Deutsche Tageszeitung - Weltalzheimertag: Experten fordern mehr Prävention von Demenzerkrankungen

Weltalzheimertag: Experten fordern mehr Prävention von Demenzerkrankungen


Weltalzheimertag: Experten fordern mehr Prävention von Demenzerkrankungen
Weltalzheimertag: Experten fordern mehr Prävention von Demenzerkrankungen / Foto: © AFP/Archiv

Zum Weltalzeimertag haben Experten auf die Bedeutung der Prävention aufmerksam gemacht. Es sei "wichtig, ein Bewusstsein für die Notwendigkeit und Wirksamkeit von Demenzprävention in der Bevölkerung zu schaffen - und zwar nicht erst im höheren Alter", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Alzheimergesellschaft, Swen Staack, am Freitag in Berlin. Die meisten Risikofaktoren seien bereits im mittleren Erwachsenenalter relevant.

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In Deutschland leben heute mehr als 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Ungefähr zwei Drittel davon, etwa 1,2 Millionen, haben Alzheimer. Im Jahr 2023 erkrankten etwa 445.000 Menschen im Alter von über 65 Jahren neu an einer Demenz. Wegen der älter werdenden Bevölkerung wächst die Zahl der Betroffenen - das Alter ist der größte Risikofaktor für Demenz.

Forscher benannten aber auch 14 beeinflussbare Risikofaktoren. Dazu zählen unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen, Übergewicht, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum sowie Vitamin- und Hormonmangelzustände.

Auch bei einer schon bestehenden Demenzerkrankung können Experten zufolge gesunde Ernährung, körperliche und geistige Aktivität sowie vielfältige soziale Kontakte den Verlauf deutlich positiv beeinflussen. "Leider wird dieses Potential auch von Ärztinnen und Ärzten häufig unterschätzt", erklärte Staack.

Angesichts der gerade alternden geburtenstarken Jahrgänge komme auch der frühen Diagnostik, bei der eine spezifische Demenzursache identifiziert wird, eine zentrale Bedeutung zu. erklärte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geronotpsychiatrie und –psychotherapie, Michael Rapp.

Sieben bis 15 Prozent der Demenzursachen seien "reversibel, also können ursächlich behandelt werden". Bei den aktuellen Fallzahlen könnte dies bis zu 30.000 Erkrankungsfälle pro Jahr betreffen, die bei flächendeckender Diagnostik jedes Jahr vermeidbar wären. Zudem könnten Medikamenten eine Demenzerkrankung "spürbar" verzögern, betonte der Chef der Alterspsychiater.

Mittlerweile wurde in der Europäischen Union das Alzheimermedikament Leqembi für bestimmte Patientengruppen zugelassen. Mit Lecanemab gibt es erstmals einen Wirkstoff, der die Krankheit in der Anfangsphase bekämpft, statt die Symptome zu behandeln.

Seit Anfang September ist das Medikament auch in Deutschland auf dem Markt. Zugelassen ist es für Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder leichter Demenz, die aufgrund genetischer Veranlagung kein erhöhtes Risiko für Hirnblutungen haben. Dies kann eine schwere Nebenwirkung des Mittels sein.

Nach Angaben von Deutscher Alzheimergesellschaft und Hirnliga, Deutschlands Alzheimerforschern, wird die Zahl der Erkrankten, die potenziell für eine Behandlung mit Lequembi in Frage kommen, auf 30.000 bis 60.000 geschätzt. Die Therapiekosten belaufen sich auf etwa 40.000 Euro pro Jahr und Patient.

Der Weltalzheimertag soll alljährlich am 21. September mit zahlreichen Aktionen auf die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen aufmerksam machen. In diesem Jahr steht er unter dem Motto "Demenz - Mensch sein und bleiben".

(U.Kabuchyn--DTZ)

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