Deutsche Tageszeitung - Diagnostik: Neue Methode testet Patientenproben gleichzeitig auf hunderte Viren

Diagnostik: Neue Methode testet Patientenproben gleichzeitig auf hunderte Viren


Diagnostik: Neue Methode testet Patientenproben gleichzeitig auf hunderte Viren
Diagnostik: Neue Methode testet Patientenproben gleichzeitig auf hunderte Viren / Foto: © AFP/Archiv

Krankmachende Viren in Patientenproben können künftig schneller identifiziert werden. Ein Forscherteam des Robert-Koch-Instituts (RKI) entwickelte nach Angaben vom Freitag ein neues Verfahren, mit dem Proben auf hunderte verschiedene Viren gleichzeitig untersucht werden können. Bislang werden in der Routinediagnostik vor allem Tests auf Antikörper oder PCR-Tests wie beim Coronavirus verwendet, mit denen jedoch nur gezielt nach einzelnen Viren gesucht und nur eine begrenzte Anzahl von Viren pro Probe getestet werden kann. Das kostet im Zweifel wertvolle Zeit.

Textgröße ändern:

RKI-Forschende setzen nun bei ihrer neuen Methode auf die Massenspektrometrie. Dabei kann die Masse von Molekülen und damit deren Identität und Menge bestimmt werden. Sie ist die zentrale Technik für die Untersuchung von Proteinen. Proteine sind die Bausteine des Lebens und kontrollieren nahezu alle zellulären Funktionen. Auch Viren bilden verschiedene Proteine und können so indirekt mit Hilfe der Massenspektrometrie identifiziert werden.

Die Forschenden erstellten zunächst eine sogenannte Spektren-Bibliothek mit den spezifischen Fingerabdrücken von 1,4 Millionen viralen Proteinsequenzen. Damit sind fast alle bekannten, beim Menschen potenziell krankmachenden Viren abgedeckt - das sind mehr als 300. Die Werte aus Patientenproben können mit den Daten der Bibliothek abgeglichen werden. Derzeit lassen sich auf diese Weise in einer einzigen Patientenprobe zeitgleich Proteine von 331 sogenannten humanpathogenen Viren identifizieren und das in gerade einmal zwei Stunden.

Die RKI-Forschenden gehen davon aus, dass der Massenspektrometrie in der Diagnostik von viralen Infektionskrankheiten künftig eine entscheidende Rolle zukommen könnte, auch bedingt durch Fortschritte in der Technologie und durch KI-gestützten Datenanalyse. Für die Diagnostik von bakteriellen Infektionen wird die Massenspektrometrie in vielen Laboren bereits standardmäßig genutzt. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlicht.

(G.Khurtin--DTZ)

Empfohlen

Regelmäßiger Alkoholkonsum junger Erwachsener erreicht historischen Tiefstand

Junge Menschen in Deutschland trinken nach neuen Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit deutlich seltener regelmäßig Alkohol als früher. Rauschtrinken bleibt insbesondere unter jungen Männern verbreitet.

Barmer-Analyse: Ohne bessere Patientensteuerung deutlich mehr Notfallbehandlungen

Ohne eine bessere Patientensteuerung könnte die Zahl ambulanter Notfallbehandlungen in Krankenhäusern laut einer Krankenkassenstudie bis zum Jahr 2040 von zuletzt 13 Millionen auf 15,7 Millionen steigen. Das wäre ein Zuwachs um rund 21 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024, wie aus einer Analyse des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung hervorgeht, die der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag vorlag.

Patientenschützer fordern Zusammenlegung von privaten und gesetzlichen Pflegekassen

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat angesichts der Finanzprobleme der Pflegekassen die Zusammenlegung von gesetzlicher und privater Pflegeversicherung gefordert. "Es braucht jetzt mutige Entscheidungen in der schwarz-roten Koalition. Die Zusammenlegung der privaten und gesetzlichen Pflegeversicherung ist überfällig", sagte Vorstand Eugen Brysch der "Rheinischen Post" vom Mittwoch.

Krankenkasse: Deutlicher Anstieg bei Hautkrebspatienten

Die Zahl der an Hautkrebs erkrankten Menschen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Von 2014 bis 2024 erhöhte sich die Zahl der Behandlungen wegen der Diagnose schwarzer Hautkrebs um 28 Prozent, wie aus einer am Mittwoch in Hannover veröffentlichten Analyse der Krankenkasse KKH hervorgeht. Die Zahl der Betroffenen mit dem weniger gefährlichen weißen Hautkrebs stieg sogar um 45 Prozent an.

Textgröße ändern: