Deutsche Tageszeitung - Nach Vermittlung: Medikamente für Geiseln und humanitäre Hilfe auf Weg in Gazastreifen

Nach Vermittlung: Medikamente für Geiseln und humanitäre Hilfe auf Weg in Gazastreifen


Nach Vermittlung: Medikamente für Geiseln und humanitäre Hilfe auf Weg in Gazastreifen
Nach Vermittlung: Medikamente für Geiseln und humanitäre Hilfe auf Weg in Gazastreifen / Foto: © AFP

Nach einer Einigung zwischen Israel und der islamistischen Hamas werden am Mittwoch Medikamente für die israelischen Geiseln sowie humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung auf den Weg in den Gazastreifen gebracht. Die Medikamente und die Hilfsgüter würden in die ägyptische Stadt al-Arisch "an Bord von zwei Flugzeugen der katarischen Streitkräfte für den Transfer in den Gazastreifen" geliefert, sagte Katars Außenminister und Regierungschef Abdulrahman Al-Thani. Derweil dauerten die Kämpfe in dem Palästinensergebiet unvermindert an.

Textgröße ändern:

Über die Einigung zu den Medikamenten- und Hilfslieferungen zwischen Israel und der Hamas war unter Vermittlung Katars und Frankreichs wochenlang verhandelt worden. Aus ägyptischen Sicherheitskreisen hieß es am Mittwoch, ein katarisches Flugzeug sei bereits "mit Medikamenten an Bord" in al-Arisch gelandet. Frankreich erklärte, die Medikamente würden an ein Krankenhaus in Rafah geschickt. Dort werden sie demnach dem Roten Kreuz übergeben und aufgeteilt, bevor sie zu den Geiseln gebracht werden.

Mindestens ein Drittel der Geiseln leidet nach Angaben des Forums der Familien der Geiseln an chronischen Krankheiten und ist dringend auf Medikamente angewiesen, darunter zwei Kleinkinder und ältere Menschen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), dem die Angehörigen mangelndes Engagement für die Verschleppten vorwerfen, begrüßte "einen Moment der wohlverdienten Erleichterung für die Familien der Geiseln und die Gesundheitsinfrastruktur in Gaza".

Katar hatte die Vereinbarung nach einer gemeinsamen Vermittlung mit Frankreich am Dienstag bekanntgegeben. "Arzneimittel sollen zusammen mit anderen humanitären Gütern zu den Zivilisten im Gazastreifen geliefert werden im Gegenzug für die Lieferung von Medikamenten an die israelischen Geiseln im Gazastreifen", führte das katarische Außenministerium aus.

Die israelische Regierung bestätigte die Vereinbarung. Das Büro des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu erklärte wenig später, dass die Medikamente für die Geiseln "durch Vertreter Katars zu ihrem Ziel in den Gazastreifen weitergeleitet werden". Er sei allen "dankbar", die zu diesem Abkommen beigetragen hätten.

Die USA zeigten sich ihrerseits optimistisch, dass bei den derzeit unter der Vermittlung Katars weiterhin geführten Gesprächen "bald" eine neue Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas über die Freilassung von Geiseln im Gegenzug für eine Waffenruhe erreicht werden könnte. "Ich will öffentlich nicht zu viel sagen, aber wir sind optimistisch, dass sie Früchte tragen und dass sie bald Früchte tragen", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, über die Gespräche.

Katar vermittelt seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas am 7. Oktober zwischen beiden Seiten. Der Golfstaat hatte unter anderem eine einwöchige Kampfpause im November vermittelt, während der dutzende israelische Geiseln frei kamen.

Der Krieg zwischen Israel und der Hamas dauert seit mehr als drei Monaten an. Die von den USA und der EU als Terrororganisation eingestufte Hamas hatte Israel am 7. Oktober in einem beispiellosen Großangriff brutal überfallen und 1140 Menschen getötet sowie rund 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Nach israelischen Angaben sind noch immer 132 Geiseln im Gazastreifen, 27 von ihnen sind vermutlich tot.

Als Reaktion erklärte Israel der Hamas den Krieg und startete einen massiven Militäreinsatz im Gazastreifen. Nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dort seither mindestens 24.448 Menschen getötet.

Augenzeugen berichteten von israelischen Luftangriffen auch in der Nacht zu Mittwoch in der Nähe des Nasser-Krankenhauses in der Stadt Chan Junis im südlichen Gazastreifen, wo sich nach israelischen Angaben führende Hamas-Vertreter und von ihnen verschleppte Geiseln aufhalten. Laut der im Gazastreifen herrschenden Hamas war es "die schwierigste und intensivste Nacht in Chan Junis seit Beginn des Krieges".

Bei einem Angriff nahe des Flüchtlingslagers Balatah in der Stadt Nablus im besetzten Westjordanland tötete die israelische Armee am Mittwoch nach eigenen Angaben den Chef einer palästinensischen "Terrorzelle" und Komplizen. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa sprach von drei getöteten Männern. Mit dem "Präzisionsluftschlag" sei ein von Ahmed Abdullah Abu Schalal geplanter, unmittelbar bevorstehender "Terroranschlag" verhindert worden, teilten Israels Armee und der Inlandsgeheimdienst Schin Beth mit.

Zudem starben bei einem weiteren Militäreinsatz der Armee in dem knapp 30 Kilometer entfernten Flüchtlingslager Tulkarem vier Menschen, wie der palästinensische Rote Halbmond mitteilte.

US-Außenminister Antony Blinken rief Israel auf, der von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland geführten Autonomiebehörde zu helfen, anstatt sie zu behindern. "Ohne das werden Sie nicht die echte Sicherheit bekommen, die Sie brauchen", sagte Blinken beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

(U.Kabuchyn--DTZ)

Empfohlen

Reformen in Gesundheitssystem: Grünen-Politiker Dahmen fordert Eile von Regierung

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen hat die Bundesregierung zur Eile bei Reformen im Gesundheitsbereich aufgerufen. Es sei bislang "ein verlorenes Jahr" gewesen, kritisierte er am Montag im "Morgenmagazin" des ZDF. Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung erteilte der Grünen-Politiker aber eine Absage: "Das verängstigt die Menschen und hilft nicht weiter", sagte Dahmen in der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv.

Arbeitgeber fordern "Ausgabenmoratorium" bei gesetzlicher Krankenversicherung

Vor der Veröffentlichung der Empfehlungen zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung hat Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger eine Begrenzung der Ausgaben angemahnt. "Wir haben heute schon die teuerste Gesundheitsversorgung Europas - allerdings ohne die entsprechende Qualität“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der "Welt am Sonntag". Er forderte ein "Ausgabenmoratorium", um den weiteren Anstieg der Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber kurzfristig zu stoppen.

Bundestag macht Weg frei für leichtere "Überkreuz"-Nierenspenden

Nierenspenden durch lebende Personen sollen künftig leichter möglich sein. Der Bundestag beschloss am Donnerstag eine Gesetzesänderung, wonach Lebendspenden von Nieren hierzulande künftig auch zwischen zwei unterschiedlichen Paaren "überkreuz" im Regelfall zugelassen werden. Dies soll den Kreis möglicher Organspenderinnen und -spender erheblich vergrößern.

GKV-Finanzen: Kassen fordern "entschlossenes politisches Handeln"

Vor dem Hintergrund von Milliardendefiziten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben die Kassen "entschlossenes politisches Handeln" gefordert. "Bringen Sie noch vor dem Sommer ein Gesetz auf den Weg, damit die Maßnahmen spätestens im Jahr 2027 greifen", appellierte der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbands am Donnerstag an die Politik. "Weitere Beitragssatzerhöhungen sind für die Beitragszahlenden nicht mehr tragbar und wären zudem Gift für die Wirtschaft!"

Textgröße ändern: