Deutsche Tageszeitung - Mecklenburg-Vorpommern: Inzwischen 40 gemeldete Ehec-Fälle - Behörden: "Ausbruch"

Mecklenburg-Vorpommern: Inzwischen 40 gemeldete Ehec-Fälle - Behörden: "Ausbruch"


Mecklenburg-Vorpommern: Inzwischen 40 gemeldete Ehec-Fälle - Behörden: "Ausbruch"
Mecklenburg-Vorpommern: Inzwischen 40 gemeldete Ehec-Fälle - Behörden: "Ausbruch" / Foto: © AFP/Archiv

Die Zahl der gemeldeten Fälle von Infektionen mit dem Darmkeim Ehec vor allem bei jüngeren Kindern in Mecklenburg-Vorpommern ist inzwischen auf 40 gestiegen. Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Soziales in Rostock vom Donnerstag wurden neun weitere Fälle gemeldet. Zudem flossen zwei Fälle aus Berlin und einer aus Bayern in die Statistik ein.

Textgröße ändern:

Zwölf der Betroffenen litten demnach an einem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), das zu Nierenversagen und neurologischen Störungen führen kann. Noch 15 Patienten wurden im Krankenhaus behandelt, einige mussten auf die Intensivstation. Am Mittwoch waren 19 Menschen im Krankenhaus behandelt worden. Bislang ist die Ursache für die Infektionen noch unklar - ein konkretes Lebensmittel konnte nicht als Quelle identifiziert werden.

Angesichts der Zahl der aktuell vermehrt auftretenden schweren Erkrankungsfälle bei Kindern, die sich ausschließlich in Mecklenburg-Vorpommern ansteckten, muss dem Landesamt zufolge "von einem Ausbruch ausgegangen werden". Nach Untersuchung zahlreicher Proben liegen demnach erste Hinweise auf einen möglichen Ausbruchsstamm vor, die nun weiter differenziert werden. Auch die Gesundheitsämter und das Robert-Koch-Institut sind bei der Suche nach der Infektionsquelle eingebunden.

Das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommerns stellte Kitas und Schulen Hinweise zur Verfügung, wie sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene vor dem Ehec-Erreger schützen können. Landesgesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) erklärte, das Auftreten von Ehec-Fällen sei "generell nicht ungewöhnlich". Allein im vergangenen Jahr seien im Land etwa 140 Fälle verzeichnet worden. "Auffällig ist jedoch die derzeitige Häufung der Fälle, weshalb das Gesundheitsministerium nun auch offiziell von einem Ausbruch ausgeht", erklärte Drese.

Ehec-Fälle treten das gesamte Jahr über in allen Bevölkerungsgruppen auf. Meist handelt es sich um kurzfristige Durchfallerkrankungen, die auch durch andere, häufig besser bekannte Erreger wie Noro- oder Rotaviren, Salmonellen- oder Campylobacterbakterien hervorgerufen werden können. Die gefürchtete HUS-Komplikation mit Nierenversagen betrifft in der Regel Kleinkinder.

In Deutschland hatte es 2011 einen schweren Ehec-Ausbruch mit einigen tausend teils schwer Erkrankten und mehr als 50 Toten gegeben. Der Darmkeim breitete sich damals mit Gemüsesprossen aus. Es war die bis dahin größte Ehec-Epidemie in Deutschland und - gemessen an den HUS-Fällen - der größte weltweit dokumentierte Ausbruch.

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

Koalition debattiert weiter über Pflegereform - Kosten steigen derweil weiter

Die Koalition debattiert weiter über Details einer Strukturreform der Pflegeversicherung - die Kosten steigen derweil weiter. Die Durchschnittslöhne in der Pflege legten in diesem Jahr abermals zu: um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nun 24,50 Euro pro Stunde. Dies geht aus Berechnungen des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Der Verband mahnte eine rasche Umsetzung von Reformen an, um einen weiteren Anstieg der von den Versicherten zu zahlenden Eigenanteile zu bremsen.

Eineinhalb Millionen Betroffene: Leopoldina fordert bessere Therapien bei Long-Covid

Auch mehrere Jahre nach dem Ende der Coronapandemie gibt es Experten zufolge erhebliche Versorgungslücken bei der Behandlung von Spätfolgen wie Long-Covid. Betroffene würden nach wie vor falsch diagnostiziert und fänden keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten bei Ärzten und in Hochschulambulanzen, erklärte die Wissenschaftsakademie Leopoldina in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungsnahme zu postinfektiösen Erkrankungen.

Linnemann weist Pflege-Forderungen der SPD zurück: Kostendeckel wäre "gefährlich"

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat die Forderung des Koalitionspartners SPD nach einer Deckelung der Eigenanteile bei der Pflege kategorisch zurückgewiesen. "Ein Deckel ist ja hochgradig gefährlich", sagte Linnemann am Mittwochabend im "heute journal" des ZDF. "Das muss man einfach so sagen." Ein solcher Deckel würde dazu führen, "dass die Kosten weiter ausarten", warnte der Minister.

Bundeskabinett beschließt Pflegereform - aber weiter Kritik

Bis zuletzt hatten Union und SPD um die Pflegereform gerungen, nun wurde sie im Bundeskabinett verabschiedet. Sie blieb dabei größtenteils so, wie sie Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geplant hatte. Dieser sprach am Mittwoch von einem "ersten wichtigen Schritt" zur Stabilisierung des Pflegesystems. Die Hauptforderungen der SPD blieben hingegen unberücksichtigt - um sie soll sich eine neue Kommission kümmern.

Textgröße ändern: