirtschaftswissenschaften den Abschluss.

(I.Beryonev--DTZ)

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